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Ostholstein Gefasst: Feuerteufel gesteht zehn Taten
Lokales Ostholstein Gefasst: Feuerteufel gesteht zehn Taten
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22:48 19.12.2013
 14. Februar: Auf dem Paasch-Eyler-Festplatz der Gruber Bürgergilde fackelt ein Wirtschaftsgebäude komplett ab. Quelle: Gäbler
Grube

Die Brandstiftungs-Serie in Grube und Umgebung ist aufgeklärt. Die Polizei hat einen 21-Jährigen aus Grube gefasst. Gestern erließ der Richter Haftbefehl.

Seit Februar 2013 hatte es mehrere Brände gegeben, die für große Unruhe in der Bevölkerung sorgten. Dabei waren vor allem Reetdachhäuser betroffen. Nun konnten Polizeibeamte der Neustädter und Lübecker Kriminalpolizei und der Polizeistation Grube die Taten aufklären. „Zur Aufklärung der Brandstiftungen wurde seit Oktober 2013 eine gezielte Sachbearbeitung in einer Ermittlungsgruppe bei der Kriminalpolizeiaußenstelle Neustadt durchgeführt“, erklärte Polizeipressesprecherin Anett Dittmer. „Deren wochenlange umfangreiche Ermittlungen ergaben einen dringenden Tatverdacht gegen einen Heranwachsenden aus Grube, der am 18. Dezember vorläufig festgenommen wurde.“

Der 21-Jährige hat bereits ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er gab zu, zehn Feuer gelegt zu haben. Dazu gehören auch die besonders schadensträchtigen Brandstiftungen, wie das Gildehaus in Grube (Schaden: circa 200 000 Euro), die Reetdachhäuser in Dahme (Schaden: 350 000 Euro) und Thomsdorf (Schaden: 200 000 Euro). Auch der Brand in Grube vom 26. Oktober (Schaden: 300 000 Euro), bei dem ein Fahrzeug in einem Carport brannte und die Flammen auf das Einfamilienhaus übergriffen, wurde offensichtlich von dem Mann gelegt. Personen wurden durch die Brände nicht verletzt.

Der geschätzte Gesamtsachschaden beträgt über eine Million Euro. Auf Antrag der Lübecker Staatsanwaltschaft wurde der 21-Jährige gestern dem Haftrichter am Amtsgericht Oldenburg vorgeführt, dieser ordnete Untersuchungshaft an.

Nach LN-Informationen handelt es sich bei dem Täter um einen Feuerwehrmann. „Unsere schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden“, sagte Grubes Wehrführer Volker Langbehn auf LN-Anfrage. „Es macht schon betroffen, dass es sich um jemanden aus den eigenen Reihen handelt, der einem sonst immer treu zur Seite gestanden hat.“ Langbehn macht der Fall nachdenklich: „Warum haben wir nicht gemerkt, dass es dieser Person nicht gut geht? Das ist eine Frage, die wir uns stellen müssen.“

Betroffenheit auch bei Kreisbrandmeister Ralf Thomsen: „Für uns ist das ein schwerer Schlag. Unser positives Image, das wir mit viel Mühe über Jahre hinweg aufgebaut haben, wird durch einen Brandstifter in den eigenen Reihen erheblich beschädigt.“ Doch auch die Feuerwehr stelle nur einen Querschnitt der Gesellschaft dar. „Wir können in niemanden reingucken und niemand hat auf seiner Stirn stehen ,Ich bin ein Brandstifter‘.“ Dennoch zeigten sich Langbehn wie auch Thomsen hoffnungsvoll, dass man jetzt „wieder ruhigeren Zeiten“ entgegengehe.

Erleichterung auch bei Hans- Uwe Hartert, Erster Ältermann der Gilde, die durch den Brandstifter zwei Häuser verloren hatte: „Das ist wirklich eine tolle Nachricht. Die Sicherheitsmaßnahmen an der wieder aufgebauten Festscheune bleiben aber erhalten — aus versicherungstechnischen Gründen.“

Aufatmen heißt es auch in Siggeneben, wo die gesamte Siedlung aus reetgedeckten Häusern besteht. Ingrid Kriegeskotte beispielsweise sagt: „Das ist ein vorweggenommenes Weihnachtsgeschenk. Es gab ja immer wieder Gerüchte, dass ein oder zwei Täter gefasst worden seien, dann war wieder nichts. Dieses Hin und Her machte einen irre. Nun kann aber hoffentlich wieder Ruhe einkehren.“

„Das ist eine sehr, sehr gute Nachricht für mich und für den ganzen Ort“, sagte Grubes Bürgermeister Volkert Stoldt. Familiär hatte er direkten Kontakt zu einem Kind, das einen der Brände miterlebt hatte. Stoldt: „Der Junge hat lange gebraucht, um das zu verarbeiten und konnte lange nicht alleine im Zimmer schlafen.“ Jetzt können die Bürger in Grube und Umgebung hoffentlich wieder ruhiger schlafen.

Chronologie der großen Brände in Grube und Umgebung
14. Februar 2013: Auf dem Paasch-Eyler-Platz in Grube brennt das reetgedeckte, leerstehende Wirtschaftsgebäude der Bürgergilde ab.

20. Februar: Die große, reetgedeckte Festscheune der Gruber Gilde brennt in voller Ausdehnung. Die Wehr kann nichts machen: Das Gebäude brennt bis auf die Grundmauern nieder.
10. Mai: An einer Lagerhalle der Alten Meierei in Grube werden Bauelemente für ein Fertighaus angezündet. Ein Übergreifen auf die angrenzende Halle kann nur durch das schnelle Eingreifen der Feuerwehr verhindert werden.

16. Mai: Die ehemalige Försterei in Dahme steht in Flammen. Trotz eines Großaufgebotes an Wehren und Fahrzeugen kann das Reetdachhaus nicht gerettet werden. Der Schaden wird mit rund 300 000 Euro beziffert.
21. September: Das schnelle Eingreifen der Feuerwehr verhindert das Abbrennen eines reetgedeckten Hauses in Dahme an der Straße Lange Wiese — die Bewohner waren zum Zeitpunkt des Feuers jedoch nicht zu Hause.
3. Oktober: In Thomsdorf geht ein Reetdachhaus an der Dorfstraße in Flammen auf — ein bewohntes Haus, dessen Besitzer jedoch gerade unterwegs ist. Das Gebäude brennt nieder.

26. Oktober: In Grube brennt ein Pkw in einem Carport. Die Flammen schlagen auf das Einfamilienhaus über. Personen werden nicht verletzt.

Thomas Klatt und Peter Mantik