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Ostholstein Girls’ Day: Voller Einsatz bei der Polizei
Lokales Ostholstein Girls’ Day: Voller Einsatz bei der Polizei
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22:15 27.04.2017
Die Schülerinnen erleben beim Girls‘ Day auf der Hubertushöhe hautnah, wie man sich in einer bedrohlichen Situation zur Wehr setzt. Die dicken Schlagpolster, sogenannte Pratzen, schützen vor Verletzungen. Quelle: Fotos: Boller
Eutin

Die Mädchen kriechen über Gitter, öffnen Klappen und rutschen auf Rollen. Das Ganze in völliger Dunkelheit. Die 14-Jährigen reden miteinander, helfen sich gegenseitig – und beweisen damit Kommunikations- und Teamfähigkeit. Beste Voraussetzungen also für den Dienst bei der Polizei. Das dunkle Labyrinth in der Dräger-Übungsanlage ist eine Station, die die sieben Gymnasiastinnen aus Eutin beim Girls‘ Day bewältigen müssen. Einen Tag lang haben die Schülerinnen in den Arbeitsalltag bei der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung und für die Bereitschaftspolizei Schleswig-Holstein (PD AFB) hineingeschnuppert. Bundesweit beteiligen sich Unternehmen an dem Zukunftstag für Mädchen.

Auf der Hubertushöhe bekommen sieben Eutiner Schülerinnen Einblicke in den Berufsalltag.

„Normalerweise bieten wir 15 Plätze an“, sagt Wiebke Borchardt von der PD AFB, die die Mädchen den ganzen Tag begleitete. „Die sind in diesem Jahr nicht ausgeschöpft worden. Das liegt vielleicht an G8“. Nach dem Einkleiden geht es für Merle, Nele, Dorothea, Malin, Hanna, Zoe und Stina zur Selbstverteidigung. Unter tatkräftiger Anleitung von Ausbilder Maik Roloff bekommen sie einen Eindruck von polizeispezifischen Techniken zur Abwehr von Angriffen. „Früher hatte der Polizist eine Uniform an und sagte zum Bösewicht: ,Lass‘ das’. Dann sagte der: ,Ja klar, mache ich nie wieder’“, so Roloff. Heutzutage reiche die Uniform oft nicht mehr, um Respekt einzuflößen. Immer schneller werde auch eine Waffe gezogen.

Und es bleibt nicht nur bei den Erklärungen von Ausbilder Roloff. Die Mädchen müssen selbst aktiv werden, sie dürfen die Pratzen (Schlagpolster) „vermöbeln“, sie überwinden die Distanz zum Täter, um sich mit Kniestößen zu wehren und üben den Einsatz von Tier-Abwehr-Spray. „Das war ganz schön hart“, sagt Malin. Für sie wäre dieser Beruf eher nichts. Zoe dagegen hat sich ganz gezielt für den Girls‘ Day die Polizei ausgesucht: „Ich möchte später ’mal in den Polizeidienst gehen.“

Der Girls‘ Day, den die PD AFB seit sieben Jahren anbietet, ist für die Polizei auch eine gute Nachwuchswerbung, wie Wiebke Borchardt sagt. Sie habe schon einige Mädchen später als Schüler-Praktikantin und dann als Auszubildende wiedergesehen. Die 50-Jährige selbst wollte eigentlich zum Bundesgrenzschutz. „Da gab es damals aber keine Frauen. Aber bei der Polizei“, berichtet sie. „Ich war eine der 27 ersten Frauen, die 1986 eingestellt wurden. Bereut habe ich das nie.“ Wie vielfältig die Aufgaben der Polizei sind, wird den Mädchen bei den weiteren Stationen bewusst.

Neben dem dunklen Labyrinth in der Dräger-Übungsanlage, das sie im Gegensatz zu den angehenden Polizisten ohne Atemschutz und mit hochgetriebenem Puls überwinden müssen, erfahren die Schülerinnen einiges über Spurensicherung, über das Schießen und die Arbeit mit einem Polizeidiensthund.

Für Mädchen wie Zoe, deren Berufwunsch schon feststeht, hat Wiebke Borchardt gute Nachrichten: Nie habe es bessere Chancen gegeben, bei der Polizei genommen zu werden als jetzt.

Manuela Boller

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