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Ostholstein Schloss Plön: Von der historischen Residenz zur modernen Akademie
Lokales Ostholstein Schloss Plön: Von der historischen Residenz zur modernen Akademie
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09:01 30.11.2019
Der Geschäftsführer der Fielmann-Akademie Lars Hellberg begrüßt als stellvertretender Schlossherr gerne Besucher im Plöner Schloss. Ins barocke Prunkbett, von dem einst die Herzöge besonders hochgestellte Gäste empfingen, legt er sich dabei allerdings nicht. Quelle: Dirk Schneider
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Plön

Majestätisch thront das Plöner Schloss über Stadt und See. Das imposante Wahrzeichen der Region ist ein lebendiges Kulturdenkmal mit einer bewegten und bewegenden Geschichte. In knapp 400 Jahren entwickelte sich das mächtige Bauwerk von der Residenz der Plöner Herzöge zur Fielmann Akademie für Augenoptik.

Hinter den alten Mauern des 1633 bis 1636 erbauten Plöner Schloss, das den Herzögen und dänischen Königen als Residenz diente, verbirgt sich heute die Fielmann-Akademie. Quelle: Dirk Schneider

Schon der Ursprung des Schlosses berge zahlreiche Anekdoten, erzählt der Leiter der Fielmann-Akademie Lars Hellberg bei einem Rundgang. Mitten im „Dreißigjährigen Krieg“ heiratete Plöns erster Herzog Joachim Ernst die Gottorfer Prinzessin Dorothea Auguste und entschied, mit der Mitgift seiner vermögenden Braut ein dieser angemessenes und repräsentatives Domizil für die neue Dynastie zu bauen.

1632 wurden die Reste der ehemaligen Burganlage geschliffen, um Platz für das dreiflügelige Backsteinschloss zu schaffen, das in den folgenden drei Jahren errichtet wurde. Vier Generationen später starb die Linie der Herzöge 1761 mangels legitimer Erben aus und die dänische Krone übernahm das verschuldete Fürstentum. Knapp 80 Jahre dauerte der Dornröschenschlaf, bis der dänische König Christian VIII. zu Beginn seiner Regentschaft das Plöner Schloss zur Sommerresidenz machte. Die sichtbarste Veränderung: Die bis dahin backsteinrote Fassade wurde leuchtend weiß gestrichen.

Vom Schloss zur Schule

Nach dem deutsch-dänischen Krieg fiel Schloss Plön in preußischen Besitz und wurde 1868 in eine schlichte Kadettenanstalt umfunktioniert. In der Weimarer Republik beherbergte das Gebäude eine „Stabila“ (Staatliche Bildungsanstalt) mit humanistischem Bildungsideal, die 1933 einer „Napola“ (Nationalpolitische Erziehungsanstalt) weichen musste. Für einen Tag Anfang Mai 1945 diente das Schloss als Verwaltungssitz der Regierung Dönitz, die auf der Flucht Richtung Flensburg war. 1946 zog das Staatliche Internatsgymnasium Schloss Plön in die alten Mauern ein.

2001 erwarb Günther Fielmann das Schloss und investierte 30 Millionen Euro in aufwendige Sanierungs- und Umbaumaßnahmen, wobei das Land die denkmalpflegerische Restaurierung mit knapp zwölf Millionen Euro förderte. In die historische Ausstattung mit Antiquitäten investierte Fielmann mindestens weitere fünf Millionen Euro. Seit 2004 werden in der Fielmann Akademie Augenoptiker aus- und weitergebildet. Seit 2006 können einige Teilbereiche des Schlosses im Rahmen von kostenfreien Führungen besichtigt werden.

Erinnerungen an die facettenreiche Geschichte des Schlosses.

Viele Epochen hinterließen Spuren

Erste Anlaufstelle ist dabei der historische Gartensaal im Erdgeschoss, der sich durch den gesamten Mittelbau des Schlosses zieht. Aus diesem Bereich habe man Sanitärräume entfernt, die zu den Internatszeiten als Gemeinschaftsumkleide und -bad genutzt worden seien, berichtet Hellberg. Spätestens mit dem Einzug der preußischen Kadetten sei die Innenausstattung und -aufteilung des Gebäudes immer wieder den wechselnden Bedürfnissen der jeweiligen Nutzergruppen angepasst worden.

Karte zeigt alte Gebäude und passende LN-Artikel

Umbau durch Nazis

Zwei lange Flure weiter öffnet er die Tür zur Schlosskapelle, deren Deckenbögen florale Muster aufweisen. „Diese bunte Malerei ist ebenso wie die umlaufenden Spruchbänder wieder hergestellt worden“, berichtet Hellberg. Die Nazis hatten hier eine Zwischendecke eingezogen, um einen neuen Versammlungsraum zu schaffen. „Dieser Remter war mannshoch vertäfelt, die darüberliegenden Wände und Decken weiß übertüncht“, sagt Hellberg. Die jetzige Gestaltung der Kapelle gehe übrigens auf Kaiserin Auguste Victoria zurück, die den sakralen Raum 1898 neu ausmalen ließ.

Die Schlosskapelle, die in der NS-Zeit mit einer Zwischendecke zu Versammlungsraum und Abstellraum geteilt wurde, erstrahlt nach der Restaurierung im preußisch-kaiserlichen Glanz. Quelle: Dirk Schneider

Durch ein kleines Portal mit Totenköpfen geht es dann in die Gruft, in der die Prunksärge und Sarkophage der Fürstenfamilie stehen. Teils in Stein gehauen, teils in Messing graviert finden sich Tafeln mit Namen und Lebensläufen der Verstorbenen.

Zeitreise an den barocken Fürstenhof

Drei Etagen höher vermitteln die herzöglichen Paraderäume deutlich mehr Lebensfreude.Vom Vorzimmer, das einst als Wartesalon diente und mit damaligen Gemälden und Spiegeln sowie der Originalstuckdecke ausgestattet ist, geht es durch ein kleines Audienzzimmer in das Schlafgemach. Prunkstück ist hier der barocke Alkoven, der den Nachbau eines hochherrschaftlichen Himmelbetts umschließt. „Durch die Türen in den Seitenwänden soll der Herzog einen Zugang zu den Schlafzimmern seiner Gemahlin oder Geliebten gehabt haben“, sagt Hellberg. Einen Nachweis auf heimliche Gänge oder Treppen hätten die Nachforschungen allerdings nicht erbracht.

Die wiederhergestellte Bibliothek wird für öffentliche Führungen nicht geöffnet. Quelle: Dirk Schneider

Die etwas abseits liegende Bibliothek, die mit rosaroten Wänden, türkisblauen Einfassungen und vergoldeten Stuckaturen wieder hergestellt wurde, ist für Führungen nicht freigegeben. „Die historischen Bücher und empfindlichen Seidengobelins sollen vor UV-Licht sowie Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen geschützt werden“, erläutert Hellberg.

Moderne Technik hinter den Wänden

Stattdessen kann der Rittersaal begutachtet werden, der oberhalb des Tunnelgewölbes und hinter einigen Wänden mit modernster Technik aufwarten kann. So verbergen sich hinter einigen Spiegeln kleine Fenster, durch die Beamer Bilder und Filme bei Vorträgen auf eine Leinwand übertragen. Die Kronleuchter können für eine bessere Sicht unter die Decke gezogen werden, in der sich wiederum eine leistungsfähige Lüftungsanlage befindet. Dieses gute Klima, sagt Hellberg, komme nicht nur den alten Mauern, sondern allen Besuchern zugute.

Kostenlose Führungen

2001 kaufte Günther Fielmann das Plöner Schloss. 2004 nahm die Fielmann Akademie für Augenoptik den Betrieb auf. 2006 wurde die Bildungseinrichtung offiziell eröffnet und eingeweiht. Seither haben mehr als 160 000 Besucher an Führungen teilgenommen.

Die Akademie beschäftigt 86 Mitarbeiter im Dienstleistungssektor sowie 15 Ausbilder in den Lehrwerkstätten Augenoptik und Hörakustik und 15 Dozenten in der Meisterschule. Hinzu kommen 79 Trainer, die nicht nur im Schloss, sondern auch in dem Fielmann Ausbildungszentrum Offenbach und weiteren Niederlassungen tätig sind. Pro Jahr nehmen etwa 7000 Augenoptiker an den Weiterbildungskursen und Qualifizierungsmaßnahmen der Akademie teil. Die Meisterschule verabschiedet jährlich 60 erfolgreiche Absolventen.

Die rund einstündigen, kostenfreien Führungen werden am Mittwochabend sowie donnerstags, sonnabends und sonntags am späteren Nachmittag angeboten. Da die Plätze begrenzt sind, ist eine Anmeldung erforderlich. Weitere Informationen auf www.fielmann-akademie.com/besichtigungoder unter Telefon 045 22/80 10

 

Von Dirk Schneider

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