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Ostholstein Freche Vögel: Nilgänse besetzen Nester der Weißstörche
Lokales Ostholstein Freche Vögel: Nilgänse besetzen Nester der Weißstörche
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23:23 10.04.2014
Bei Lenste wurden Nilgänse entdeckt. Quelle: Fotos: Urbschat
Ostholstein

„In Niedersachsen wurde bereits beobachtet, wie Nilgänse die Storchennester besetzten und sich nicht mehr vertreiben ließen. Der Storch musste sich dann für die eigene Familienplanung anderweitig ein Nest suchen“, berichtet Jäger Klaus Urbschat aus Lenste. Droht den Störchen in Lenste nun dasselbe Schicksal? Es sieht so aus, denn die Nilgans sei auch im Kreis Ostholstein immer öfter zu sehen, berichten nicht nur Jäger. Auffällig sei, dass die aus Afrika eingewanderte Halbgans zur Räumung nicht mehr bereit ist. „Das haben in den vergangenen Jahren schon zahlreiche Fälle gezeigt“, sagt Urbschat. Relativ problemlos schlage sie den — mit einem langem Schnabel vergleichsweise sogar besser „bewaffneten“ — Storch in die Flucht.

Ernst Dohm aus Lenste, auf dessen Hof sich ein besetztes Storchennest befindet, hofft darauf, dass sich die Angelegenheit „irgendwie von selbst“ erledigt, bevor der bisher noch nicht eingetroffene Storch eine Abfuhr bekommt. Seine Hoffnung: Ein baldiger Gänseeier-Klau durch Möwen, Rabenkrähen oder Kolkraben. Doch die Nilgans sei auch diesen Nesträubern gegenüber ausgesprochen wehrhaft und kampfbereit, erklärt Urbschat und sagt weiter: „Es ist eine unter einheimischen Vogelarten vollkommen ungewohnte Aggressivität bei der Nilgans, die die anfängliche Freude über ihre Zuwanderung schnell wieder verfliegen lässt.“ Das Tier dulde in seinem Lebensraum keine anderen Wasservögel und tötet diese sogar durch Ertränken, wenn sie ihrer habhaft wird. Vorrangig betroffenen seien hierbei Stockenten, aber auch Taucher, Rallen, Teich- und Blässhühner sind der Gefahr ausgesetzt.

Bei der Lenster Nestbesetzung darf trotz aller Negativpunkte nicht eingegriffen werden. Das betonen Nabu und BUND: „Aktuell darf man nichts unternehmen.“ Aktivitäten erlaube das Landesjagdgesetz erst für den Zeitraum vom 1. August bis 31. Januar. lg

Aggressives Verhalten
Den Nilgänsen (Foto oben) wird ein ausgeprägtes Aggressionsverhalten zur Brutzeit gegenüber anderen Vögeln zugeschrieben. Untersuchungen haben gezeigt, dass davon andere Entenvogelarten mit einem Gewicht von 1000 bis 3000 Gramm betroffen sind. Dabei hängt die Aggressionsbereitschaft von der Vogeldichte am Gewässer und nicht vom Futterangebot ab.

LN