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Ostholstein Wegen Klimaschutz: Droht Feuerwerken an der Ostsee das Aus?
Lokales Ostholstein Wegen Klimaschutz: Droht Feuerwerken an der Ostsee das Aus?
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08:21 10.06.2019
Jahr für Jahr, immer Ende August, lockt „Ostsee in Flammen“ Zehntausende Besucher auf den Strand des Ostseebades Grömitz. Quelle: Gäbler
Fehmarn/Grömitz

Sind Großfeuerwerke in Zeiten des Klimaschutzes noch zeitgemäß? Für Konstanz jedenfalls nicht. Die Stadt am Bodensee hat als erste Kommune in Deutschland den Klimanotstand ausgerufen – und will auch gleich das „Konstanzer Seenachtfest“ mit großem Feuerwerk aus dem Programm werfen, eine Traditionsveranstaltung mit 66-jähriger Historie. Ostholsteins Touristiker stehen dem eher verhalten gegenüber. Für Fehmarns Grüne hat Konstanz Vorbildcharakter. Sie wollen nachlegen und für die Insel ebenfalls den Klimanotstand deklarieren.

Der Anfang Mai in Konstanz ausgerufene Klimanotstand soll nach dem Willen der Bodensee-Stadt nicht nur symbolischen Wert haben. Die Kommune überprüfe derzeit viele Projekte auf ihre Umweltfreundlichkeit. Für das traditionelle Seenachtfest könnte es das Aus bedeuten. Oberbürgermeister Uli Burchardt (CDU) sagte dem „Südkurier“: „Es ist meines Erachtens richtig, das ,Seenachtfest’ in der bisherigen Form ab 2020 nicht mehr durchzuführen“. Das Fest passe nicht mehr nach Konstanz und nicht mehr in die Zeit.

Fehmarns Grüne wollen die Diskussion

Für Fehmarns Grüne ist Konstanz eine Steilvorlage: Sie hatten bereits den Antrag gestellt, dass die Insel-Stadtvertreter in der Sitzung am 27. Juni das Thema Klimanotstand diskutieren. Fraktionsvorsitzende Christiane Stodt-Kirchholtes: „Konstanz macht es uns vor. Der Verzicht auf das Seefeuerwerk ist konsequent und folgerichtig. Was zunächst nach einem Schreckgespenst für Touristiker aussieht, kann langfristig wirksam dazu beitragen, nicht Baden zu gehen – durch Überflutung. Auf Feuerwerke zu verzichten, dürfte nicht wirklich weh tun – und es nutzt dem Klima.“

Fehmarns Tourismuschef Oliver Behncke: „Es gibt ja auch leise Feuerwerke wie Lasershows." Quelle: Gäbler

Tourismuschef Oliver Behncke zeigt sich durchaus offen für eine kritische Diskussion über die Zukunft der Insel-Feuerwerke. „Es gibt ja auch leise Feuerwerke wie Lasershows“, sagte Behncke im LN-Gespräch. Wie mittelfristig mit dem Thema umzugehen ist, ist laut Behncke aber Sache der Politik.

Hohwachter Bucht hat „Musik on Fire“ gestrichen

Diese Diskussion hat die Gemeinde Hohwacht lange hinter sich. Grit Wenzel, Geschäftsführerin der Hohwachter Bucht Touristik GmbH, hat bereits 2010 „Musik on Fire“, das Höhenfeuerwerk in der Hohwachter Bucht, aus dem Programm gestrichen. „Aus Gründen des Naturschutzes“, wie sie sagt. Die freigewordenen Mittel nahm sie lieber für andere Veranstaltungen.

Janina Kononov, Marketingleiterin Tourismus-Service Grömitz: „In Sachen Klimaschutz ist das Ostseebad gut aufgestellt.“ Quelle: Rosenkötter

Auch die Grömitzer Tourismuschefin Janina Kononov verweist auf die notwendige politische Diskussion. In Sachen Klimaschutz sei das Ostseebad gut aufgestellt: „Wir haben den Shuttlebus zwischen Lensterstrand und Grömitz, der Urlauber animieren soll, das eigene Auto mal stehen zu lassen. Außerdem gibt es jetzt E-Autos, E-Roller und E-Fahrräder in der Tourist-Info zu mieten. In unseren Eigenbetrieben wie der ,Welle’ verzichten wir zudem auf Strohhalme und Mayo-Tütchen.“

In Heiligenhafen sei über Sinn und Unsinn der Großfeuerwerke bereits intern diskutiert worden, sagte HVB-Chef Manfred Wohnrade. Für diesen Sommer sei deswegen auch noch nichts bestellt worden. „Ich denke, man könnte aber darauf verzichten und stattdessen eine Lightshow anbieten“, kündigte Wohnrade an.

„Den Menschen nicht alle Freuden nehmen“

In Großenbrode steht Tourismuschef Ubbo Voss der Konstanzer Entscheidung eher skeptisch gegenüber: „Man kann den Menschen nicht alle Freuden nehmen“, sagte er. „Das kann man auch anders kompensieren.“ Das Ostseebad baut derzeit gerade E-Ladesäulen am Rathaus und Meerhuus für jeweils zwei Pkw und zwei Fahrräder. Zudem bestelle seine Gemeinde gerade Elektroautos und habe für ihren Promenadenausbau Öko-Schutzpunkte bekommen.

Auch das Ostseebad Kellenhusen feiert ein riesiges Seebrückenfest. Quelle: Eckhard Seemann

Ähnlich äußert sich sein Timmendorfer Kollege Joachim Nitz: „Wir sehen ja, wie gut diese Feuerwerks-Veranstaltungen angenommen werden. Ein kompletter Verzicht ist der falsche Weg. 2017 haben wir mal das Feuerwerk anlässlich des Niendorfer Hafenfestes gestrichen – was meinen Sie, was es danach Beschwerden hagelte.“

Eutins Bürgermeister Carsten Behnk (parteilos): „Klimaschutz ist ein großes Thema bei uns in der Kommune. Wir befassen uns gerade mit der Einrichtung einer Stelle in diesem Bereich. Im Rahmen des Stadtfestes ist ein Feuerwerk geplant. Veranstalterin ist aber nicht die Stadt Eutin.“

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Zehn Gramm Feinstaub bei Feuerwerk

Christian Hartmann von der Ostsee-Pyrotechnik in Oldenburg sieht die Dinge naturgemäß anders. Die Firma ist für eine Vielzahl an Feuerwerksveranstaltungen in Ostholstein verantwortlich, unter anderem auf Fehmarn, in Timmendorf sowie in Grömitz mit „Ostsee in Flammen“. Jahr für Jahr pilgern Zehntausende Besucher auf die Promenade und an den Strand des Ostseebades, um sich vom Glanz und den Reflexionen auf dem Meer faszinieren zu lassen.

„Was glauben Sie, wie hoch die Feinstaubbelastung hierbei wirklich ist?“, fragt Hartmann. Nach einer Berechnung des Bundesumweltamtes entstünden bei 1000 Kilogramm Explosionsmasse rund 100 Gramm Feinstaub. „Bei einem durchschnittlichen Feuerwerk verwenden wir aber nur 100 Kilo Explosionsmasse – also entstehen gerade zehn Gramm Feinstaub.“ Zudem verwende die Firma keine bleihaltigen Bestandteile, keine Plastikkapseln und achte auf wiederverwertbare Materialien.

Fehmarns Grüne zeigen sich davon unbeeindruckt: „Die Ostsee-Kommunen würden gut daran tun“, wenn auch sie den Klimanotstand ausrufen und wirksame Maßnahmen ergreifen, klimaneutral zu werden“, sagte Christiane Stodt-Kirchholtes, die Feuerwerke in die Mottenkiste zu verbannen, sei eine davon.

Veranstaltungen mit Feuerwerk

Ostsee in Flammen“ im Ostseebad Grömitz startet wieder am Freitag, 30. August. Beginn ist um 22.45 Uhr. Bereits von 14.30 Uhr an gibt es ein Piratenfest auf der Wiese Uferstraße, ab 18.30 Uhr legt DJ Stephan Nanz am Seestern auf, um 19 Uhr musiziert Lukas Kowalski und Ester Jung Forum am Café Florida, ab 18 Uhr sorgen DJ Crazy Ardo und die Band Atomik Playboys am Seebrückenvorplatz für gute Laune. 20 Minuten dauert das Feuerwerk. Die Kapitäne der 150 Boote auf der Ostsee bieten zum Abschluss traditionell ein langes Signalhorn-Konzert.

Das „MeerBühnenFest“ in Großenbrode bietet am Sonnabend, 27. Juli, jede Menge Programm für kleine und große Gäste, verschiedenste Schlemmerstände und sowohl DJ- als auch Livemusik. Höhepunkt am Sonnabend ist die Hit Radio Show, bei der acht Musiker mit 200 Kostümen, Perücken und Accessoires mehr als 40 der größten Acts der Musikgeschichte live auf die Bühne bringen. Den Abschluss dieser Show bildet das imposante Höhen-Feuerwerk von der Seebrücke.

Das Stadfest Eutin wird am Sonnabend, 17. August, und Sonntag, 18. August, in der Innenstadt mit drei Bühnen und einem Großflohmarkt an beiden Tagen gefeiert. Die Eröffnungsparty steigt schon am Donnerstag, 15. August, von 18 bis 23 Uhr in der Stadtbucht mit Live-Musik und einem Feuerwerk.

Louis Gäbler