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Ostholstein Gefährlicher Straftäter: Flüchtiger Brandstifter in Pirmasens gefasst
Lokales Ostholstein Gefährlicher Straftäter: Flüchtiger Brandstifter in Pirmasens gefasst
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18:02 05.04.2019
Der geflohene Straftäter Jan F. wurde am Mittwoch festgenommen.   Quelle: Polizei
Neustadt/Lübeck

Die überraschende Nachricht kam am frühen Mittwochnachmittag: Der aus der Neustädter Psychiatrie ausgebrochene Jan F. ist in Pirmasens (Rheinland-Pfalz) festgenommen worden. Das teilten die Polizei Lübeck und die Staatsanwaltschaft Flensburg mit. Noch am Dienstag hatte es geheißen, es gebe keinen konkreten Anhaltspunkt, wo sich Jan F. aufhalten könnte.

Die Hinweise aus der Bevölkerung waren eher spärlich geflossen. Auf die Spur des Flüchtigen führten keine Zeugenaussagen, sondern die Überwachung und Auswertung der Telekommunikation, sagte die Leitende Oberstaatsanwältin der Staatsanwaltschaft Flensburg, Ulrike Stahlmann-Liebelt. „Diese Möglichkeit haben wir ausgenutzt.“ Aus dieser Auswertung hätten sich die Hinweise auf Pirmasens ergeben. Weder die Staatsanwaltschaft noch die Polizei in Pirmasens machten Angaben darüber, unter welchen Umständen Jan F. dort festgenommen wurde.

Flucht über 750 Kilometer

Erkenntnisse darüber, wie der Psychiatrie-Patient innerhalb von drei Tagen die 750 Kilometer lange Strecke von Neustadt nach Pirmasens zurücklegen konnte, haben Polizei und Staatsanwaltschaft noch nicht. In der Stadt an der französischen Grenze wird spekuliert, Jan F. könne dort Freunde oder Familienangehörige haben, mit denen er an seinem Geburtstag zusammen sein wollte. Er ist am Tag seiner Festnahme 37 Jahre alt geworden. In Schleswig-Holstein hat der Mann nach Erkenntnissen der Ermittler keine Angehörigen mehr.

Nachdem die Flucht von Jan F. am frühen Sonntagmorgen bei einem Routinekontrollgang entdeckt worden war, hatte die Polizei bei der Suche nach ihm einen Personenspürhund eingesetzt. Der hatte die Beamten aber nicht auf die Spur des Flüchtigen bringen können. Ob er von einem Auto mitgenommen wurde und ob er Helfer hatte, bleibt zunächst offen. Die Ameos-Klinik äußerte sich nicht dazu, ob Jan F. über ein Handy oder einen Zugang zu einem Computer verfügte.

Klicken Sie hier, um Bilder aus dem Maßregelvollzug der Ameos-Klinik Neustadt zu sehen, die in den letzten Jahren von LN-Reportern gemacht wurden.

Rückkehr nach Neustadt

Der Festgenommene bleibt zunächst noch in Rheinland-Pfalz. „Wir gehen davon aus, dass er erst einmal vor Ort in einer geeignete Klinik gebracht worden ist und dann zurück nach Neustadt kommt“, sagte Stahlmann-Liebelt. Kurz nach dem Ausbruch hatte es von der Klinik geheißen, dass Jan F. nach einer möglichen Rückkehr zunächst in der Station mit der höchsten Sicherheitsstufe untergebracht werden.

Ob sich Jan F. bei seinem Ausbruch strafbar gemacht hat, ist ebenfalls noch unklar. Das werde überprüft, sagte die Flensburger Leitende Oberstaatsanwältin. Grundsätzlich ist eine reine Flucht aus einem Gefängnis in Deutschland nicht strafbar, weil der Gesetzgeber den Freiheitsdrang als Teil der menschlichen Natur akzeptiert.

„Die Flucht ist für den Flüchtenden als solche straflos“, erläutert Professor Dennis Bock, Strafrechtler an der Uni Kiel. Allerdings sei es faktisch nicht ganz einfach, eine Flucht ohne jedes andere Delikt, etwa Sachbeschädigung, Diebstahl, Unterschlagung oder Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, zu bewältigen.

Polizei fahndete mit Fotos nach ihm

In seiner Heimatstadt Flensburg war Jan F. vor etwas mehr als zehn Jahren wegen schwerer Brandstiftung angeklagt und zur Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus verurteilt worden. Der vor drei Tagen noch 36-Jährige war am frühen Sonntagmorgen vor 3 Uhr früh aus dem weniger gesicherten Haus 12 der Neustädter Klinik verschwunden. Seitdem fehlte jede Spur von ihm, obwohl die Polizei mit Fotos und einer ausführlichen Personenbeschreibung nach ihm fahndete.

Susanne Peyronnet

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