Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Stammzellenspender gefunden: Neue Hoffnung für den kleinen Luca (1)
Lokales Ostholstein Stammzellenspender gefunden: Neue Hoffnung für den kleinen Luca (1)
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
20:51 18.02.2020
Luca (1) und seine Mutter Sina Jablonowski haben wieder Hoffnung. Für den Jungen wurde ein Stammzellenspender gefunden. Quelle: Susanne Peyronnet
Anzeige
Göhl

Die gute Nachricht kam fast ein bisschen lapidar daher: Als Sina Jablonowski am Montagabend mit einer Ärztin der Lübecker Onkologie telefonierte, hörte sie zunächst, die Chemotherapie schlage bei Luca (1) nicht so gut an, je früher eine Knochenmarkstransplantation erfolge, desto besser. Und dann sagte die Ärztin, es gebe einen passenden Spender. Ein Satz, auf den Sina Jablonowski und Lucas Ziehvater Tino Rademann so dringend gewartet hatten.

Mehr als 1400 Menschen ließen sich für Luca typisieren

Luca leidet an einer langsamen, aber dennoch gefährlichen Art der Leukämie. Sein Schicksal rührt Tausende. Bei einer von der Familie und ihren Unterstützern organisierten Typisierungsaktion am Sonntag in Göhl ließen sind mehr als 1400 Menschen bei der DKMS, der Deutschen Knochenmarkspenderdatei, registrieren. 24 Stunden nach Ende der Aktion kam der erlösende Anruf aus Lübeck. Natürlich ist der Spender nicht unter denen, die sich in Göhl typisieren ließen. Ihre Proben sind noch nicht ausgewertet. Aber irgendwo unter den sechs Millionen bei der DKMS oder in anderen Ländern registrierten Spendern fand sich der richtige für Luca.

Mit Nachrichten und Glückwünschen überschüttet

Sina Jablonowski kann es noch gar nicht fassen. Nein, ruhiger geschlafen habe sie nach der guten Nachricht am Montag nicht. „Das ist noch nicht richtig bei mir angekommen“, sagt sie. „Wir wurden überhäuft mit Nachrichten und Glückwünschen. Ich war so überdreht, ich konnte nicht weinen.“ Seit Mai 2019 müssen sie und Tino Rademann mit der Diagnose Leukämie für Luca leben, erleben mit, wie er Chemotherapie und immer wieder Spritzen bekommt. „Natürlich ist das jetzt eine Erleichterung, auch, dass wir die Typisierungsaktion hinter uns haben.“

Größte Typisierungsaktion der Region

Als die Typisierungsaktion für Luca am Sonntag um 11 Uhr in der Sporthalle begann, hatte sich bereits eine lange Schlange vor dem Gebäude gebildet. Auch auf den Zufahrtsstraßen rund um Göhl ging nichts mehr.In einer beispiellosen Aktion wurde auf diesen Tag hingearbeitet. Es wurden Räume und Helfer gesucht, die Öffentlichkeitsarbeit begann. „Die Hilfe von allen Seiten war groß und einfach unermüdlich“, sagt Tino Rademann, Lucas Ziehvater, voller Stolz. Sogar ein kleiner Werbefilm wurde für die sozialen Medien gedreht.1410 Menschen gaben eine Speichelprobe ab und ließen sich für die Spenderdatenbank registrieren. Darunter viele aus den Feuerwehren Göhl und Oldenburg, in denen Tino Rademacher Mitglied ist. „Ich bin schon lange mit dabei, aber was hier in Göhl auf die Beine gestellt wurde, übertrifft vieles“, zeigte sich Annika Schirmacher von der DKMS, der Knochenmarkspenderdatei, beeindruckt.

Am Sonntag fand in Göhl die große Typisierungsaktion für Luca statt. 1410 Spender ließen sich registrieren. Der große Andrang brachte in Göhl den Verkehr zum Erliegen. Quelle: Arne Jappe

Die war eine der größten in der Region. Im Schnitt kämen 500 und bis 600 Menschen, 1000 sei schon eine Schallmauer, sagt Professor Thorsten Langer von der Kinderonkologie des Uniklinikums Lübeck. „Man muss die Bevölkerung loben, es sind viele typisiert, damit sind die Chancen, einen Spender zu finden, gut.“

Transplantation beginnt Mitte März

Jetzt steht Luca und seinen Eltern die nächste Herausforderung bevor. Mitte März soll der Junge im Uniklinikum Kiel die Stammzellenspende erhalten. „Wir haben eine harte Zeit vor uns“, weiß Sina Jablonowski. Sie wird mit ihrem Sohn die vier Wochen im Krankenhaus verbringen. Dort, erläutert Professor Langer, muss Lucas Immunsystem zunächst komplett zerstört werden, bevor er die Stammzellen über eine Infusion zugeführt bekommt. „In einer halben Stunde ist das drin“, sagt Langer.

Dann muss das neue Knochenmark anwachsen und sich ein neues Immunsystem entwickeln. In dieser Zeit muss Luca absolut keimfrei leben, in einem speziellen Zimmer mit Unterdruck im Mildred-Scheel-Haus der Kieler Uniklinik. Klappt alles, liegt die Chance, dass Luca gesund wird, laut Langer bei 95 und mehr Prozent.

Erfolg, nach Tagen gezählt

„Nach vier Wochen ist die erste Hürde genommen“, sagt der Mediziner. In den nächsten 100 Tagen entscheide sich, wie gut die Abstoßung in den Griff zu kriegen sei. Medikamente sorgten dafür, dass das neue Immunsystem den Körper von Luca nicht angreift. Bei Kindern könnten ab Tag 100 bis Tag 180 die sogenannten Immunsuppressiva abgesetzt werden. „Tag 180 ist ein Meilenstein“, sagt Langer. Mit Glück müsse Luca danach keine Medikamente mehr nehmen, höchstens etwas zur Vorbeugung vor Infektionen. Der Professor: „Im ersten Jahr ist man noch etwas vorsichtig.“

Sina Jablonowski und Tino Rademann hoffen nun, dass Lucas Körper die neuen Stammzellen annimmt. „Die Chancen stehen gut“, sagt die Mutter. „Ich gehe von einem positiven Weg aus und dass wir da reibungslos durchkommen. Und dann werden wir den Sommer genießen.“ Luca meistere das alles wirklich gut, sein Blutbild sei stabil und es gehe ihm gut. „Er macht das super“, sagt seine Mutter.

Luca ist ein pfiffiges Kerlchen. Er krabbelt schnell wie der Wind, zieht sich überall hoch und lernt gerade laufen. Quelle: Susanne Peyronnet

Ihr Sohn registriert die Sorge um sich noch gar nicht richtig. In Windeseile krabbelt er durch die Wohnung, immer auf der Suche nach interessanten Dingen, mit denen er spielen kann. Mit Hilfe seiner Mutter stapft er ein paar Schritte vor sich hin, übt sich im Laufen. Seine blauen Augen blitzen schelmisch. So sieht ein Kämpfer aus.

Mehr Artikel aus Ostholstein

Von Susanne Peyronnet und Arne Jappe

Nach der Pleite kam die Zwangsversteigerung: Für 870 000 Euro ist das ehemalige Hotel „Palstek“ in Großenbrode an einen neuen Eigentümer verkauft worden. Baumängel und Streitigkeiten mit der Bank hatten die Vorbesitzerin in eine private Notlage getrieben.

18.02.2020

Musiker, Comedians und Poetry-Slammer – diese Mischung wird auch diesmal bei Schloss in den Mai ziehen. Für seinen Benefiz-Abend hat der Lions Club Eutin die Band Jeden Tag Silvester gewonnen. Außerdem ist Benni Stark aus Lübeck dabei.

18.02.2020

Die Koffer waren bereits gepackt, als die Kriminalpolizei am Freitag, 14. Februar, ein Paar festnahm. Gleich mehrfach sollen sich die beiden Eutiner wegen Betrugs strafbar gemacht haben. Beim Versuch, sich mit ihren Kindern ins Ausland abzusetzen, wurden sie von der Polizei gestoppt.

18.02.2020