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Ostholstein Flüssigkeit ausgelaufen: Paket sorgt für Großalarm bei der Post in Stockelsdorf und Lübeck
Lokales Ostholstein Flüssigkeit ausgelaufen: Paket sorgt für Großalarm bei der Post in Stockelsdorf und Lübeck
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22:41 14.09.2019
Gefahrguteinsatz in Stockelsdorf: Aus einem Paket war Desinfektionsmittel ausgelaufen, das wohl mit Reinigungsmittel reagiert hat. Quelle: Holger Kröger
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Stockelsdorf/Lübeck

Sieben Rettungswagen und der Leitende Notarzt stehen bereit, auch die Feuerwehr ist mit einem Großaufgebot vertreten. Der Gefahrgutlöschzug Ostholstein Süd, die Führungsgruppe der Gemeindefeuerwehr Stockelsdorf und die Feuerwehr Mori sind angerückt. 120 Frauen und Männer sind laut Einsatzleiter Björn Schlieter im Einsatz. Die Polizei sperrt die Zufahrt von der Ahrensböker Straße in die Marienburgstraße. Die Stimmung am Sonnabendmorgen in Stockelsdorf ist gespenstisch. Auf dem Hof der Post legen sich Feuerwehrleute Schutzanzüge an und gehen unter Atemschutz ins Gebäude. Ein Feuerwehrmann, der in einem Schutzanzug mit den Füßen in der Flüssigkeit stand, wird später berichten: „Das hat gebrodelt wie Sau.“

Sechs Verletzte kommen vorsorglich in Krankenhäuser

Die Anspannung ist bei allen Beteiligten deutlich spürbar. „Bei Gefahrgut ist alles zwischen 0 und 100 möglich“, sagt Schlieter. Mehr Informationen zu der Substanz gibt es vorerst nicht. Auch die Post-Mitarbeiter, die das Gebäude verlassen mussten, wollen nicht darüber sprechen, was den Einsatz ausgelöst hat. Von den 18 Mitarbeitern werden sechs mit Atemwegsbeschwerden in die umliegenden Krankenhäuser gebracht.

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Am Sonnabend mussten die Postverteilungszentren in Lübeck und Stockelsdorf geräumt werden. Sieben Menschen wurden verletzt.

Die Führungsgruppe richtet sich schon auf einen langen Tag ein. In dem Gebäude nehmen die Retter unter Vollschutz Wischproben vom Fußboden auf. Inzwischen erfahren die Rettungskräfte, dass bereits am Freitagabend eine Post-Mitarbeiterin einen beißenden Geruch in dem Postlager in Stockelsdorf festgestellt hat. Als der Geruch am Sonnabendmorgen immer noch im Gebäude steht und sich eine Flüssigkeit auf dem Boden verteilt hat, wird die Feuerwehr alarmiert.

Betroffene Sendung wurde bereits nach Lübeck weitergeleitet

Das Paket, aus dem die unbekannte Flüssigkeit ausgelaufen ist, ist bereits weiter auf Reisen gegangen. Es liegt im Postverteilungszentrum an der Lübecker Novgorodstraße. Auch dort wird umgehend das Gebäude evakuiert. Die Berufsfeuerwehr Lübeck übernimmt den Einsatz und begibt sich unter Vollschutz auf die Suche nach dem Paket mit der unbekannten Flüssigkeit. Die Führungskräfte nehmen mit einer Spezialeinheit in Hamburg Kontakt auf und kündigen bei der Analytischen Task Force (ATF) ein Paket zur Untersuchung an. „Das sind Spezialisten, die können binnen kurzer Zeit klären, um welche chemischen Stoffe es sich hier handelt“, erläutert Schlieter Stockelsdorfs Bürgermeisterin Julia Samtleben (SPD), die sich am Einsatzort erkundigt.

Desinfektionsmittel hat wohl mit Reinigungsmittel reagiert

Gegen kurz vor 11 Uhr kommt Entwarnung von den Feuerwehrkollegen in Lübeck. Das Paket mit der ausgelaufenen Flüssigkeit haben die Feuerwehrleute zur ersten Inaugenscheinnahme auf dem Areal an der Novgorodstraße untersucht. Das Paket soll ordnungsgemäß deklariert gewesen sein. Bei der auslaufenden Flüssigkeit handelt es sich um Desinfektionsmittel. „Vermutlich hat die Flüssigkeit mit Reinigungsmitteln reagiert und so für den beißenden Geruch gesorgt“, erklärt Schlieter, der beim Einsatzende gegen 11 Uhr auch schon wieder einige der Post-Mitarbeiter trifft, die am Morgen in die Klinik gebracht wurden.

Postmitarbeiter aus in Lübeck muss ins Krankenhaus

Die Lübecker Feuerwehr wird durch die Kollegen aus Stockelsdorf am Morgen über den Zwischenfall informiert. Ein Mitarbeiter im Postverteilzentrum der Hansestadt ist zu diesem Zeitpunkt schon in Kontakt mit dem Paket gekommen und muss zur Untersuchung ins Krankenhaus gefahren werden.

Die Halle des Postverteilzentrums in Lübeck, in der das Paket sich befand, wird sofort geräumt. Zur weiteren Lageerkundung rückt der Gefahrgutzug der Berufsfeuerwehr Lübeck an. Die Einsatzleiter von Polizei und Feuerwehr treffen nach erfolgter Lagebeurteilung die Entscheidung, dass das betroffene Paket geöffnet wird, um es zu untersuchen. „Es stellte sich heraus, dass sich auf dem in Frage stehenden Trollie zwei Pakete befanden: in dem ersten war eine Lieferung Rotwein von einem Weinhandel, in dem zweiten waren zwei zehn-Liter-Gebinde eines hochkonzentrierten Stalldesinfektionsmittels für Tiere, von denen eines beschädigt war“, sagt Polizeisprecher Dierk Dürbrook. Die ermittelten Produkteigenschaften hätten zu den Atemwegsreizungen der Mitarbeiter geführt.

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