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Ostholstein Freie Fahrt: Malenter Draisine soll wieder rollen
Lokales Ostholstein Freie Fahrt: Malenter Draisine soll wieder rollen
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18:45 05.10.2019
Axel Pötsch auf der Draisine am Malenter Bahnhof. Er möchte regelmäßige Fahrten durch die Holsteinische Schweiz anbieten. Quelle: 54° / John Garve
Malente

Es gibt viel zu tun, aber einige Meter sind schon geschafft: Die Befreiung der alten Bahnstrecke von Malente nach Lütjenburg hat begonnen. Eifrige Helfer schneiden Bäume und Sträucher zurück und schaufeln die Gleise frei. Im Frühjahr 2020 sollen wieder regelmäßig Draisinen durch die Holsteinische Schweiz rollen. Erste Testfahrten starten an diesem Wochenende.

Draisinen in der Holsteinischen Schweiz – der zweite Versuch

Mit schwerem Gerät und entsprechender Schutzkleidung rücken die „Strecken-Befreier“ am frühen Sonnabendmorgen an. Kurz hinter dem Malenter Bahnhof beginnen sie damit, Sträucher und Äste wegzuschneiden. Sie haben ein schweres Stück Arbeit vor sich: 17 Kilometer lang ist die Bahnstrecke bis nach Lütjenburg im Kreis Plön, auf der seit über zehn Jahren kein Zug und keine Draisine mehr rollten. Das soll sich ändern: Axel Pötsch, Chef der Mittenwalder Eisenbahn-Immobiliengesellschaft, will einen zweiten Versuch starten, den Draisinen-Verkehr in der Holsteinischen Schweiz in Schwung zu bringen.

Bereits 2005 hatte Pötsch die Strecke gekauft, die 1890 eröffnet und 1996 offiziell stillgelegt worden war. Zwischen 2006 und 2008 setzte er dort Draisinen ein, gab aber wegen der Querelen mit einen parallel fahrenden Kleinbahnverein auf und verkaufte die Strecke wieder. Die neuen Eigentümer versuchten, Nostalgie-Fahrten anzubieten, scheiterten aber an den Finanzen – und Pötsch kaufte 2013 die Strecke zurück. Er betreibt mittlerweile vier weitere Draisinen-Strecken, drei in Brandenburg (Mittenwalde, Tiefensee und Kremmen) und eine in Niedersachsen (Ostereistedt). Malente soll die Fünfte im Bunde werden.

Start der Draisinen-Fahrten soll im Frühjahr 2020 sein

Eine Draisine ist schon vor Ort, eine 700 Kilo schwere Handhebel-Draisine, mit der bis zu zwölf Personen fahren können. „Der Hebel wird normalerweise von zwei Personen auf und ab gedrückt“, erläutert Sandro Zur, Draisinen-Experte aus Mittenwalde. Das Gefährt, Baujahr 2005, verfügt über eine Fuß-Bremse und eine Plane und kann bis zu 20 Kilometer pro Stunde schnell werden – wobei ein möglicher Geschwindigkeitsrausch nicht das vornehmliche Ziel der Fahrten ist, sondern eher die idyllische Tour durchs Grüne.

„Fahren Sie wieder?“, fragt ein Passant. Die Draisine am Malenter Bahnhof lockt sofort die ersten Interessenten an, als Sandro Zur die Spurrillen vom Dreck der Autos befreit und einige Male probehalber hin und her fährt. „Ab Frühjahr hoffentlich“, sagt Sandro Zur. Genauer: Ab April 2020 sollen die Draisinen, per Muskelkraft angetrieben, wieder Richtung Lütjenburg rollen. „Wenn nicht gleich die gesamte Strecke, dann für den Anfang zumindest bis Benz“, meint Axel Pötsch. „Die Strecke ist landschaftlich wunderschön, die Anbindung an den Malenter Bahnhof ist gut und die Gegend touristisch erschlossen“, erklärt er seine Motivation. „Außerdem habe ich nun gutes Personal vor Ort – und Enthusiasten, die mich unterstützen.“

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Sandro Zur fährt eine Draisine in den Malenter Bahnhof. Quelle: 54° / John Garve

Zukunftsvisionen von umweltfreundlichen Solar-Betrieb

Das seien Bürgermeisterin Tanja Rönck, Tourismuschefin Anke Rädel – und eine Expertengruppe, die sich aus dem Workshop „Malenter Bahnhof als Drehscheibe für Mobilität“ entwickelt hat. Zu ihr gehören unter anderem Verkehrswissenschaftler Heiner Monheim, Mitbegründer des ökologisch orientierten Verkehrsclubs Deutschland (VCD), und Bente Grimm, Leiterin Touristische Mobilitätsforschung am Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Kiel. „Die erste Stufe ist das Freischneiden, die zweite die Draisinenbahn“, sagt Monheim. Dann könne es weitergehen, etwa mit einer solarbetriebenen Groß-Draisine für 20 oder 30 Personen. „Das ist umweltfreundlich, und damit könnten auch mehrere Haltestellen in Malente bedient werden“, meint Bente Grimm.

Helfer haben damit begonnen, die Strecke von Malente nach Lütjenburg freizuschneiden. Quelle: 54° / John Garve

Doch vor diesen Zukunftsvisionen steht erst einmal die konkrete, harte Arbeit an der Strecke. „Wir wollen jetzt Fakten schaffen“, kündigt Axel Pötsch an. Wer dabei ein wenig helfen möchte, ist am Sonntag, 6. Oktober, ab etwa 9 Uhr am Malenter Bahnhof herzlich willkommen. Kurze, kostenlose Testfahrten mit der Draisine sind ebenfalls möglich – natürlich nur so weit, wie die Gleise befreit sind. Denn bis das originelle Gefährt bis nach Lütjenburg „durchgehebelt“ werden kann, wird es noch eine Weile dauern.

Die Erfindung geht aufs „Ur-Fahrrad“ zurück

Die Eisenbahn-Draisine ist ein Schienenfahrzeug, das um 1840 erfunden wurde. Die Fahrer der Draisine treiben das Laufrad mit Muskelkraft an – entweder per Hand mit einem Schwunghebel oder mit einer Fußpedale ähnlich wie auf dem Fahrrad. Die Eisenbahn-Draisine geht auf eine Erfindung von Karl Friedrich Freiherr Drais von Sauerbronn (1785 – 1851) zurück, der 1817 eine Art Laufrad, das „Ur-Fahrrad“, entwickelte, das ebenfalls Draisine genannt wird. (Mehr unter www.erlebnisbahn.de, www.dwds.de)Draisinenfahrten im LN-Verbreitungsgebiet sind im Kreis Herzogtum Lauenburg möglich: Das Eisenbahnmuseum Lokschuppen Aumühle bietet Fahrten mit einer Handhebel-Draisine an (www.vvm-museumsbahn.de), und die Erlebnisbahn Ratzeburg verfügt über Klein- und Groß-Draisinen sowie Schienenräder, mit denen vom Bahnhof Ratzeburg über Schmilau bis Hollenbek gefahren werden kann (www.erlebnisbahn-ratzeburg.de). Auch der Museumsbahnhof Kleinkummerfeld (Kreis Segeberg) hat Draisinenfahrten im Programm (www.efm-ev.de).

Von Sabine Latzel

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