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Ostholstein Gewalt in Klasse drei: Lage an Süseler Schule eskaliert
Lokales Ostholstein Gewalt in Klasse drei: Lage an Süseler Schule eskaliert
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19:05 14.11.2019
Schüler-Gewalt gegen Mitschüler (Symbolbild): In Süsel ist jetzt sogar schon die Grundschule betroffen. Eltern rufen deswegen jetzt zum Schul-Boykott auf. Quelle: Oliver Berg/dpa
Süsel/Kiel

Die Grundschule auf dem Lande – ein Hort der Seeligen? Von wegen. Jetzt eskaliert die Gewalt schon im beschaulichen Süsel. Weil zwei Drittklässler seit Monaten ihre Mitschüler drangsalieren, haben Eltern dort jetzt einen Schulboykott organisiert. Sie unterrichten ihre Kinder selber – im Rathaussaal. Der Bürgermeister hat ihnen den Raum zur Verfügung gestellt.

Seit Anfang des Jahres immer wieder Gewalt

Süsel im Kreis Ostholstein. Ein friedliches Dorf. 5400 Einwohner. Doch auf dem Schulhof der Grundschule gerät das friedliche Zusammenleben schon seit Anfang des Jahres aus den Fugen. Es gebe auffällige Kinder, die Hilfe bräuchten, trägt Schulleiterin Swantje Popp-Dreyer im Schulausschuss der Gemeinde vor. Man brauche dringend mehr Geld für Sozialarbeit. Diese Kinder würden treten, beißen, schlagen und auch auf Lehrer losgehen.

Geholfen hat es offenbar nicht. Seit zwei Wochen sei es schlimmer denn je, sagt der Klassenelternbeiratsvorsitzende Robert Graf. Vor allem zwei Jungen würden herausstechen. Mitschülerinnen und Mitschüler seien von ihnen gewürgt, auf der Treppe attackiert und mit Stühlen beworfen worden. Andere Kinder würden erpresst, es soll sogar Todesdrohungen gegeben haben. Die Kinder hätten Angst, einige sogar regelrecht Panik, weiter in die Schule zu gehen, sagt Vater Michael Bergmann.

Schwere Vorwürfe gegen die Schulleiterin

Die Eltern erheben jetzt schwere Vorwürfe gegen die Schulleiterin. Sie habe die Zustände zu lange unter den Teppich gekehrt. Auch Bürgermeister Adrianus Boonekamp ist sauer: „Es kann nicht sein, dass wir als Schulträger nicht von der Schulleitung, sondern von Eltern informiert werden.“

Kurzerhand stellte er den Boykott-Eltern den Rathaussaal für Ersatzunterricht zur Verfügung. Bergmann erteilte der dritten Klasse dort am Donnerstag kurzerhand Mathematikunterricht. Offenbar ist auch das Jugendamt des Kreises erst jetzt über die Vorfälle informiert worden.

Gewalt an Schulen: Seit Juli 2018 gibt es eine Meldepflicht

Wie groß ist das Ausmaß der Gewalt an Schulen im Land wirklich? Das Bildungsministerium in Kiel will es genau wissen. Seit Juli 2018 müssen die Schulen alle Fälle melden, in denen sie eine Ordnungsmaßnahme verhängt haben. Die neue Datenbank solle helfen, Konfliktursachen zu erkennen und sie so gut wie möglich abzustellen, heißt es. Ende November sollen die Daten dieses Gewalt-Monitorings erstmals vorgestellt werden. Der Süseler Fall dürfte spätestens jetzt auch darin auftauchen.

Die Schulleiterin will die beiden Jungen nun für fünf Tage vom Unterricht ausschließen. Den Elternvertretern ist das zu wenig: Die beiden müssten unter ständige Aufsicht, fordert Graf. Auch CDU-Schulministerin Karin Prien will die Sache nicht auf sich beruhen lassen.

Das Bildungsministerium habe veranlasst, dass spätestens am Montag ein in solchen Situationen erfahrener Schulleiter zusätzlich an die Grundschule Süsel kommt, teilte ihr Sprecher am Donnerstag auf LN-Anfrage mit. Vorrangiges Ziel sei „die Gewährleistung eines sicheren und reibungslosen Unterrichtsbetriebes in Süsel“. Außerdem stehe ein Hilfesystem bereit, „um den beiden auffälligen Schülern die nötige Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen“.

SPD: Ministerin muss Vorfälle zur Chefsache machen

Der SPD-Landtags-Opposition ist das nicht genug. „Politik darf sich nicht einfach so wegducken“, sagt deren Bildungspolitiker Kai Vogel. Er erwarte, dass die Ministerin sich in Süsel höchstpersönlich ein Bild macht und mit den Betroffenen Kontakt aufnimmt. Er selber werde das sofort tun, sagt Vogel.

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Von Ulrike Benthien, Wolfram Hammer

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