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Ostholstein Findus, das joggende Lamm
Lokales Ostholstein Findus, das joggende Lamm
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11:56 14.04.2014
Immer hinterher: Wenn Anja Kasch, die Inhaberin vom Landgasthof Kasch, joggt, klebt Lamm „Findus“ an ihren Fersen. Quelle: Roeßler
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Timmdorf

„Findus“ muss nicht an die Leine. Anders als seine beiden Gefährten, die Hunde „Henry“ und „Sina“, läuft „Findus“ brav bei Fuß, wenn Gastwirtin Anja Kasch aus Timmdorf (Gemeinde Malente) jeden Morgen ihre Laufrunde dreht. Seit Kurzem joggt sie mit einem Schaf, genauer mit einem Lamm. „Findus“, das gerade mal fünf Wochen alte Swatbless-Milchschaf, klebt an Anja Kaschs Fersen, wenn sie ihre zweieinhalb Kilometer lange Joggingstrecke mit ihren beiden Hunden absolviert.








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Die kleinen Beinchen trommeln auf den Boden, „Findus“ verfällt in einen putzigen Galopp, wenn das Böckchen mit der Gruppe mithalten muss. Wenn er ganz übermütig ist, läuft er sogar vorweg. „Er ist ein Überholer“, sagt Anja Kasch nicht ohne Stolz. Vor zwei Wochen hat sie die Mutterrolle für das abgemagerte Lämmchen übernommen. Seitdem weicht es ihr nicht mehr von der Seite.„Findus“ ist ein Drilling. Und weil Schafmütter nur zwei Zitzen haben, kommt bei drei Lämmern meistens eines zu kurz und beginnt zu verkümmern.

„Findus“ war so ein Micker. Weil Anja Kasch schon früher mit Erfolg Lämmer aufgezogen hat, brachte ihr ein befreundeter Schlachter das abgemagerte Lamm Alle zwei Stunden gab ihm Kasch die Flasche. Mittlerweile ist „Findus“ über den Berg, nun bekommt er zwischen der letzten Mahlzeit um Mitternacht und der ersten um 6 Uhr früh nichts mehr. Nur tagsüber darf er sich alle zwei Stunden auf sein Fläschchen freuen. Wenn niemand Zeit hat, es ihm per Hand zu reichen, wird es einfach mit dem Sauger nach unten zwischen die Bretter einer Bank vorm Bauernhaus geklemmt.

So hängt es auf Mutterschaf-Höhe, und das Lamm kann selbstständig trinken.Anja Kasch ist schnell zur Ersatzmutter geworden, der „Findus“ überallhin folgt. „Ich laufe jeden Morgen mit den Hunden, er ist immer hinterher gelaufen. Erst die kleine Runde, und dann fing er an zu überholen“, berichtet Anja Kasch. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kommt „Findus“ nun auch prima mit den Hunden aus. Parson-Russell-Terrier „Henry“ zupfte dem Lämmchen zunächst dauernd am Fell herum. „,Henry’ hat immer mit einem Stofftier gespielt. Für ihn war das nichts anderes als ein Stofftier, das läuft“, sagt Anja Kasch.
Mittlerweile hat „Henry“ verstanden, dass „Findus“ zum Rudel gehört. Border-Collie „Sina“ fand den neuen Hofgenossen zunächst nicht lustig, vor allem das Geräusch seiner klackenden Hufe mochte die Hündin nicht. „Jetzt ignoriert sie ihn“, sagt Anja Kasch.So dreht das ungewöhnliche Quartett jeden Morgen seine Runde ein Stück durchs Dorf und am Trentsee entlang. Für „Findus“ eine wichtige Übung. „Er muss laufen, sonst kriegt er Verstopfung und Bauchschmerzen“, sagt Anja Kasch.
„Und er muss ja auch etwas zu tun haben.“ Tagsüber treibt sich „Findus“ auf dem Hof des Landgasthofes herum, flirtet mit Besuchern und wartet auf sein Fläschchen. Nachdem er anfänglich in einer Plastikbox im Haus wohnte, hat er jetzt einen Stall. Wenn er groß ist, reiht er sich in den Reigen der vielen Tiere auf dem Gelände des Landgasthofes ein.Anja Kasch joggt nicht das erste Mal mit einem Schaf. Vor vier Jahren war es Heidschnucken-Lamm „Molly“, das seiner Ziehmutter immer hinterher lief. Auch „Molly“ war ein Flaschenkind. Sie ist jetzt ein Mitglied der großen Kasch-Tierfamilie.

Ebenso wie „Fritz“ und „Frieda“, die beiden Ziegen, die Anja Kasch auf der Terrasse des Landgasthofes großgezogen hat.„Findus“ hat noch Welpenschutz, darf sich frei auf dem Hof bewegen. Dass er seiner Ziehmutter zu Ostern ein bisschen das Geschäft vermasselt, weiß er nicht. Aber so lange „Findus“ die Gäste des Dorfgasthofes begrüßt, läuft ein Gericht auf der österlichen Speisekarte gar nicht: Lammbraten.

Susanne Peyronnet