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Ostholstein Friedhöfen in Ostholstein droht die Schließung
Lokales Ostholstein Friedhöfen in Ostholstein droht die Schließung
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16:18 18.09.2019
Der Voßberg-Friedhof des Ostseebades Grömitz an der Gildestraße: Wie man sieht, sind auch hier sind große Flächen unbelegt. Das bedeutet weniger Einnahmen für die Friedhofsverwaltung – bei gleichbleibenden Kosten. Quelle: Gäbler
Grömitz/Neustadt

Die Zahl der Erdbestattungen ist rückläufig, selbst Familiengräber werden immer häufiger aufgegeben. Der Trend geht inzwischen hin zu Seebestattungen oder Beisetzungen in Ruheforsten. Das hat dramatische Folgen für die Friedhofsverwaltungen: Dort stehen sinkenden Einnahmen galoppierende Ausgaben gegenüber. Der Kirchenkreis Ostholsteins will jetzt mit den Kommunen Lösungen erarbeiten. Ansonsten seien Flächenstilllegungen oder komplette Friedhof-Schließungen mittelfristig unvermeidbar.

Die Bestattungsformen ändern sich – Beispiele von Grömitz bis Stockelsdorf

Beispiel Malente: Dort wurde die langfristige Außerdienststellung des Waldfriedhofs beschlossen. Bereits seit Februar 2012 werden keine Verlängerungen von Grablaufzeiten mehr angenommen. „Auch ein Neuerwerb von Nutzungsrechten an Gräbern für Sargbestattungen ist seitdem nicht mehr möglich. Seit 2014 waren nur dann noch Sargbestattungen möglich, wenn es sich um Zulegungen zu einem Ehepartner in demselben Grab handelt“, erklärt Kirchenkreissprecher Marco Heinen. In Malente gebe es ja noch den Friedhof Rosenstraße.

Beispiel Grömitz: Die Kommune und die Kirchengemeinde, sagt Heinen weiter, hätten sich ebenfalls darüber verständigt, den „neuen“ Voßberg-Friedhof (erst 1967 eröffnet) langfristig wieder stillzulegen, um die Wirtschaftlichkeit des Hauptfriedhof (Fischerkamp) zu fördern. Seit dieser Übereinkunft würden keine neuen Gräber mehr auf dem Voßberg-Friedhof vergeben. Bestehende Gräber (außer Reihengräber) könnten auf dem Voßberg-Friedhof aber weiter genutzt und belegt werden. Somit seien weiterhin Zulegungen zu Familienangehörigen möglich, die ihrerseits wieder 25 Jahre Ruhezeit (Urnen 20 Jahre) haben.

Heinen: „Niemand muss sich um die Totenruhe Angehöriger sorgen“

Beispielrechnung des Kirchenkreises für Grömitz: „Ist der Ehepartner einer 60-jährigen Frau 2010 auf dem Voßberg-Friedhof in einem Doppelgrab beigesetzt worden und wird diese Frau selbst 90 Jahre alt, bevor sie neben ihrem Mann beigesetzt wird, so habe das betreffende Grab ab 2010 eine Laufzeit von 55 Jahren, also bis 2065, zuzüglich einer freiwilligen Pietätszeit von zehn Jahren am Ende einer Friedhofsnutzung, sodass frühestens 2075 mit einer endgültigen Außerdienststellung zu rechnen wäre.“

Selbst die Kinder, die später an der Seite ihrer bereits beigesetzten Eltern liegen wollen, könnten das laut Heinen noch verlangen. Allerdings nur binnen einer 25-Jahres-Frist, eventuell auch noch einige Jahre darüber hinaus. „Aber zehn Jahre nach Ablauf der Liegefrist müsste dann eine individuelle Lösung gefunden werden.“

„Es muss sich also niemand um die Totenruhe enger Angehöriger sorgen, zumal Umbettungen, außer auf Wunsch von Angehörigen, nicht vorgesehen sind. Ruhefristen können im Übrigen lokal abweichen, da sie von der örtlichen Bodenqualität abhängig sind und sich auf bis zu 40 Jahre belaufen können“, sagt der Kirchenkreissprecher.

Etwas anders verhalte es sich mit der Außerdienststellung von Reserveflächen eines Friedhofs. Hat auf solchen Flächen in der Vergangenheit noch keine Belegung stattgefunden, können diese formlos entwidmet werden. Dies war zuletzt in Ahrensbök und Grube der Fall.

Neue Trends in der Bestattungskultur

Zwar ist die Vielfalt auf den Friedhöfen heute so groß wie nie zuvor: Da gibt es den „Schmetterlingsgarten“ und die „Dünenlandschaft“ in Stockelsdorf, schön angelegte Urnengrabfelder zum Thema „Am Meer“ in Grömitz und Niendorf, aber auch ganz konventionelle Reihengräber – manche eher naturnah, andere herausgeputzt.

„Einige Kirchengemeinden im Kirchenkreis Ostholstein haben bereits vor Jahren auf die sich abzeichnenden Trends in der Bestattungskultur reagiert und gestalten ihre Friedhöfe behutsam so um, dass sie nicht nur Platz für die Toten bieten, sondern auch Orte der Begegnung für die Lebenden sein können“, sagt Marco Heinen.

Erdbestattungen sind nicht mehr selbstverständlich

Doch der Wandel in der Bestattungskultur ist da und ein christliches Begräbnis in Form der Erdbestattung nicht mehr selbstverständlich. Denn es gibt günstigere Alternativen: anonyme Bestattungen unterm Rasen, auf hoher See oder in Ruheforsten. „Durch die Abschaffung des Sterbegelds und gesetzliche Liberalisierungen spielt die Kostenfrage eine deutlich größere Rolle als früher“, sagt Heinen. Diese Faktoren ließen auf lange Sicht einen Rückbau von ungenutzten Friedhofsflächen sinnvoll erscheinen, so der Kirchenkreis.

Auch die Kommunen sind gefordert

Der Kirchenkreis Ostholstein hat inzwischen ein Sachgebiet „Friedhöfe“ eingerichtet. Die Zustimmung der Kirchensynode steht allerdings noch aus (die LN berichteten). Es ist beim Verwaltungszentrum in Neustadt angesiedelt und umfasst drei Personalstellen. Aufgabe der Mitarbeiter ist, für 32 Kirchengemeinden des Kirchenkreises, die einen Friedhof in ihrer Trägerschaft verantworten, rechtssichere, einheitliche und vor allem zukunftssichere Gebührenordnungen zu entwickeln und die Kommunen in allen Fragen des Friedhofswesens professionell zu beraten.

Marco Heinen sagt abschließend: „So wie der Kirchenkreis und die Kirchengemeinden ihren Teil zur Zukunftssicherung der Friedhöfe beitragen, so werden auch die Gemeinden gefordert sein, sich zu engagieren. Für Oktober sind erste Gespräche zwischen Kirchenkreis und Kommunen geplant, um die Problematik gemeinsam zu erörtern.“

Einweihung eines Kindergrabfeldes

Die Kirchengemeinde Neustadt lädt alle interessierten Bürger zur Einweihung eines Kindergrabfeldes auf dem Neustädter Friedhof ein. Am Freitag, 27. September, um 17 Uhr wird eine Andacht am Grabfeld (der Weg ist ab Friedenskirche/Kirchhofsallee ausgeschildert) gefeiert und anschließend zu einem Empfang in die Friedenskirche geladen.

Von Louis Gäbler