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Ostholstein Die Gilde feiert: Taktgefühl beim Festumzug
Lokales Ostholstein Die Gilde feiert: Taktgefühl beim Festumzug
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18:41 24.06.2019
Praktisch: Die Zylinder haben die Gildebrüder beim großen Festumzug vor der prallen Sonne geschützt. Quelle: Saskia Bücker
Oldenburg

 Das Gildefest der Oldenburger St.-Johannis-Gilde von 1192 steht am Montag ganz im Zeichen des großen Festumzugs. Die Mitglieder marschieren, wie jedes Jahr, einmal durch die Innenstadt. Erst dann beginnt das Vogelschießen, bei dem am Ende der neue Gildekönig feststeht. Die Gildebrüder präsentieren sich beim Umzug, ganz traditionell, im Einheitslook: schwarzer Smoking, rote Rose am Revier, Zylinder. Ganz wichtig ist auch der Gehstock. Denn der gibt beim Laufen den Marschtakt an.

Anwohner und Besucher aus dem Umland stehen am Wegesrand, jubeln den Gildemitgliedern zu, einige klatschen zum Takt der Kapellenmusik mit. Posaune, Trommel, Querflöte – gleich mehrere Orchester spielen beim Umzug. Mit dabei sind das Blasorchester Lensahn, die Oldenburger Gildekapelle und der Spielmannszug Oldenburg. Der hat nicht nur seine Instrumente dabei, sondern auch einen mit Wasserflaschen gefüllten Bollerwagen. Denn die Temperaturen klettern an diesem Tag in die Höhe.

Gildefest ist nicht nur Männersache

Während die Männer marschieren, stehen die Frauen am Straßenrand. Michaela Kasper etwa, mit einem Smartphone in der Hand. Ihre Mission in praller Mittagssonne ist es, die Nichte beim Klarinette spielen mit dem Blasorchester zu filmen. Auch ihr Mann marschiert mit, der ist aber schon an ihr vorbeigezogen. „Das ist toll, wenn die Männer mit dem Geklacker ihrer Gehstöcke durch die Stadt gehen“, sagt die 45-Jährige.

Was für ein Spektakel in der Oldenburger Innenstadt! Der Festumzug ist der feierlicher Höhepunkt beim Fest der St. Johannis-Gilde. Sehen Sie hier einige Bilder.

Auch das Zusammensein auf dem Gildeplatz schätze sie sehr. Dieses Jahr läuft für sie alles etwas entspannter. „Wir Frauen sind für das Kuchenbüfett verantwortlich, den Essenstransport und auch das Gläser abwaschen“, berichtet ihre Mutter Birgit Petsch, die neben ihrer Tochter im Schatten ausharrt. Glücklicherweise sei aber jedes Jahr jemand anderes dran. Diesmal haben die beiden Verschnaufpause.

Einen Premium-Platz hat sich die Oldenburgerin Renate Kruse mit ihrer Familie im Hinterhörn ergattert. Von ihrer Dachterrasse aus hat sie einen super Blick über den Festumzug, der sich einige Meter unter ihr durch die Straße schlängelt. „Wir trinken dieses Jahr Prosecco mit Grapefruit“, sagt die 67-Jährige. Der Festumzug sei für sie immer schon der Höhepunkt des Gildefestes gewesen.

Von London nach Oldenburg zum Gildefest

Ein paar Meter weiter auf der Eingangsstufe zum Haus sitzt Regine Wrobleswki mit Enkelin Martha auf dem Schoß und wippt zur Musik mit. Ihre Tochter hat einen Engländer geheiratet und dessen Mutter Veronica Rich ist gerade zu Besuch in Oldenburg und erlebt den ersten Gildeumzug ihres Lebens. „Ich kenne solche Umzüge aus London, wenn die Queen durch die Straßen fährt“, sagt Rich, die auch vor dem Haus sitzt. „Aber auf dem Land gibt es das bei uns nicht.“ Bei so einem Fest in Deutschland dabei zu sein, das sei sehr interessant.

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Fast zwei Stunden ziehen die Gildebrüder durch die Stadt. Günther Ergert bestellt sich nach dem Umzug erst einmal ein kühles Getränk am Bierstand auf dem Marktplatz. „Es ist dieses Jahr ein bisschen wärmer als sonst“, sagt der 78-Jährige. „Und ich habe mir ärgerlicherweise eine Blase gelaufen.“ Verschnaufen kann er aber nur kurz, denn danach geht es weiter zum Vogelschießen.

Gildebrüder schätzen Kameradschaft

Seit 15 Jahren ist der gebürtige Kölner ein Gildebruder, 2012 war er sogar König. Ältermann kann er aber noch nicht werden. Dafür müsste er länger als 20 Jahre Mitglied in der Gilde sein. „Die Oldenburger Gilde ist viel familiärer als der Kölner Karneval“, sagt Ergert. Was er hier schätze, seien die Kameradschaft und die Tradition, die im Verein natürlich gelebt werde.

 Zudem seien die Vereinsstrukturen bei der Gilde so angelegt, dass es keine „Verkrustung“ geben könne. „Man kann zum Beispiel nur einmal König werden, das wechselt jedes Jahr“, erklärt Ergert. Dadurch gebe es keine alteingesessenen Strukturen wie in vielen anderen Vereinen. Zum Abschluss gibt er noch einen Fototipp: „Wer einen Gildebruder fotografieren will, muss die Orden mit aufs Bild nehmen.“ Die seien für einen Gildebruder das Wichtigste.

Das weitere Programm

Dienstag, 25. Juni:

9 Uhr Treffen der Gildebrüder in der Blain-Halle11 Uhr Ausmarsch13 Uhr Forsetzung des Vogelschießens15 Uhr Unterhaltungskonzert auf dem Schützenplatz mit Oldenburger Gildekapelle20 Uhr Tanz im „Schützenhof“ für Gildemitglieder20 Uhr Königsschuss mit Proklamation21 Uhr Einmarsch in den Schützenhof

Mittwoch, 26. Juni:

16 Uhr Schlussversammlung im „Schützenhof“

Saskia Bücker

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