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Ostholstein Gastredner Franz Müntefering wirbt fürs Ehrenamt
Lokales Ostholstein Gastredner Franz Müntefering wirbt fürs Ehrenamt
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16:45 05.12.2019
Franz Müntefering als Gastredner bei einer Veranstaltung des Kreisseniorenbeirates in Stockelsdorf. Quelle: Doreen Dankert
Stockelsdorf

Auch wenn Franz Müntefering sich schon vor einigen Jahren von der großen Politik-Bühne verabschiedet hat – von seinem rhetorischen Talent und seiner Begeisterungsfähigkeit hat er seitdem nichts verloren. Das hat der inzwischen 79 Jahre alte ehemalige Vizekanzler mit sozialdemokratischen Wurzeln am Donnerstag in Stockelsdorf eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Im großen Saal des Rathauses fand hier die Veranstaltung des Kreisseniorenbeirates statt – und das nicht zufällig am Internationalen Tag des Ehrenamtes.

Langes Referat mit Unterhaltungswert

Müntefering, der seit vier Jahren Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) ist, sprach über die Bedeutung des Ehrenamts und was jeder selbst tun könne, um sich einzubringen in die Gesellschaft.

Franz Müntefering referierte am 5. Dezember 2019 auf Einladung des Kreisseniorenbeirates in Stockelsdorf.

Begonnen hat Müntefering sein knapp eineinhalbstündiges und bis zuletzt unterhaltsames Referat am Pult mit dem Befüllen seines Wasserglases und einer bildhaften, aber deutlichen Botschaft, als er die Wasserflasche fast schon demonstrativ auf dem Boden stellte. „Nehmt die Flaschen von den Tischen, das hab’ ich bei Johannes Rau gelernt“, erklärte Müntefering, „sonst geht das schief, wenn man sie da lässt.“ Diese verblümte Mahnung wurde vom Publikum spontan mit Applaus honoriert.

Engagement für die Enkel-Generation

Was müssen wir tun, damit wie morgen gut leben können? Diese rhetorische Frage richtete Müntefering an sein Publikum und lieferte gleich die Antwort mit: „Wir müssen für unsere Enkel sorgen, dass sie eine gute Ausbildung kriegen.“ Lesepatenschaften übernehmen zum Beispiel, um überforderte Eltern und gegebenenfalls auch Schulen zu entlasten. Aber dieses Sich-Einbringen gelte für alle Ehrenämter. Entscheidend sei, dass man ein Ziel habe und ein Motiv, sich zu engagieren. Letzteres ist das, was dazu beiträgt, das Leben mit Sinnhaftigkeit zu füllen.

Jeder ist mitverantwortlich – auch fürs Nichtstun

Der Denkweise, dass ein Bürger aufgrund seines höheren Alters verbriefte Vorrechte habe, erteilte Müntefering eine Absage: „Ich habe nicht Recht, weil ich 79 bin, ich habe auch nicht Unrecht, weil ich 79 bin. Und ein 19-Jähriger hat nicht Recht, weil er 19 ist, aber er hat auch nicht Unrecht, weil er 19 ist.“

Eine deutliche Ansage an alle machte Müntefering zum Thema Selbstverantwortlichkeit: „Solange der Kopf klar ist, bist du mitverantwortlich für das, was passiert. Jeder kann gucken, wo er sich einmischen kann. Was wir tun, hat eine Wirkung, aber auch, wenn wir nichts tun, hat das Wirkung, denn es gibt auch sowas wie Unterlassung.“

Müntefering schlug auch kritische Töne an

Trotz des langen Referats, dem zuvor noch Grußworte vom Kreisseniorenbeiratsvorsitzenden Wilfried Lühr, des Landesseniorenbeiratsvorsitzenden Peter Schildwächter, des Kreispräsidenten Harald Werner und des Bürgervorstehers Manfred Beckmann überbracht wurden, waren keinerlei Müdigkeitserscheinungen bei den Gästen festzustellen. Die gekonnte Rhetorik Münteferings dürfte der eine Grund dafür gewesen sein, der andere aber die bedacht gewählten Worte, die dazu geeignet sind, den Zuhörer in den Spiegel schauen zu lassen und sich selbst zu hinterfragen. Diese Mischung war es, die die Gäste offensichtlich an Münteferings Lippen kleben ließen.

Staat kann keine Solidarität erzwingen

In der Demokratie, sagte Müntefering, müssen Bund, Länder und der Staat für Freiheit und Gerechtigkeit sorgen. „Aber was die Solidarität der Bürger untereinander angeht, das kann der Staat nicht erzwingen“, erklärte Müntefering, „denn die Frage der Solidarität entscheidet sich im Umgang von Mensch zu Mensch.“

Müntefering habe im Laufe seines langes Leben bisher diese Erfahrung gemacht, die er diplomatisch so formulierte: „Es gibt seltsame Alte und es gibt vernünftige Alte, und es gibt seltsame Junge und es gibt vernünftige Junge.“ Seine Aufforderung inklusive Interpretationsspielraum in diesem Zusammenhang war allerdings dafür umso deutlicher: „Was diese alle gemeinsam müssen, das ist, dass die dafür sorgen müssen, dass die Bekloppten nicht das Sagen kriegen in diesem Land.“ Auch und gerade deswegen sei ein Einbringen in die Gesellschaft wichtig. Die Essenz des Ehrenamtes sei es, die Teilhabe aller an der Gesellschaft zu ermöglichen, so Müntefering. „Aber man muss es können. Und man muss es auch tun.“

Von Doreen Dankert

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