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Ostholstein Freikarten für Bedürftige: Kulturtafel kommt nach Ostholstein
Lokales Ostholstein Freikarten für Bedürftige: Kulturtafel kommt nach Ostholstein
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18:00 17.06.2019
Die Eutiner Festspiele können Menschen mit geringem Einkommen neuerdings kostenlos besuchen. Reinhard Brüser von der Eutiner Tafel freut sich über die Kooperation mit Kulturschaffenden. Quelle: Saskia Bücker
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Eutin/ Neustadt

Die Eutiner Tafel ist dafür bekannt, Lebensmittel an Menschen mit wenig Geld auszugeben. Neuerdings verteilt sie auch Tickets für kostenlose Kulturveranstaltungen. Seit dieser Woche gibt es in Eutin nämlich eine sogenannte Kulturtafel. Die vermittelt Eintrittskarten fürs Theater, für Konzerte, Lesungen und Ausstellungen an Bedürftige – gratis. Das Ziel: „Durch Kultur und Bildung wird der Kreis der Armut durchbrochen“, sagt Monika Gertenbach, Vorsitzende der Eutiner Tafel.

Das Stichwort ist soziale Teilhabe. Wer in Armut lebe, begebe sich schnell in Isolation, bewege sich in einem engen Personenkreis und sei damit in einer großen Unsicherheit gefangen. „Für das Selbstbewusstsein und die Lebensfreude ist es aber wichtig, einmal aus diesem Kreis herauszukommen“, betont Reinhard Brüsing, Schatzmeister bei der Eutiner Tafel. Ganz wichtig sei es, dass man sich beim Erwerb der Tickets nicht als arm „outen“ müsse. Die Gratis-Karten werden deshalb an der Abendkasse unter dem Namen der jeweiligen Person hinterlegt. Kein Ausweis oder Nachweis der Bedürftigkeit muss am Ticket-Schalter öffentlich gezeigt werden.

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Eutiner Tafel kooperiert mit Kulturtafel in Lübeck

Für die Vermittlung der Tickets, immer zwei Karten pro Veranstaltung, kooperiert die Eutiner Tafel mit der Kulturtafel in Lübeck. Die vermittelt bereits seit Mai 2017 Kulturangebote. „Wir haben bisher über 9200 Karten an Bedürftige vermittelt“, sagt Kristine Goddemeyer, die das Projekt leitet. Mehr als 100 Kulturpartner, vorwiegend in Lübeck ansässig, stellen ihre nicht verkauften Tickets zur Verfügung. Ein Computerprogramm sorge dafür, dass die Karten gerecht unter den bei der Kulturtafel registrierten Personen aufgeteilt würden.

Kulturtafel: So klappt die Anmeldung

Bedürftige können sich bei der Tafel Eutin melden. Vor Ort können sie ein Anmeldeformular ausfüllen und zusammen mit einem Einkommensnachweis an die Kulturtafel Lübeck senden. Sobald Karten für eine Veranstaltung zur Verfügung stehen, wird man angerufen und kann entscheiden, ob man hingehen möchte. Die Karten werden dann an der Abendkasse auf den eigenen Namen hinterlegt. Nach Möglichkeit werden immer zwei Karten ausgegeben, damit den Bedürftigen eine Person der eigenen Wahl begleiten kann.

Eine Liste weiterer Anmeldestellen in der Umgebung ist auf der Internetseite der Kulturtafel Lübeck zu finden.

„Die Angebote werden von den Menschen sehr gut angenommen“, sagt Goddemeyer. An der Kulturtafel teilnehmen können Arbeitslose, Familien mit geringen Bezügen, Alleinerziehende, Renter mit Grundsicherung und Asylbewerber. „Auch soziale Einrichtungen haben die Möglichkeit, sich anzumelden und unser Angebot zu nutzen.“ So sind in Lübeck zum Beispiel Frauenhäuser, Asylunterkünfte und die Vorwerker Diakonie bei ihr registriert und erhalten so regelmäßig die Möglichkeit, Gruppen eine kulturelle Veranstaltung besuchen zu lassen.

Kulturtafel auch in Neustadt im Gespräch

In Eutin gibt es laut Tafel bisher allerdings erst einen festen Kulturpartner für ein Ticket-Kontingent – die Eutiner Festspiele. Wer sich anmeldet, kann aber auch Karten für Veranstaltungen in Lübeck bekommen. „Vorausgesetzt, man ist mobil“, sagt Tafel-Mitglied Hans-Peter Klausberger. Er hat die Kooperation mit der Lübecker Kulturtafel eingefädelt. Noch stecke das Projekt in Eutin in den Kinderschuhen. „Wir hoffen aber, dass sich das schnell herumspricht und weitere Institutionen Karten zur Verfügung stellen.“ Auch Privatpersonen können ihre Konzertkarten bei der Kulturtafel abgeben, wenn sie es nicht zum Termin schaffen – allerdings nur mit ausreichend Vorlaufzeit.

Hans-Peter Klausberger hat die Kulturtafel in Eutin eingeführt und hofft auf weitere Kooperationspartner. Quelle: Saskia Bücker

Auch bei der Neustädter Tafel wird über die Einführung der kostenlosen Kulturangebote für Bedürftige nachgedacht. „Wir sind aber noch mitten in der Entscheidungsfindung“, sagt der Vorstandsvorsitzende Olf Leder. Die Idee sei grundsätzlich nicht schlecht. Allerdings brauche es dafür Ehrenamtliche, die so ein Projekt begleiten können. Weil es in Neustadt nicht so viele Kulturangebote gebe wie in Lübeck, könne sich eine Kooperation mit den Kulturinstitutionen in der Hansestadt lohnen.

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Saskia Bücker