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Ostholstein „Glück spielt eine entscheidende Rolle“
Lokales Ostholstein „Glück spielt eine entscheidende Rolle“
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09:26 19.08.2015
Szene aus dem Film „Der Schuh des Manitu“ : Zufrieden nehmen Santa Maria (Sky du Mont/Mitte) und Homber (Hilmi Sozer/l.) zur Kenntnis, dass Abahachi (Michael Bully Herbig/2.v.l.) und Ranger (Christian Tramitz/r.) an den Marterpfahl gefesselt sind. Quelle: Constantin-Fim/dpa
Hamburg

Cayetano Neven du Mont kommt nach Ostholstein. Bekannt ist der 68-Jährige jedoch unter dem Namen Sky du Mont. Am Freitagabend (20 Uhr) liest er aus seinem Buch „Full House“

in Großenbrode.

Lübecker Nachrichten: „So Männer, jetzt gehen wir nochmal jeder aufs Klo und dann reiten wir los.“ Können Sie darüber noch lachen?

Sky du Mont: Jetzt nicht mehr. Dieser Satz verfolgt mich täglich. Ich bekomme ständig Anfragen, ich solle diesen Tanz noch mal machen. Ich glaube, ich könnte auch damit meinen Unterhalt machen. Der Film ist jetzt aber vorbei, das ist 15 Jahre her.

LN: Welche Bedeutung hat „Der Schuh des Manitu“ für Sie?

Du Mont: Eine ganz große Bedeutung. Es war ja gleichzeitig mit meinem Stanley-Kubrick-Film. Kein Marketing-Chef hätte das besser organisieren können. Denn das eine war künstlerisch — „Eyes Wide Shut“ mit Tom Cruise und Nicole Kidman. Und auf der anderen Seite der erfolgreichste deutsche Film. War ein Knaller. Die Leute haben mich erstmals witzig gesehen.

LN: Waren die Dreharbeiten auch witzig?

Du Mont: Nein, das denken die Leute bei Komödien immer. Es war heiß. Ich steh da mit dem schwarzen Anzug in der Wüste rum. Das war schon schwere Arbeit.

LN: Sie sind in verschiedenen Ländern wie beispielsweise in Argentinien, wo Sie geboren wurden, aufgewachsen. Wie hat Sie das geprägt?

Du Mont: Es wäre schön, wenn alle jungen Menschen, was leider nicht möglich ist, in fremde Länder reisen könnten. Denn dann wären wir alle ein wenig toleranter und lockerer. Mir hat das sehr gut getan. Ich bin sehr kosmopolitisch geworden. Ich habe keine Probleme mehr mit irgendwelchen ausländischen Gepflogenheiten. Ich halte das für sehr wichtig, denn jedes Land hat eigene Qualitäten.

LN: Sie passen in keine Schiene. Sie können Bösewicht sein und Komödiant, sind in der FDP Hamburg, nennen sich selbst aber einen Revolutionär, setzen sich für Bildungspolitik ein, jobben an der Supermarktkasse für einen guten Zweck und sind außerdem hart im Nehmen. Richtig?

Du Mont: Das war immer mein Ziel. Ich wollte nie nur eine Sache machen. Deswegen schreibe ich Bücher, mache ich Fernsehen, habe ich Theater gespielt. Ich polarisiere natürlich auch, weil ich meine Meinung sage.

LN: Wann zuletzt?

Du Mont: Kürzlich, weil ich öffentlich gesagt habe, ich würde lieber neben einem geflüchteten Syrer wohnen als neben einem Nazi. Da melden sich bei Facebook anonym Menschen zu Wort und sagen Dinge wie: „Warum ich das denn nicht tun würde. Als könnte ich bestimmen, wer meine Nachbarn sind“.

LN: Sie sind zufällig zum Film gekommen, als Komparsen gesucht wurden. Welche Rolle spielt in Ihrem Leben der Zufall?

Du Mont: Eine ganz große Rolle. Gerade in meinem Job gibt es viele hochbegabte Leute, die einfach nie zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sind. Ein ganz wichtiger Teil ist Glück.

LN: Wie bei Ihrer Besetzung im „Schuh des Manitu“?

Du Mont: Den „Schuh des Manitu“ habe ich erst einmal abgesagt. Ich wollte die Rolle nicht spielen. Der war nicht so lustig geplant. Ich habe dann mit Bully geredet. Ich habe gesagt, ich spiele den Bösewicht, wenn er lustig ist. Sonst nicht. Das war schon Glück. Zur richtigen Zeit das Richtige.

LN: Sie ärgern sich über Schulreformen, worüber freuen Sie sich?

Du Mont: Ich freue mich, dass die Schulreform in Hamburg nicht kam. Ich finde sowieso, dass das Schulsystem nicht föderal sein sollte, sondern bundesweit das Gleiche. Es geht gar nicht, dass ich in Hamburg Abitur mache und in Bayern nicht ohne Weiteres studieren kann, weil die ein schwierigeres Abitur haben.

LN: Sie engagieren sich für die Tierschutzorganisation Peta. Auf Fehmarn ist ein Zirkus, bei dem Menschen sagen: Geht da nicht hin.

Du Mont: Das finde ich toll. Das sind Dinge, die mich freuen. Ein Wildtier gehört nicht in den Zirkus. Was soll auch ein Tiger durch einen brennenden Reifen springen. Wer will das? Dann doch lieber der Dompteur. Das fände ich lustiger.

LN: Welches sind Ihre neuesten Projekte?

Du Mont: Ich mache Fernsehen. Dann kommt mein siebentes Buch heraus, die Fortsetzung des aktuellen. Das neue Buch heißt: „Ich steh‘ jetzt unter Denkmalschutz“. Die Kinder sind mit einem Mal aus dem Haus, und im Bus steht keine Sau mehr für einen auf.

LN: Sind Sie als Hamburger mal hier oben an der Küste?

Du Mont: Ja, wir lieben Fehmarn. Aufs Meer glotzen, Fisch essen. Ich liebe Strandkörbe. Eine geile Erfindung.

LN: Bei Ihrer letzten Lesung vor zwei Jahren in Dahme hatten Sie einen frischen Bandscheibenvorfall.

Du Mont: Das war der Hammer. Am nächsten Tag kam ich nicht mehr aus dem Auto. Ich kroch auf allen Vieren ins Hotel, wurde dann mit Blaulicht ins Krankenhaus gebracht. Das war mein einziger Dreh, den ich absagen musste. Geht aber wieder.

LN: Was passiert am Freitag in Großenbrode?

Du Mont: Eine lustige Lesung. Das Buch kommt supergut an, ist sogar ein „Spiegel“-Bestseller.

Cayetano Neven du Mont alias Sky du Mont
Sky du Mont stammt aus einer Verlegerfamilie. Sein Bruder konnte Cay nicht aussprechen, es entstand Sky.

Kino: 2001 Deutscher Comedy-Preis für seine Rolle in „Der Schuh des Manitu“. Nebenrolle in „Eyes Wide Shut“ von Stanley Kubrick.

Autor von sechs Büchern, demnächst erscheint sein siebentes Buch („Ich steh‘ jetzt unter Denkmalschutz“).

Gespräch: Peter Mantik

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