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Ostholstein Fütterungszeit!
Lokales Ostholstein

Fütterungszeit!

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18:10 24.07.2018
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„15,3 Grad – ein bisschen zu warm“, sagt Cathrin Pawlak und notiert die Wassertemperatur in einer Tabelle. Pünktlich um acht Uhr startet die Tierpflegerin ihren Rundgang. In 43 Aquarien kontrolliert sie die Wassertemperatur und den Salzgehalt. Mit ihrem Messgerät steht sie gerade vor dem Aquarium von Bodo, einer Großen Seespinne. „Im Sommer müssen wir manche Aquarien kühlen, den Tieren wird es sonst zu warm“, erklärt die Tierpflegerin. Der Salzgehalt ist aber normal bei 31,8 Promille. Bei ihrem Kontrollgang achtet Cathrin Pawlak auch darauf, ob alle Bewohner der Becken gesund aussehen und schaltet schon mal das Licht in den Becken ein – denn auch Krebse, Rochen und Fische müssen irgendwann aufstehen.

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Die Reinigung der Aquarien gehört zum Tierpfleger-Job dazu.

Nach dem Aufwecken geht es dann in die Futter-Küche: Frühstückszeit. Ab neun Uhr schnippeln die Tierpfleger fleißig Stinte, Makrelen oder sogar Seelachs-Filets in kleine Stückchen. Der Fischgeruch sollte die Mitarbeiter auf gar keinen Fall stören, sagt Aquaristin Ina Brüggemeier. Vier bis fünf Kilo Futter müssen am Tag geschnitten werden. Das klingt wenig, aber nicht jedes Tier bekommt jeden Tag Futter. „Die Muränen zum Beispiel werden nur drei Mal die Woche gefüttert“, sagt Ina Brüggemeier. „Dann bekommen sie aber so viel sie möchten.“ Gerade bereitet sie das Frühstück für die Rochen und Katzenhaie vor. Auf dem Speiseplan stehen heute Kalamari – übrigens in Lebensmittelqualität.

Bei der anschließenden Fütterung müssen die Pfleger aufpassen, wie viel welches Tier gefressen hat. Deswegen ist es wichtig, dass Cathrin Pawlak und ihre Kollegen alle Rochen und Katzenhaie voneinander unterscheiden können. „Ich muss sicherstellen, dass die Tiere fressen, die auch fressen sollen“, sagt Cathrin Pawlak. Mit einem Futter-Stab hält sie die Kalamari vor das Maul der Rochen – schon sind sie aufgefressen.

Um 12 Uhr ist dann die öffentliche Fütterung im großen Ozean-Becken. In dem 220000 Liter- Becken gleiten Schwarzspitzen-Riffhaie oder Napoleon-Lippfische durchs Wasser. Und die Grüne Meeresschildkröte „Speedy“. Eigentlich gibt Cathrin Pawlak den Bewohnern der Aquarien keine Namen. „Es ist für mich leichter, wenn sie keinen haben“, sagt sie. Zu schwer wäre der Abschied, wenn die Meeresbewohner in ein anderes Sealife umgesiedelt werden müssten. „Es sind aber trotzdem alle meine kleinen Süßen.“ „Speedy“ ist eine Ausnahme: „Bei ihr würde es mir auch schwerfallen, wenn sie keinen Namen hätte“, gibt die Tierpflegerin zu.

Nach der Fütterungs-Show geht es dann ans Putzen. Zu den Aufgaben der Tierpfleger zählen auch Reinigung und Pflege sämtlicher Aquarien. Cathrin Pawlak ist gerade bei den tropischen Fischen unterwegs, als sie etwas im Seepferdchen-Becken entdeckt. „Da sind Anemonen“, sagt sie. An der Seegras-Deko haben sich die kleinen schwarzen Tierchen niedergelassen. Wie eine Brennnessel sticht die Anemone die Seepferdchen. Vorsichtig holt die Tierpflegerin die Dekoration aus dem Wasser und schruppt mit einer Bürste die Anemonen von der Plastik-Pflanze. Dann stellt sie das Seegras zurück ins Becken. „So jetzt hast du sie wieder, mein Kleines“, sagt Cathrin Pawlak und stellt die Pflanze zurück ins Aquarium.

Gegen 16 Uhr macht die Tierpflegerin einen letzten Rundgang. Nochmals kontrolliert sie alle Becken und überprüft, ob es den Tieren gut geht. Erst wenn alles in Ordnung ist, kann sie beruhigt nach Hause. „Dem Ozean-Becken wünsche ich auch immer noch eine gute Nacht“, sagt Cathrin Pawlak.

Hinter den Kulissen der Aquarien

Wer selbst einen Blick in den Alltag der Tierpfleger im Sealife werfen will, hat seit dieser Saison die Chance dazu: Bei einer Backstage-Führung können bis zu acht Teilnehmer mit einem Experten hinter die Kulissen der Aquarien schauen und die Bewohner hautnah erleben.

Los geht es mit einer Erkundung durch die Ausstellung. Beispielsweise schwimmen in dem Tunnel unter dem Ozean-Becken „Speedy“ die Meeresschildkröte, Haie und andere Fische über die Köpfe hinweg. Nach dem Ausstellungsrundgang startet dann die 1,5 Stunden lange Backstage-Tour. Im Mittelpunkt stehen die Pflege der Sealife-Bewohner und die Aquarium-Technik: Unter anderem haben die Teilnehmer einen Einblick in die Futter-Gewohnheiten der Tiere und sehen wie der große Maschinenraum funktioniert. Im Anschluss dürfen die Tour-Teilnehmer dann „Speedy“ mit ihrem Lieblingsessen Salat und Brokkoli füttern.

Die Backstage-Führung kostet 39,95 Euro pro Person. Von Juli bis August findet sie täglich um 17.30 Uhr statt. Weitere Termine und Informationen gibt es im Internet unter:

www.sealife.de

Saskia Hassink