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Ostholstein Giftiger Löschschaum: Boden in Neustadt kontaminiert?
Lokales Ostholstein Giftiger Löschschaum: Boden in Neustadt kontaminiert?
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18:30 06.06.2019
Die Marine ist seit Jahrzehnten fester Bestandteil des Neustädter Wieksbergs. In der Brandhalle trainieren unter anderem Soldaten und Rettungskräfte von Feuerwehren. Quelle: Sebastian Rosenkötter
Neustadt

Bundeswehr und Feuerwehr setzen seit Jahrzehnten auf den Einsatz von Löschschaum. Dieser ist zum Bekämpfen von brennenden Flüssigkeiten besonders gut geeignet und enthält per- und polyflorierte Chemikalien (PFC). Dabei gibt es ein Problem: Bis Ende Juni 2011 wurde Löschschaum eingesetzt, der unter anderem auch den Bestandteil Perfluoroctansulfonsäure – kurz PFOS – beinhaltete. Die Säure gilt als Schadstoff, ist für Tiere giftig und soll laut Studien sogar krebsfördernd sein. Überall, wo der Löschschaum eingesetzt wurde, könnten Böden und das Grundwasser vergiftet worden sein. Allein in Schleswig-Holstein gelten 17 Standorte als Verdachtsfälle.

Zwei Mal lief Löschschaum aus

Ein Sprecher des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw) teilt mit, dass sich der Verdacht im Bereich der Marinekaserne Neustadt bestätigt habe. In den Jahren 2006 und 2018 sei Löschschaum im Bereich der Brandhalle ausgetreten. In dem Gebäude trainieren Soldaten und Feuerwehrleute für den Einsatz. „Der Flüssigkeitsaustritt trat an der Nordseite der Brandübungshalle auf und verteilte sich auf dem versiegelten Pflasterbereich unmittelbar neben der Brandhalle“, sagt der Sprecher. In beiden Fällen habe man unmittelbar reagiert, die Ausbildung eingestellt und das ausgelaufene Wasser-Schaummittelgemisch mit Frischwasser zurück in die Brandübungshalle gespült. Der Aushub von Boden sei nicht erforderlich gewesen.

Brandausbildung auf dem Neustädter Wieksberg

Auf dem Neustädter Wieksberg gibt es am Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr der Marine (EAZS M) seit Jahrzehnten eine Brandausbildung. Sie soll Besatzungen der Marine auf die realen Gefahren an Bord vorbereiten. Zudem wird das Gelände von Feuerwehr zu Übungszwecken genutzt. Unter anderem wird geübt, brennende Flüssigkeiten zu löschen.

Trainiert wird in der seit 1993 bestehenden Brandhalle sowie an Bord der in die Jahre gekommenen früheren Fregatte „Köln“, welche noch in diesem Jahr in die Werft soll. Laut einem Sprecher des Bundesamts für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr werden sämtliche Abwässer beider Ausbildungsanlagen aufgefangen und in einer Abwasserreinigungsanlage gereinigt. Anschließend gelangen sie in die Kanalisation der Stadt Neustadt. „Darüber hinaus ist die Brandhalle komplett mit einer Auffangwanne unterlegt, in der das Löschmittel aufgefangen wird. Für den Fall einer Undichtigkeit der Wanne ist ein zusätzlicher Schacht installiert, der bei austretenden Flüssigkeiten diese auffängt und sofort einen Alarm auslöst“, teilt er mit. Dieser Fall sei seit Bestehen der Brandhalle noch nicht eingetreten.

Risiko in Putlos gilt als gering

Laut dem Bundesamtssprecher liegt ein Verdacht bereits vor, wenn PFC-haltige Substanzen gelagert oder verwendet worden sind. In Bezug auf den Kreis Ostholstein heißt es, dass die Wahrscheinlichkeit einer Verunreinigung auf dem Truppenübungsplatz Putlos beziehungsweise rund um die Wagrien-Kaserne gering sei, „da nach bisheriger Kenntnis am Standort PFC-haltige Löschschäume weder gelagert wurden noch zur Anwendung kamen“.

Wie groß das Problem mit dem Löschschaum ist, lässt sich derzeit nur schwer sagen. Der Bayerische Rundfunk hatte im Mai berichtet, dass die Kontamination an 18 Standorten bestätigt worden sei, unter anderem am Militärflugplatz Manching unweit von Ingolstadt. 108 weitere Standorte der Streitkräfte würden als Verdachtsfälle gelten.

Seit Jahren wird in der Brandhalle geübt. In diesem Fall waren es im Jahr 2008 finnische Soldaten. Quelle: Susanne Peyronnet

Chemikalische Substanz seit Jahren verboten

Seit dem 27. Dezember 2006 ist PFOS in der EU verboten. Bis zum 27. Juni 2011 durften Restbestände verwendet werden. „Die Feuerwehren der Bundeswehr haben selbstverständlich auf Basis der rechtlichen Grundlagen gehandelt“, bekräftigt der Sprecher. Hinzu komme, dass derzeit AFFF-Feuerlöschschaum (Aqueous Film Forming Foam) genutzt werde, der zwar erlaubte PFC-Substanzen enthalte, jedoch frei von PFOS sei. Wobei: Fast alle Bundeswehr-Feuerwehren verzichten nach Angaben der Behörde auf die Nutzung. „Lediglich am Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr der Marine in Neustadt wird in zwei extra hierfür angepassten Ausbildungsanlagen mit AFFF-Schaummittel (PFC-haltig) geübt“, führt er aus.

Diese Bundeswehr-Standorte stehen unter Verdacht

Bodenaustausch bislang nicht erforderlich

Sollte es an einem Standort den Verdacht einer Vergiftung des Bodens geben, setzt das Bundesamt auf einen Sanierungsplan. „Ein Kontaminationsverdacht bestätigt sich, wenn anhand von Boden und Wasseranalysen eine Konzentration oberhalb gesetzlicher Schwellenwerte/Leitwerte/Orientierungswerte bestätigt ist“, informiert der Sprecher. In Neustadt habe es im vergangenen Jahr eine Erfassung und orientierende Untersuchung von PFC-verdächtigen Flächen gegeben. Das abschließende Gutachten liege noch nicht final vor. Sollte der Boden entgegen derzeitiger Erwartungen verunreinigt sein, würde er ausgehoben.

Verunreinigungen auch durch Freiwillige Feuerwehren?

Löschschaum, der sich negativ auf Böden und Grundwasser auswirken können, ist auch ein Thema im Bereich der Freiwilligen Feuerwehren. Ostholsteins Kreisbrandmeister Thorsten Plath erläutert, dass in der Vergangenheit nur Mittel eingesetzt worden seien, die ihnen von den Herstellern verkauft wurden. „Wir waren somit immer auf Produktinformationen und die fachgerechte Zusammensetzung der Schaummittel durch den Hersteller beziehungsweise Lieferanten angewiesen“, sagt Plath.

Heutzutage würden die Feuerwehren über Dachverbände laufend Hinweise zu Produktverwendungen und möglichen Verboten erhalten. „Diese aktuellen und zeitnahen Informationen lagen uns damals in dieser Form noch nicht vor“, betont der Kreisbrandmeister. Es sei nicht auszuschließen, dass Löschschaum mit der Substanz Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) genutzt worden sei. „Da diese Mittel eventuell durch die Feuerwehren nur punktuell und nicht immer an denselben Standorten oder Liegenschaften eingesetzt wurden, ergaben sich aus meiner Sicht in der Vergangenheit keine möglichen, flächendeckenden Verunreinigungen, wie es der Bericht über Bundeswehrstandorte darstellt“, führt Thorsten Plath weiter aus.

Sebastian Rosenkötter

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