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Ostholstein GdP-Versammlung: 2. Hundertschaft gefordert
Lokales Ostholstein GdP-Versammlung: 2. Hundertschaft gefordert
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20:03 03.04.2019
Innenminister Hans-Joachim Grote (r.) stellt sich den Fragen der GdP-Vertreter Thomas Mertin (l.) und Jan Schmidt. Quelle: Ulrike Benthien
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Eutin

 Dass die Gewerkschaft der Polizei den Innenminister bei ihrer Jahresversammlung „ins Verhör nimmt“, ist schon lange Usus auf der Hubertushöhe in Eutin. Diesmal hatten Thomas Mertin, gerade wiedergewählter Vorsitzender der Regionalgruppe, und Jan Schmidt von der Jungen Gruppe der GdP, einen Fragenkatalog für Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) vorbereitet. Der antwortete klar und ohne Umschweife. Die neue Behördenleiterin der PD AFB (Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung und für die Bereitschaftspolizei), Maren Freyher, hatte zuvor auch die rund 200 anwesenden Kollegen ermuntert: „Nutzen Sie Ihre Chance! Stellen Sie Fragen.“

Hundertschaft hatte um die 1000 Einsätze

Rund 1000 Einsätze habe die 1. Einsatzhundertschaft 2018 geleistet, im Durchschnitt seien auf jeden einzelnen der 213 Kollegen 880 Stunden entfallen. 60 Prozent der Einsätze seien sehr kurzfristig, heißt mit einem Vorlauf unter drei Tagen, angefallen, sagte Thomas Mertin. Die meisten Beamten verließen die Hundertschaft – auch aufgrund mangelnder Aufstiegschancen nach fünf Jahren wieder: „Damit verlieren wir auch Kompetenz. Wann wird es eine 2. Einsatzhundertschaft geben?“ wollte er vom Minister wissen.

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„Klar ist, Sie brauchen Unterstützung“

Im Koalitionsvertrag sei festgeschrieben, dass es 500 neue Kräfte für die Polizei geben werde, sagte Grote. „Aber für eine 2. Hundertschaft allein würden schon 130 Beamte gebraucht. Die Kräfte sollen ja auch auf die Wachen verteilt werden.“ Nicht außer Acht gelassen werde, dürfe der finanzielle Aspekt. „Eine Arbeitsgruppe macht sich Gedanken über die Neustrukturierung unseres Hauses. Möglich wäre eventuell eine halbe Hundertschaft als erste Festnahmeeinheit“, sagte der Innenminister. „Klar ist, Sie brauchen Unterstützung. Ich kann Ihnen aber heute nicht zusichern, dass wir das in diesem oder im nächsten Jahr realisieren“, fügte er hinzu.

WLan für Kiebitzhörn und Wilhelmshöhe

Eine klare Zusage machte er dagegen für ein leistungsfähiges WLan für die Polizeischule Kiebitzhörn und die benachbarte Seniorenresidenz Wilhelmshöhe, wo Polizeischüler während ihrer Ausbildung zum Teil untergebracht sind. „Das Geld ist eingeplant“, versicherte Hans-Joachim Grote. Die Appartement-Anmietung in der Seniorenresidenz wird zum Jahr 2025 auslaufen, die PD AFB soll einen Neubau erhalten. Dass Auszubildende immer noch in 3-Bett-Zimmern untergebracht würden, müsse abgestellt werden: „2-Bett-Zimmer sind die maximale Lösung“, betonte der Gast aus Kiel.

Befristete Verträge werden in unbefristete umgewandelt

Gute Nachrichten verkündete der Minister für bislang befristet angestellte Fachleute wie beispielsweise Sportlehrer: „Ihre Arbeitsverträge werden in unbefristete umgewandelt.“ Es fehlten Fachlehrer und Dozenten in den Ausbildungsstätten der Polizei in Eutin und in der Fachhochschule Altenholz, mahnte Thomas Mertin an. „Die Fachleute gehen aus“, räumte Hans-Joachim Grote ein. „Wir werden insgesamt demnächst massiv um Kräfte werben müssen – auch in Hinblick auf die Altersstruktur in den nächsten zehn Jahren.“

Die GdP drängt auf eine Wiedereinführung des 2007 abgeschafften Weihnachtsgeldes. „Ich nehme diese Forderung zur Kenntnis. Aber es gibt nur eine zur Verfügung stehende Finanzmasse“, sagte der Innenminister. Zur Forderung der 35-Stunden-Woche sagte er: „Dann müsste es zum Ausgleich 850 zusätzliche Stellen geben.“ Unverblümt äußerte sich Grote zur Dienstpostenbewertung. „Erwarten Sie nicht von mir, dass ich ein System, das ich selber nicht verstehe, hier erkläre.“ Er setze auf „gesunden Menschenverstand bei der Auswahl von Eignung. Aber man geht nach Standards.“

Ulrike Benthien