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Ostholstein Gewalt an Schule in Süsel: So reagieren die LN-Leser
Lokales Ostholstein Gewalt an Schule in Süsel: So reagieren die LN-Leser
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18:20 18.11.2019
Die Gewalt an der Grundschule in Süsel ist eskaliert. Zwei Drittklässler drangsalieren seit Monaten ihre Mitschüler (Symbolfoto). Quelle: Oliver Berg/dpa
Süsel

Sie treten, beißen und schlagen: Seit Monaten drangsalieren zwei Neunjährige eine ganze Schule in Süsel. Die Geschehnisse an der Grundschule haben viele LN-Lesern bewegt. Hier einige Reaktionen.

Wie der Berichterstattung zu entnehmen ist, hat sich ein Teil der Elternschaft einer Klasse zu einem ungesetzlichen Schulboykott veranlasst gesehen, der Bürgermeister hat das im Rathaus unterstützt und damit nach meiner Auffassung seinen Amtseid gebrochen, Recht und Gesetze zu achten. Es geht um Kinder, um alle Kinder! Wir reden hier über Neunjährige. Es geht um Kinder, die zu Hause über ihr Leiden aus ihrer Sicht sprechen. Es geht aber auch um zwei Kinder, die Probleme haben und um deren Eltern. „Die Angst vor einer Stigmatisierung sollte keinen Schulleiter davon abhalten, Hilfe einzufordern“ lesen wir im Leitartikel von Gerald Goetsch. Das gilt für die Schule in Süsel keinesfalls, denn selbst aus der Berichterstattung geht hervor, dass die Schulleitung sich bereits Anfang des Jahres öffentlich für zusätzliche Stunden für Schulsozialarbeit eingesetzt hat und dass das Jugendamt informiert worden sei.

Es geht um neunjährige Kinder

Nicht umsonst heißt es, in der Schule sollen alle vertrauensvoll zusammenarbeiten. Haben die protestierenden Eltern der Schule ausreichend ihre Problemsicht dargestellt, bevor sie durch diese Aktion die vertrauensvolle Zusammenarbeit aufkündigen? Gleiche Frage an den Bürgermeister!

Allen beteiligten Kindern hat diese öffentliche Diskussion nicht gutgetan. Erwachsene sollen Vorbilder sein, zum Beispiel ohne Vorwürfe und vertrauensvoll miteinander umgehen. Das hat bei einigen Beteiligten nicht geklappt. Die Kinder haben Streit und Misstrauen erlebt. Wenn zu Hause Schule und Lehrer abgewertet werden, kann man nicht erwarten, dass diese Kinder sich in der Schule respektvoll verhalten. Da kann ihnen noch so viel Respekt und Verständnis vonseiten der Lehrer entgegengebracht werden! Welches Bild haben die „ausgelagerten“ Schüler von ihrer Schule, wenn ihre eigenen Eltern diese unzumutbar finden und ihre Kinder von der Schule fernhalten? Dirk Maas, war mehr als 30 Jahre lang als Lehrer in Süsel tätig. Dirk Maas, war mehr als 30 Jahre lang als Lehrer in Süsel tätig.

Strukturelles Problem in Süsel wird sichtbar

Das Phänomen ist bekannt: An allen Grundschulen nimmt die Zahl der sozial und emotional auffälligen Kinder stetig zu. Fällt eine Vollzeit unterrichtende Klassenlehrkraft über einen längeren Zeitraum aus, kann das fragile schulische System in sich zusammenbrechen. Vertretungsunterricht und Veränderungen in den gewohnten Abläufen bewirken sehr schnell, dass gerade instabile Kinder in ihrem Verhalten auffällig reagieren.

An der Grundschule in Süsel ist nicht weniger aber auch nicht mehr passiert, als dass ein vielfach in Ostholstein vorhandenes strukturelles Problem sichtbar geworden ist: Die Unterrichtsversorgung an kleinen und mittleren Grundschulen ist so eng gestrickt, dass es keine Reserven mehr gibt, die greifen können, wenn eine voll unterrichtende Lehrkraft ausfällt. Die Schule ist dann auf sich allein gestellt, muss sich unter den Vorgaben der Verlässlichkeit über die Runden retten. Das Schulamt kann nicht helfen, denn es steht zwar Geld für zusätzliches Personal zur Verfügung, es gibt jedoch aktuell im Nordkreis nicht eine/n BewerberIn für diese Aufgaben.

Ich empfinde es als bedauerlich, dass in der öffentlichen Diskussion der Eindruck erweckt wurde, als hätte die Schulleitung in Süsel diese prekäre Situation abwenden können. Und von einem wirklich engagierten Schulträger wäre sicherlich eine andere Reaktion zu erwarten gewesen, als die spektakuläre Bereitstellung von Räumen für Unterricht in Elternverantwortung.

An der Grundschule haben wir die große Verantwortung, für die Kinder eine positive, motivierende Sicht auf Schule zu gestalten, sodass die Kinder gerne die Schule besuchen und motiviert werden für eine Zeit des lebenslangen Lernens. Dieser bedeutsame Stellenwert der Grundschule wird noch immer viel zu wenig beachtet. Wenn dem so wäre, müssten alle an Schule Beteiligten sich zusammenschließen und die Arbeitssituation in den Grundschulen konstruktiv verändern anstatt durch Bauernopfer Probleme auf eine persönliche Ebene zu reduzieren. Bernd Wiegand, Leiter einer Grundschule

Disziplin wird nicht mehr vermittelt

Wohin entwickeln wir uns? Mangelnde Erziehung? Was dürfen die Verantwortlichen und wo ist es ein Eingriff in das Freiheitsrecht? Fragen über Fragen, die einfach und schlicht zu beantworten sind.

Art. 1 Grundgesetz: Die Würde des Menschen ist unantastbar!

Hier sind alle bei der Wahrung dieses Grundsatzes zu unterstützen. Was wird heute praktiziert?

Alle, die für Recht und Ordnung sorgen, werden beschimpft oder erhalten gar ein juristisches Verfahren. Wo liegt die Ursache?

Die Frage ist ganz einfach. Kinder erhalten kein Vorleben der Eltern mehr. Disziplin und Akzeptanz werden nicht mehr vermittelt. Die Antwort heutiger vieler junger Leute: „ Das ist eben so, man muss sich doch nicht an die Vorgaben halten.“ Manfred Meurers, Bad Oldesloe

Durch den Artikel hat sich endlich etwas bewegt

Für die Berichterstattung über die Verhältnisse an der Süseler Grundschule möchte ich mich ganz herzlich bedanken. Es ist wie eine Befreiung.

Meine Tochter ist in der Klasse, und wir haben viel zu lange auf Veränderungen durch die Schulleitung gehofft. Durch Ihre Artikel hat sich jetzt endlich etwas bewegt, sogar das Schulministerium in Kiel ist aufmerksam geworden. Es ist toll, was Sie ins Rollen gebracht haben. Nun hoffen wir, dass sich an der Schule einiges verändert und unsere Klassenlehrerin bald zurückkehrt, damit wieder „normaler“ Unterricht stattfindet. Julia Nissen

Gewalt an Grundschule in Süsel

Von LN

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