Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Fünf Tage ohne Internet: 1-&-1-Kunden genervt
Lokales Ostholstein Fünf Tage ohne Internet: 1-&-1-Kunden genervt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:10 09.05.2017
Kein Telefon, kein Internet. Kann mal vorkommen, aber gleich fünf Tage lang? Betroffen ist offenbar der gesamte Großraum Lübeck.  Quelle: dpa
Anzeige
Timmendorfer Strand/Stockelsdorf/Bad Schwartau

Kein Telefon, kein Internet. Kann mal vorkommen, aber gleich fünf Tage lang? Betroffen ist offenbar der gesamte Großraum Lübeck. Störungen gibt oder gab es in Timmendorfer Strand, in Stockelsdorf, in Bad Schwartau, aber auch in Lübeck und Groß Grönau. Darüber beschweren sich Kunden des Anbieters 1 & 1. Sie sind mit ihrer Geduld am Ende. Nicht nur, dass sie abgehängt sind vom Netz und von der Festnetz-Telefonie. Sie klagen auch über mangelnde Informationen des Anbieters. Der teilte gestern Abend mit, es gebe lediglich eine Störung in Lübeck, die sei seit Montag behoben.

1-&-1-Kunde Paul Hortmann aus dem Ortsteil Neuhof in der Gemeinde Timmendorfer Strand hatte jedoch auch gestern kein Internet und kein Telefon. Hortmann weiß genau, seit wann er von jeder Information abgeschnitten ist: „Seit Freitag um 4.55 Uhr haben wir weder Telefon noch Internet“ sagt er. Seines Wissens handele es sich um eine Großraumstörung, doch nichts passiere von Seiten des Anbieters 1 & 1. „Man ist doch aufgeschmissen ohne Telefon.“

Anzeige

Hortmann vermutet die Ursache für die Probleme in der sogenannten Netz-Infrastrukturanpassung, die bei ihm vor kurzem vorgenommen wurde. Zunächst kam sein 1-&-1-Signal über die Leitung der Telekom.

Dann erfolgte Ende März der Wechsel zu einer neuen Leitung, die das Unternehmen 1 & 1 Versatel GmbH betreibt, eine Tochter von 1 & 1. Damit begannen die Probleme. „Wir hatten seitdem schon mal sechs Tage Ausfall. Und jetzt wieder“, sagt Hortmann. Was ihn ebenfalls vermuten lässt, dass die Störung etwas mit der Infrastrukturanpassung zu tun hat, ist die Tatsache, dass seine Nachbarn unter keiner Störung leiden, obwohl sie Kunden bei 1 &1 sind. Ihr Signal bekommen sie allerdings noch über die Telekomleitung.

Auf der LN-Facebook-Seite ist die Störung bei 1 & 1 ein eifrig diskutiertes Thema. Ein Kunde konnte gestern seine Wut kaum noch zügeln: „Inzwischen ist Dienstag . . . ,Störung’ bzw. Ausfall besteht immer noch und ununterbrochen. 100 Stunden sind inzwischen voll.“ Die Aussage der 1-&-1-Mitarbeiter aus dem Call-Center laute weiterhin nur „Wir wissen nichts, bitte gedulden Sie sich einfach“. Eine Stellungnahme des Unternehmens, irgendeine Information für die Kunden, gebe es nicht, klagt der Facebook-Kommentator. Ein anderer Nutzer schrieb am Sonnabend: „Hatte auch keine Probleme seit vier Jahren. Doch seit gestern Morgen alles tot. Und immer noch.“ Auch Anna-Patricia Thomsen, die FDP-Vorsitzende von Bad Segeberg, ist eine von der Störung gebeutelte Kundin. Gerade am Wahlsonntag waren Internet und Handy bei ihr ab 10 Uhr offline. „Am Wahltag geht ohne Internet gar nichts“, klagte sie. Eine Facebook-Kommentatorin drückte es so aus: „Leben ohne Internet ist Leben am Limit.“

Ähnlich schwer zu erreichen wie die Kundenhotline ist die Pressestelle von 1 & 1. Gestern Nachmittag dann die Auskunft von PR-Manager Martin Fischer: „Nach eingehender Prüfung kann ich Ihnen mitteilen, dass es eine Störung in Lübeck gab. Diese ist seit gestern behoben. Im Bereich Timmendorfer Strand liegen uns derzeit keine Meldungen über Störungen vor.“ Über die Hotline ließen sich Kundenprobleme individuell prüfen.

1 &1 hat kein eigenes Leitungsnetz. „Wir sind das Netz von 1 & 1“, sagt 1-&-1-Versatel-Sprecherin Anna Lottner. Die Kunden von 1 & 1 würden nach und nach auf das Netz von Versatel überführt. Das ist offenbar unter der sogenannten Netz-Infrastrukturanpassung zu verstehen. Wo dort der Grund für die Störung liegen solle, könne sie aber technisch nicht nachvollziehen, teilte Lottner mit.

Abgehängt

Ohne Internet kein Telefon: Das gilt immer öfter. Laut Bundesnetzagentur wurden bis Ende des vergangenen Jahres knapp 60 Prozent aller Gesprächsminuten über IP, also über den Internetanschluss geführt.

Im Fall einer Störung sind viele Kunden deshalb ausschließlich auf ihr Mobiltelefon angewiesen. Immerhin lässt sich über das mobile Netz online gehen, wenn das stationäre Internet lahmgelegt ist.

 Susanne Peyronnet