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Ostholstein Gefesselter täuschte Entführung nur vor
Lokales Ostholstein Gefesselter täuschte Entführung nur vor
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17:13 15.11.2018
Die Zufahrt zum Parkplatz des Timmendorfer Waldfriedhofs war am 16. Oktober mit rot-weißem Polizeiband abgeflattert. Dort war am Abend zuvor ein an Händen und Füßen Gefesselter entdeckt worden. Quelle: Martina Janke-Hansen
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Timmendorfer Strand

Nach wochenlangen Befragungen des angeblichen Opfers gehen die Ermittler nun davon aus, dass die Entführung vorgetäuscht wurde. Der Mann hatte gegenüber der Polizei angegeben, in seiner Wohnung auf Marli von Unbekannten überwältigt worden zu sein. Er galt zunächst mehr als eine Woche lang als verschwunden.

Freunde und Familie waren verzweifelt, hatten den Familienvater bei der Polizei als vermisst gemeldet und ihn auch über Facebook gesucht. Tagelang passierte nichts, der Lübecker blieb verschwunden. Bis zum Abend des 15. Oktober, ein Montag.

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Der verletzte 38-Jährige in Timmendorfer Strand ist am Montagabend von zwei Frauen gefunden worden. Offenbar wurde er aus einem Auto auf den Parkplatz geworfen.

Gegen 21 Uhr hatten zwei Geocacherinnen den 38-Jährigen an Händen und Füßen gefesselt auf dem Parkplatz des Waldfriedhofs an der B 76 in Timmendorfer Strand entdeckt. Das vermeintliche Opfer hatte zudem Schnittverletzungen im Bauchbereich und an den Armen und wurde in eine Klinik gebracht.

Doch schnell kamen bei den Ermittlern Zweifel an den Darstellungen des Mannes auf. Vieles in den Befragungen blieb vage oder konnte von ihm nicht oder nur unzureichend beantwortet werden. Und so bestätigten die Behörden am Donnerstagnachmittag: „Fortlaufende Ermittlungen begründen jetzt den dringenden Verdacht, dass die vorgegebene Tat offenbar vorgetäuscht wurde.“ Statt in der Gewalt von Entführern habe sich der Lübecker „in einer größeren Stadt im norddeutschen Raum aufgehalten“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Staatsanwaltschaft und Polizei. Gegen den nun mutmaßlichen Täter wurde „ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Vortäuschens einer Straftat eingeleitet“.

Mögliche Motive sind unklar

Dazu, welche Beweise diese Annahme stützen und wo sich der nun Beschuldigte in dem fraglichen Zeitraum aufgehalten hat, wollte sich Ulli Fritz Gerlach, Pressesprecher der Polizeidirektion Lübeck, nicht äußern. Er sagte auf Nachfrage: „Die Klärung der Hintergründe und des Motivs der Tat sind noch unbekannt und Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Die Nennung von Einzelheiten kann auch immer mögliches Täterwissen beinhalten. Deswegen werden aufgrund der laufenden Ermittlungen Einzelheiten zu den Hintergründen zum Schutz des Verfahrens nicht näher bekannt gegeben.“

Zu Hinweisen auf mögliche Komplizen macht die Polizei ebenfalls keine Angaben. Die beiden Geocacherinnen, die das vermeintliche Opfer gefunden hatten, würden allerdings weiterhin lediglich als Zeuginnen gelten. „Begründete Zweifel“ hingegen hegen die Ermittler daran, dass dem 38-Jährigen die Verletzungen, mit denen er ins Krankenhaus gekommen war, von anderen zugefügt wurden.

Martina Janke-Hansen

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