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Ostholstein Fridays for Future: Lautstarke Demo in Eutin – Zahl der Erwachsenen steigt
Lokales Ostholstein Fridays for Future: Lautstarke Demo in Eutin – Zahl der Erwachsenen steigt
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16:46 29.11.2019
Fridays for Future in Eutin: Anlässlich des weltweiten Demotags unter dem Motto #NeustartKlima beteiligten sich 150 Menschen – darunter viele Eltern und Großeltern. Quelle: Sebastian Rosenkötter
Eutin

Sie fordern ein Stopp des Kohleabbaus, eine angemessene CO2-Besteuerung und vor allem ein schnelles Handeln der Politik: 150 Menschen folgten Freitagvormittag dem Aufruf von Fridays for Future und zogen unter dem Motto #NeustartKlima lautstark und entschlossen vom Wasserturm bis zum Kreishaus.

Die Zahl der Schüler fiel dabei deutlich geringer aus als noch vor einigen Wochen, was die Organisatoren unter anderem mit Vorabi-Klausuren begründeten. Auffällig war dagegen die gestiegene Zahl der älteren Teilnehmer, darunter Vertreter von Parents for Future und Churches for Future. Mit der Eltern- sowie der Kirchengruppe haben die jungen Demonstranten weitere Unterstützer gewonnen. Leif Harms-Krohn von Fridays for Future kündigte an, auch in den kommenden Monaten streiken zu wollen – „mit allen demokratischen Mitteln“. Das Klimaschutzgesetz der Bundesregierung bezeichnete er als mut- und ideenlos.

Das Video zeigt die lautstarke Demo in Eutin

Keine Toleranz für Klimaignoranz

Los ging es für die Eutiner Fridays-for-Future-Bewegung um 10.30 Uhr. Vorweg trugen die Schüler ihr schon bekanntes Banner mit der Aufschrift „Keine Toleranz für Klimaignoranz“. Weitere Plakate und Spruchbänder waren mit den Worten „Klimawandel bedeutet Hunger und Krieg“, „Zukunft für unsere Kinder und Enkel“ sowie „green friday, nichts gekauft = 100 Prozent gespart – #noblackfriday“. Auch Vertreter von Verdi, Amnesty International und dem BUND nahmen an der Demo teil.

Erstmals mit dabei in Eutin war Klaus-Dieter Makarowski. Der Pastor im Ruhestand begründete sein Engagement vor allem damit, die Fridays-for-Future-Gruppe unterstützen zu wollen. „Erwachsene haben vielfach Angst vor der Zukunft. Junge habe Angst um die Zukunft“, erklärte er. Den Einsatz der Demonstranten finde er konstant gut, da dieser von Vernunft getragen werde.

So äußert sich der Kreis Ostholstein

Der Kreis hat 2016 ein Klimaschutzkonzept verabschiedet. Kreissprecherin Carina Leonhardt teilte nun mit: „Der Kreis Ostholstein will seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten und hat sich in seinem Klimaschutzkonzept vor allem das Ziel gesetzt, die CO2-Emissionen im Kreis bis zum Jahr 2030 um 30 Prozent gegenüber 2013 zu senken.“

Anfang 2017 sei man in die Umsetzungsphase gestartet und habe eine Klimaschutzmanagerin für die Koordinierung und Durchführung des Konzeptes eingestellt. „Durch die bereits realisierten Maßnahmen verringerte sich der Primärenergieeinsatz und damit der Ausstoß von CO2-Emissionen der kreiseigenen Liegenschaften von 5354 Tonnen im Jahr 1990 auf 3001 Tonnen im Jahr 2015“, sagt Leonhardt.

Darüber hinaus werde aktuell ein Radverkehrskonzept erarbeitet und die Dienstwagenflotte des Kreises Stück für Stück und soweit möglich durch E-Fahrzeuge ersetzt.

So reagierte der Leiter des Fachbereichs Umwelt auf die Demo

Während der Abschlusskundgebung vor dem Kreishaus stellte sich auch Nils Hollerbach, Leiter des Fachbereichs Bauen, Umwelt und Verkehr der Menschenmenge. Er sagte, dass mehr Klimaschutz auch das Ziel des Kreises sei, listete zahlreiche Vorhaben auf und verwies auf das 2016 beschlossene Klimaschutzkonzept. Vereinzelte Protestteilnehmer antworteten mit lauten Zwischen- und Buhrufen. Dabei handelte es sich nicht nur um Schüler.

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Sich stärker in die öffentliche Diskussion und die Organisation von Streiks einbringen wollen in Zukunft Pastoren sowie eine erst vor wenigen Wochen gegründete Eltern-Gruppe, zu der auch die Eutiner Pastorin Angelika de Oliveira Gloria gehört. Sie sprach davon, diejenigen aufzuwecken, die dabei seien, „unseren Planeten gegen die Wand zu fahren“. Dass wissenschaftliche Erkenntnisse so lange ignoriert worden seien, ist zum Verzweifeln. „Mit dem Klimawandel kommt ein außerordentliches Problem auf die Erde zu“, sagt sie.

Rund 150 Schüler, Eltern, Großeltern sowie weitere Unterstützer zogen Freitagvormittag durch die Eutiner Innenstadt. Die Demonstration unter dem Motto #NeustartKlima endete vor dem Kreishaus.

Die Nordkirche steht hinter Fridays for Future

Ähnlich äußerte sich Pastor Stefan Grützmacher von Churches for Future. „Wir stehen an eurer Seite. Wir unterstützen die vielfältigen Aktionen, die weltweit Regierungen aufrufen, effektivere Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen“, sagte er. Damit dürfte der Pastor Kristina Kühnbaum-Schmidt, Landesbischöfin der Nordkirche, aus der Seele gesprochen haben. „Die Auswirkungen unserer westlichen Lebens- und Wirtschaftsweise sind eine wesentliche Ursache der Klimaveränderung“, hatte sie am Donnerstag gesagt. „Diejenigen, die am wenigsten zur steigenden CO2-Konzentration und zur Ausbeutung unserer Erde beitragen, haben am stärksten unter den Folgen des Klimawandels zu leiden. Angesichts dieser Ungerechtigkeit können wir nicht schweigen.“

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Leif Harms-Krohn indes sprach aus, was viele Teilnehmer dachten: Es sei unverständlich, dass es noch Menschen gibt, die den Klimawandel leugnen und behaupten, dass dieser menschengemacht sei. „So dumm ist nicht nur Trump.“

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Von Sebastian Rosenkötter

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