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Ostholstein Deswegen verdienen die Ostholsteiner so schlecht
Lokales Ostholstein Deswegen verdienen die Ostholsteiner so schlecht
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12:58 19.08.2019
Eine Kellnerin serviert den Frühstückskaffee auf einer Grömitzer Hotelterrasse. Das Gastgewerbe in Ostholstein bietet jede Menge Arbeitsplätze – allerdings gelten die Löhne eher als gering. Quelle: Gäbler
Ostholstein

In Ostholstein wird im Schnitt weitaus weniger verdient als in anderen deutschen Kreisen. Denn fast die Hälfte der Vollzeitbeschäftigten arbeitet in Branchen, in denen nicht gerade Spitzenlöhne gezahlt werden. 2697 Euro brutto verdienten die Ostholsteiner nach Angaben der Agentur für Arbeit durchschnittlich im Jahr 2018. Der Bundesschnitt liegt bei 3304 Euro, der Landesdurchschnitt immerhin noch bei 3045 Euro im Monat.

„Es gibt zwar jede Menge Arbeitsplätze in Ostholstein, aber das Gros der Menschen arbeitet im Dienstleistungsgewerbe – im Gastgewerbe, in der Pflege- und Gesundheitsbranche oder in der Landwirtschaft – und dort wird verhältnismäßig wenig verdient. Es gibt zu wenig verarbeitendes Gewerbe in Ostholstein“, erklärt Olga Nommensen, Sprecherin der Agentur für Arbeit Lübeck.

Mit dem durchschnittlichen Einkommen von 2697 Euro im Monat liegt Ostholstein an letzter Stelle in Schleswig-Holstein. Einer der Gründe: Im Dienstleitungsbereich wird wenig gezahlt.

Jeder dritte Ostholsteiner ist Dienstleister

Im Dezember 2018 – so der letzte Stand der Statistik – war mehr als jeder dritte Beschäftigte (77,8 Prozent) in Ostholstein im Dienstleistungssektor tätig. Im Land waren es 75 Prozent, im Bund 71 Prozent. Nommensen: „Da die Gehälter im Dienstleistungssektor niedriger sind als im verarbeitenden Gewerbe, sind folglich auch die Bruttoarbeitsentgelte im Vergleich zu anderen Regionen entsprechend in Ostholstein niedriger.“

Mit dem durchschnittlichen Einkommen von 2697 Euro ist der Kreis sogar Schlusslicht aller westdeutschen Kreise und rangiert nur knapp über Ostdeutschland. In Schleswig-Holstein liegt Ostholstein nur knapp vor Neumünster, Flensburg und Nordfriesland.

Männer verdienen noch mehr als Frauen

Olga Nommensen: „Männer verdienen übrigens mit durchschnittlich 2801 Euro noch immer deutlich mehr als Frauen mit 2500 Euro. Der Akademiker-Anteil in Ostholstein liegt mit 7,2 Prozent ebenfalls weit unter dem Bundesdurchschnitt (14,7 Prozent). Wer eine Uni-Ausbildung hat, verdient in Ostholstein durchschnittlich 4558 Euro, im Land 4870 Euro und im Bund über 5100 Euro.“

Karsten Marzian, Geschäftsführer des Jobcenters Ostholstein, bringt noch einen weiteren Aspekt ein: Etwa 45 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer haben hier einen Job im Sozial- und Gesundheitswesen, im Einzelhandel und im Gastgewerbe. Da werden oftmals staatliche Zuschüsse nötig. So halte Ostholstein laut Marzian auch eine traurige Spitzenposition bei den erwerbstätigen Arbeitslosengeld-II-Beziehern (Hartz IV) in Schleswig-Holstein – von Jahr zu Jahr abwechselnd mit dem Kreis Plön. Rund 2500 Arbeitnehmer beziehen in Ostholstein notgedrungen diese Leistungen.

Entgeltatlas gibt einen Überblick

Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit macht die Unterschiede deutlich: Unter www.entgeltatlas.arbeitsagentur.de kann man das Bundesland auswählen und seinen eigenen Beruf oder Berufswunsch in die Suchzeile schreiben. Umgehend erhält man einen Überblick, was Berufskollegen in den anderen Bundesländern verdienen.

Höhere Einkommen nur für Pendler

Wer mehr verdienen möchte, so Marzian weiter, sei gezwungen zu pendeln. Von den 61 500 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind 27 400 Auspendler (Arbeitsplatz außerhalb Ostholsteins) und nur 16 300 Einpendler. Rund 50 Prozent der Menschen, die morgens den Kreis in Richtung Arbeitsstelle verlassen, fahren nach Lübeck. „Die Einkommenssituation kann in Ostholstein nur besser werden, wenn die Arbeitgeber auch angesichts des aktuellen und künftigen Personalmangels mehr als ortsüblich oder übertariflich zahlen. Hinzu kommt, dass Ostholstein zu wenige Stellen für gut bezahlte Beschäftigte mit Hochschulabschluss hat. Der Kreis Ostholstein braucht mehr Arbeitsplätze für Hochqualifizierte“, so Marzian.

DGB: Befristungen auf Rekordhöhe

Marco Kiepke (DGB Lübeck) sieht noch ein Problem: „Trotz hoher Nachfrage nach Fachkräften bleibt die Zahl der Befristungen in Ostholstein auf Rekordhöhe. Das ergibt eine Untersuchung des Deutschen Gewerkschaftsbundes mit Daten der Bundesagentur für Arbeit.“ Demnach seien 2018 zwei Fünftel der sozialversicherungspflichtigen Neueinstellungen im Kreis Ostholstein befristet gewesen, so Kiepke.

Besonders betroffen seien Arbeitsplätze in den Bereichen Unterhaltung und Erholung sowie Erziehung und Unterricht, wo inzwischen 78 beziehungsweise 58 Prozent aller neuen Arbeitsverträge befristet seien. Aber auch im Gastgewerbe werde oft mit Befristungen gearbeitet. Dabei gebe es Gruppen, die überdurchschnittlich davon betroffen seien wie Frauen, Beschäftigte unter 25 Jahren, ausländische Beschäftigte oder solche, die eine Tätigkeit im niedrig qualifizierten Bereich ausüben würden.

Kündigungsschutzrechte werden ausgehöhlt

Auch Bernd Friedrichs, Vorsitzender des DGB-Kreisverbandes Ostholstein, kritisiert diese Praxis: „Die Befristungen werden immer öfter als verlängerte Probezeit missbraucht. Das erhöht den Leistungsdruck und macht Beschäftigte erpressbar. Generell haben es Befristete schwer, gute Löhne und gerechte Arbeitsbedingungen einzufordern. Eine Schwangerschaft, eine zu lange Krankheit, eine engagierte Betriebsratsarbeit – alles kann dazu führen, dass der Vertrag einfach nicht verlängert wird. Schwer erkämpfte Kündigungsschutzrechte werden dadurch ausgehöhlt.“

 Das bundesweit höchste durchschnittliche Einkommen erzielten übrigens die Hamburger mit 3718 Euro, gefolgt von Baden-Württemberg (3651 Euro), Bremen (3475 Euro) und Bayern (3449 Euro). In Ostdeutschland verdienten die Menschen gerade mal 2607 Euro.

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Von Louis Gäbler

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