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Ostholstein Mordprozess: Täter soll Opfer 34 Schnitt- und Stichverletzungen zugefügt haben
Lokales Ostholstein Mordprozess: Täter soll Opfer 34 Schnitt- und Stichverletzungen zugefügt haben
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19:08 07.08.2019
Der Angeklagte versteckt sich hinter einer blauen Mappe und verhindert so, dass sein Gesicht gefilmt oder fotografiert wird. Quelle: Sebastian Rosenkötter
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Lübeck/Gremersdorf

Knapp sechs Monate nach der Ermordung einer 28-Jährigen in der Gemeinde Gremersdorf hat der Prozess vor dem Lübecker Landgericht begonnen. Angeklagt ist der 23-jährige Freund des Opfers. Er soll die 28-Jährige aus Eifersucht umgebracht haben. Staatsanwältin Ann-Sofie Portius sprach beim Prozessauftakt von mindestens 34 Stich- und Schnittverletzungen und klagt den Mann wegen eines heimtückischen Mordes aus niedrigen Beweggründen an.

Insbesondere an Hals, Nacken und Rumpf sind laut Portius erhebliche Verletzungen festgestellt worden. Die Frau sei in Folge einer Kombination aus Verbluten und Ersticken gestorben. Sie sei nicht nur mit einem Messer angegriffen, sondern auch gewürgt worden. „Er sah die Geschädigte als seinen Besitz an“, sagte Portius und führte aus, dass das Paar sehr unterschiedliche Vorstellungen von einem gemeinsamen Leben gehabt habe.

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Der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder einer 23 Jahre alten Asylbewerberin ist vor dem Lübecker Landgericht gestartet. Das Opfer wurde in der Gemeinde Gremersdorf an einem Feldweg gefunden.

Opfer soll überwacht und verfolgt worden sein

Laut der Staatsanwältin hätten die beiden eine etwa dreimonatige Liebesbeziehung miteinander geführt. Während dieser Zeit habe es immer wieder Schwierigkeiten, unter anderem eine kurzzeitige Trennung, gegeben. „Er wollte sie heiraten. Sie wollte lieber ihre Freiheit genießen“, erläuterte Ann-Sofie Portius. Der Angeklagte habe seine damalige Lebensgefährtin überwacht und verfolgt. Sie lebten beide in Oldenburg.

Am Abend vor der Tat – am 15. Februar dieses Jahres – soll der mutmaßliche Mörder seiner Freundin zum wiederholten Male hinterherspioniert haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Frau mit einem anderen Mann zusammen gewesen sei, der sie nach Hause brachte. Eben dies habe der Angeklagte aus seinem Auto heraus beobachtet, bevor er davongefahren sei. Anschließend hätten sie per SMS und mit mehreren Anrufen miteinander kommuniziert, bevor er das spätere Opfer um 0.32 Uhr des 16. Februars mit seinem Auto abholte.

LN-Berichte über Tote bei Gremersdorf

Der Tod einer 28-jährigen Frau sorgte im Februar für Aufsehen im Kreis Ostholstein. Die LN berichteten mehrfach:

Bekannte identifizierten das Opfer wenige Tage nach dem Auffinden der Leiche.

Festnahme:
Kurz darauf wurde ein Tatverdächtiger festgenommen und in die Lübecker JVA gebracht.

Polizisten auf Spurensuche: In Gremersdorf und Oldenburg hoffte die Polizei, weitere Hinweise zu finden.

Neue Details kurz vor dem Prozessstart:
Der mutmaßliche Täter soll die Frau getötet haben, um eine Trennung zu verhindern.

Während die Frau davon ausgegangen sei, dass ihr Freund lediglich mit ihr reden wollte, habe dieser bereits geplant, sie zu töten und deshalb ein Messer mit einer 15 Zentimeter langen Klinge aus seiner Küche bei sich gehabt. An einem Feldweg zwischen Neuteschendorf und Heiligenhafen in der Gemeinde Gremersdorf soll der Angeklagte seine Partnerin gewürgt und mit dem Messer attackiert haben. Einige der Stiche seien so tief gewesen, dass sogar Halswirbel angeritzt wurden.

Der 23-jährige Iraker wollte sich am ersten Verhandlungstag nicht zu dem Mord an der 28-jährigen Asylbewerberin aus dem Iran äußern. Auch ließ er über seine Anwältin mitteilen, dass er erst zu einem späteren Zeitpunkt Angaben zu seiner Person machen wolle. Bereits vor dem Prozess hatte es der Mann, der sich seit dem 18. Februar in Untersuchungshaft befindet, laut Oberstaatsanwältin Dr. Ulla Hingst vermieden, sich zu der Tat zu äußern.

Gutachter nicht anwesend

Der Prozessauftakt selbst dauerte nur wenige Minuten. Dies lag hauptsächlich daran, dass ein geladener Gutachter – wie vorab angekündigt – nicht erschien. Staatsanwältin Ann-Sofie Portius erläuterte, dass dieser aber den gesamten Prozess begleiten müsse. Die Aufgabe des Spezialisten ist es, die Verfassung des mutmaßlichen Täters zu bewerten. Ebenfalls nicht anwesend war eine Nebenklägerin, jemand aus der Familie des Opfers, die nicht rechtzeitig ein Visum erhalten hat.

Die nächsten Verhandlungstage

Der zweite von neun geplanten Verhandlungstagen soll am 19. August stattfinden. Insgesamt sollen 25 Zeugen sowie zwei Sachverständige zu hören sein – darunter auch der Mann, mit dem das Opfer am Abend vor seinem Tod unterwegs gewesen ist.

Von Sebastian Rosenkötter