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Ostholstein Gegen den Müll im Sand: Neue Plakat-Aktion in Timmendorfer Strand
Lokales Ostholstein Gegen den Müll im Sand: Neue Plakat-Aktion in Timmendorfer Strand
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19:11 16.01.2020
Das erste Anti-Müll-Plakat ist im Kasten an der Timmendorfer Trinkkurhalle – das freut Claudia Belis, Robert Wagner, Florian Fischer, Katja Lukoschus und Heinz-Ulrich Böttcher (v.l.). Quelle: 54° / John Garve
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Timmendorfer Strand

Mit einer neuen Kampagne wollen die Timmendorfer gegen Müll am Strand kämpfen. Gemeinde, Sealife-Center und die Schifffahrt-Unternehmen Belis und Böttcher werben gemeinsam auf großen Plakaten mit der Aufforderung „Lass deinen Müll nicht am Strand liegen“.

Ein Grund sei, dass trotz vermehrter Appelle in den vergangenen Jahren die Mengen an Plastik und Zigarettenkippen im Sand noch nicht weniger geworden seien, heißt es.

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Plastik und Kippen sind die größten Probleme

Katja Lukoschus, Mitarbeiterin im Sealife-Center Timmendorfer Strand, ist regelmäßig mit Schülern bei Strandreinigungsaktionen unterwegs. „Wir finden noch genauso viel wie vor einigen Jahren“, berichtet sie. Größtes Problem seien Plastikreste und Zigarettenkippen. Nur ein kleiner Teil davon werde vom Meer aus hergeweht oder angespült, meint sie.

„Meist ist klar zu erkennen, dass Strandbesucher ihren Müll zurückgelassen haben.“ Es sei keine Verbesserung erkennbar, ergänzt Florian Fischer, Leiter des Sealife-Centers: „Die Vermüllung des Strandes bleibt ein sehr wichtiges Thema.“

Nicht einmal eine Minute benötigen Bürgermeister Robert Wagner (l.) und Florian Fischer, um am Timmendorfer Strand eine Handvoll Müll aus dem Sand zu sammeln. Quelle: 54° / John Garve

Das Problem ins Bewusstsein rufen sollen neue Plakate, 1,60 mal ein Meter groß, die typischen Müll – Getränkedose, Plastikflasche und -tüte, Kippe, Styroporbecher und Wegwerfwindel – zeigen, der im Wasser neben Meerestieren umhertreibt.

Dazu gibt es Informationen über die Zeit, die es braucht, bis sich dieser Unrat zersetzt hat – bei einer Plastikflasche sind es beispielsweise 450 Jahre. Platz finden die Plakate im Herbst und im Winter in den Schaukästen der Reederei Belis und der Böttcher-Schifffahrt, in denen während der Saison die Fahrpläne der Bäderschiffe hängen.

An Bord werden Aschenbecher verteilt

„Mir ist aufgefallen, dass diese Kästen derzeit trist und leer sind“, berichtet der Timmendorfer Bürgermeister Robert Wagner. Daraufhin sei er auf die Idee gekommen, dort die Plakat-Aktion zu starten. Zehn Kästen stehen in Timmendorfer Strand, zwei in Niendorf.

„Wir wollen auch unsere Gäste aufklären“, sagt Reederei-Chefin Claudia Belis. „Ich bitte zum Beispiel zu Beginn jeder Fahrt darum, dass sie keine Kippen in die Ostsee werfen, und verteile Aschenbecher an Bord.“ Das Wegwerfen von Kippen sei das Hauptproblem auf den Bäderschiffen, hat auch Heinz-Ulrich Böttcher von der Böttcher-Schifffahrt beobachtet.

Jeweils eines der großen Anti-Müll-Plakate soll auch am Ostsee-Gymnasium und an der Grund- und Gemeinschaftsschule Strand aufgehängt werden. Für weitere Zwecke haben die Verantwortlichen vom Sealife-Center weitere 45 Plakate im Din-A-3-Format produzieren lassen. Die Kosten dafür trägt das Sealife-Center. „Wir arbeiten zudem schon lange und gut mit den Strandkorb-Vermietern zusammen“, erklärt Katja Lukoschus. So seien auch Papp-Aschenbecher an die Strandbesucher verteilt worden.

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„Steter Tropfen höhlt den Stein“

Dennoch scheint beim Thema „Kein Müll am Strand“ noch einige Luft nach oben zu sein, auch in anderen Gemeinden. So hat der Unternehmer Stefan Wolf im August 2019 in Scharbeutz die Initiative „Sauberer Strand“ ins Leben gerufen, bei der 3000 Plakate und 30 000 Flyer auf die Müll-Problematik in der Lübecker Bucht hinweisen.

„Ich würde nicht behaupten, dass der Strand dadurch mittlerweile sauberer ist“, räumt Wolf ein. „Aber die Menschen achten vermehrt darauf und sammeln immer öfter beim Spazierengehen Müll ein.“ Es müsse noch deutlich mehr passieren, meint er, „doch das Thema ist jetzt in den Köpfen – und steter Tropfen höhlt den Stein“.

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Von Sabine Latzel