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Ostholstein Nach Gewalt an Grundschule: So will Süsel das Problem lösen
Lokales Ostholstein Nach Gewalt an Grundschule: So will Süsel das Problem lösen
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11:46 19.11.2019
Zwei Schulsozialarbeiter unterstützen an der Grundschule Süsel Lehrer, Eltern und Kinder. Quelle: Ulrike Benthien
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Süsel

Muss die Gemeinde die Schulsozialarbeit an der Grundschule Süsel nach den Gewalttätigkeiten der vergangenen Wochen weiter aufstocken? Dafür plädieren die beiden Schulsozialarbeiter Michelle Karbon und Nils Küssner. Sie wollen, dass ihre nur übergangsweise bewilligten 25 Wochenstunden auch weiterhin bezahlt werden – und besser noch erhöht werden. Auch Schulleiterin Swantje Popp-Dreyer möchte das Kontingent lieber ausbauen. Das Bildungsministerium schickte unterdessen einen zweiten Vertretungsschulleiter nach Süsel.

Kinder blieben der Schule fern – aus Angst vor Mitschülern

Die jüngsten Ereignisse, die zur mehrtägigen Suspendierung zweier Jungen vom Unterricht geführt haben, könnten dem Schulausschuss (er tagt am Donnerstag, 21. November, ab 19 Uhr im Rathaus) die Zustimmung erleichtern – trotz schlechter Haushaltslage der Gemeinde. Eltern einer dritten Klasse hatten ihre Kinder teilweise aus der Schule herausgenommen – aus Angst vor den gewalttätigen Mitschülern. Am vergangenen Donnerstag unterrichtete ein Vater zehn Kinder selbst im Rathaus. Deren Eltern wollten mit der Aktion einen Hilferuf aussenden.

Bildungsministerium schickte zwei Vertretungsschulleiter

Das Bildungsministerium in Kiel reagierte auf die Gewalteskalation und den Schulboykott: Es beorderte schon am vergangenen Freitag, 15. November, eine Ersatz-Schulleiterin nach Süsel, da sowohl Swantje Popp-Dreyer als auch ihre Stellvertreterin erkrankt sind. Elisabeth Steinhoff, Sonderschulrektorin an der Schule am Papenmoor in Bad Schwartau, werde „bis auf Weiteres“ die Leitung der Grundschule übernehmen, sagte der Sprecher des Ministeriums, David Ermes. Beide Schulen stehen seit Jahren in engem Kontakt: Das Förderzentrum aus Bad Schwartau hat in Süsel mittlerweile zwei Kooperationsklassen eingerichtet.

Gewalt an Grundschule in Süsel

Von elf Lehrkräften sind vier krankgeschrieben

„Zusätzlich haben wir mit Klaus Mangold einen erfahrenen ehemaligen Schulleiter und Coach als Senior-Lehrkraft nach Süsel entsandt“, sagt Ermes. Das Ministerium prüfe derzeit, wie weiterer Unterrichtsausfall abgewendet werden könne, da von elf Lehrkräften aktuell vier ausgefallen seien. Seit Anfang November habe die Schule mit einem außergewöhnlichen Krankenstand zu kämpfen.

Die Grundschule sei dem Ministerium bislang nicht durch außergewöhnliche Gewaltvorkommnisse aufgefallen, erklärt der Sprecher. Probleme mit einzelnen Schülern seien der unteren Schulaufsicht, also dem Schulrat, seit Beginn des Jahres bekannt gewesen. Nachdem das Ministerium nach eigenen Angaben erst am vergangenen Donnerstag durch Presserecherchen über die Situation in der Süseler Grundschule informiert worden war, habe sich unverzüglich die oberste Schulaufsicht aus Kiel eingeschaltet. „Wir betrachten das Verhalten der Eltern als eine einmalige Reaktion in einer Ausnahmesituation“, sagt Ermes. Ob ein Fehlverhalten der unteren Schulaufsicht oder der Schulleitung vorliege, müsse sich zeigen.

Schulsozialarbeit hat nachhaltige Wirkung“

Träger der Schulsozialarbeit in Süsel ist der Deutsche Kinderschutzbund, Kreisverband Ostholstein. Die Wochenstunden der beiden Schulsozialarbeiter waren Ende Februar zeitlich befristet von 19 auf 25 erhöht worden, weil die Schule damals selbst im zuständigen Ausschuss mehr Unterstützung angefordert hatte. Henning Reimann, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes, sagt: „Schule ist ein System, in dem Partner mit unterschiedlichen Kompetenzen zusammenwirken.“ Schulsozialarbeit habe eine Hilfsfunktion. „Wir wollen die Lern- und Lebenswelt von Kindern verbessern – mit sozialpädagogischen Maßnahmen. Unser Schwerpunkt liegt auf Prävention. In 90 Prozent der Fälle hat Schulsozialarbeit eine nachhaltige Wirkung“, betont er.

Einzelfälle haben in Süsel das System gesprengt

Reimann macht deutlich: „Die Situation an der Schule in Süsel ist nicht anders als an Schulen auf Fehmarn oder in Stockelsdorf. Hier haben aber gerade Einzelfälle das System gesprengt.“ Wenn Schüler kratzen, beißen, schlagen, würden die Schulsozialarbeiter versuchen, die Krise zu entschärfen unter Einbindung aller Partner: Schule, Elternhaus, Jugendamt. Dass alle Netzwerkpartner mitwirken, sei von entscheidender Bedeutung, erklärt Reimann. Die Schule könne pädagogische oder ordnungspolitische Maßnahmen treffen. „Ihr obliegt es auch, Kontakt mit dem Jugendamt aufzunehmen. Wir können das Problem benennen, aber nicht entscheiden“, sagt der Kinderschutzbund-Geschäftsführer.

Viele Möglichkeiten, vorbeugend zu wirken

Die Schulsozialarbeit habe eine Vielzahl an Präventionsmöglichkeiten, erklärt er. In Süsel sind von Anfang Juni bis Anfang November mehrere Angebote gemacht und gut von den Schülern angenommen worden: „Frühstücken für gute Noten“ – mit einem Frühstück sollen sie entspannter, ausgeglichener und leistungsfähiger werden. „Bewegung macht schlau“ – die Kinder sollen mit Spielen überschüssige Energie abbauen, um dem Unterricht besser folgen zu können. Konfliktlotsen sollen helfen, Streitigkeiten zu lösen, im Klassenrat sollen Schüler nach festen Regeln und mit festgelegten Rollen Selbstverwaltung, Toleranz und Akzeptanz lernen. Weiter gibt es aktive Pausen und wöchentliches Kompetenztraining in Kleingruppen.

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Von Ulrike Benthien

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