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Ostholstein Zwölf Jahre Haft: Angeklagter tötete Freundin mit 34 Messerstichen
Lokales Ostholstein Zwölf Jahre Haft: Angeklagter tötete Freundin mit 34 Messerstichen
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16:14 19.11.2019
Das Landgericht Lübeck. Quelle: Sebastian Rosenkötter
Lübeck/Gremersdorf

Ein 23-Jähriger wurde Dienstagmorgen vor der I. Großen Strafkammer des Lübecker Landgerichts wegen Totschlags zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Der Angeklagte hatte zuvor gestanden, seine Freundin am 16. Februar dieses Jahres in der Gemeinde Gremersdorf getötet zu haben.

Opfer sei nicht gezielt in den Hinterhalt gelockt worden

Richter Christian Singelmann erläuterte ausführlich, warum es sich um Totschlag gehandelt hat und nicht, wie von Staatsanwältin Ann-Sofie Portius dargestellt, um Mord. Er beschrieb, dass der Mann ein Messer aus seiner Küche eingesteckt habe, bevor er sich gegen 0.30 Uhr mit der 28-jährigen Asylbewerberin in Oldenburg, wo beide in unterschiedlichen Wohnungen lebten, traf. „Wir sind aber nicht zu der Auffassung gekommen, dass es sich um ein gezieltes Locken in den Hinterhalt gehandelt hat“, führte der Richter aus.

Vielmehr fuhr das Paar rund 90 Minuten durch die Gegend, bevor es auf einem Feldweg zwischen Neuteschendorf und Heiligenhafen zur Attacke kam. Worüber im Auto geredet wurde, sei unklar. „Es ist von einer Spontantötung auszugehen“, sagte Singelmann.

Tatwaffe wird nicht erneut untersucht

Der angeklagte Iraker hatte es während der Verhandlung abgelehnt, Fragen zu seiner Version des Tatablaufs zu beantworten. Verteidigerin Lena Alpay-Esch sagte, dass wüste Beschimpfungen seitens des Opfers zum Messerangriff geführt hätten. Darüber hinaus versuchte sie mit einem Antrag zu erreichen, dass die mutmaßliche Tatwaffe erneut untersucht wird – sollte ihr Mandant wegen Mordes verurteilt werden. Schließlich sei es möglich, dass dieser ein stets im Auto befindliches Klappmesser genutzt habe.

Das lehnte Richter Christian Singelmann bereits vor der Urteilsverkündung ab. „Das Gegenteil steht bereits fest aufgrund des Textilgutachtens“, sagte er und verwies damit auf die Untersuchung der Kleidung der Frau. Zudem sei das Gericht davon überzeugt, dass das Küchenmesser die Tatwaffe war. Dafür spreche die gefundene DNA.

Richter hält Version des Angeklagten für unglaubwürdig

Die Version zum Tatablauf bezeichnete Singelmann während seiner Urteilsbegründung als größtenteils unglaubwürdig. „Die Kammer hätte zahlreiche kritische Nachfragen gehabt“, stellte er klar. Auch hätten er und seine Kollegen gerne erfahren, warum der Angeklagte stets ein Messer im Auto mit sich führte. Somit bleibe vieles im Dunkeln.

Der Angeklagte verbirgt am ersten Verhandlungstag im August sein Gesicht vor den Kameras einiger Journalisten. Im Hintergrund sind zwei Justizvollzugsbeamte zu sehen. Quelle: Sebastian Rosenkötter

Schwierige Beziehung zwischen Opfer und Täter

Die Beziehung von Täter und Opfer wurde während des Prozesses als brüchig beschrieben. Während sich die getötete Asylbewerberin aus dem Iran (28) laut Zeugen mit mehreren Männern parallel getroffen haben soll, wurde der Angeklagte als eifersüchtiger Mensch dargestellt, der seine Partnerin gestalkt hat.

Dass der Angeklagte wegen Totschlags und nicht wegen Mordes verurteilt wurde, begründete Christian Singelmann unter anderem damit, dass der Mann weder heimtückisch noch aus besonders niederen Beweggründen gehandelt habe. Auch wurde eine Tat im Affekt ausgeschlossen. Zugleich führte er aus, dass die „Ankerbungen im Nackenbereich“ durchaus den Eindruck hätten erwecken können, dass der Kopf abgeschnitten werden sollte. Dies sei jedoch nicht nachweisbar.

Mehr zu der Tat in Gremersdorf:

Gericht folgte weder Staatsanwaltschaft noch Verteidigung

Damit blieb das Gericht deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Portius hatte sich während ihres Plädoyers für eine lebenslange Haftstrafe (mindestens 15 Jahre) wegen Mordes ausgesprochen. Verteidigerin Lena Alpay-Esch indes sagte, dass ihr Mandant die Frau getötet habe, er jedoch kein Mörder sei. Sie machte deutlich, dass sie eine Freiheitsstrafe von acht Jahren für angemessen halte – wegen Totschlags.

Ob Verteidigerin oder Staatsanwältin in Revision gehen werden, ist offen. Beiden wollen sich in den kommenden Tagen darüber Gedanken machen. Lena Alpay-Esch sagte kurz nach der Urteilsverkündung, dass sie erst mal zufrieden sei, da ihr Mandant nicht wegen Mordes verurteilt wurde. Aufgrund der Höhe der Haftstrafe wolle sie sich mit ihm besprechen, wie es weitergehe.

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Von Sebastian Rosenkötter

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