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Ostholstein Großartige Aufführungen: Brahms „Deutsches Requiem“ in St. Michaelis und St. Johannis
Lokales Ostholstein Großartige Aufführungen: Brahms „Deutsches Requiem“ in St. Michaelis und St. Johannis
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13:41 11.11.2019
Kantorin Antje Wissemann leitete die Aufführung von Johannes Brahms „Deutschem Requiem“ in der Eutiner Michaeliskirche. Quelle: Susanne Peyronnet
Eutin

Große Kirchenkonzerte in der Eutiner Michaeliskirche versprechen seit jeher echten Musikgenuss. Das war auch am Sonntag so. Auf dem Programm stand „Ein Deutsches Requiem“ von Johannes Brahms. Über eineinhalb Stunden webten Orchester, Chor und Solisten unter der Leitung von Kantorin Antje Wissemann einen Klangteppich, der die ureigenste Aufgabe von Kirchenmusik erfüllte: die Seele zu berühren.

Das „Deutsche Requiem“ ist ein Chorwerk im wahrsten Sinn des Wortes. Den Großteil der musikalischen Aufgaben übernehmen der Chor – in diesem Fall die Eutiner Kantorei und der Vokalkreis Plön – und das Orchester. Die Hannoversche Hofkapelle mit Konzertmeisterin Anne Röhrig zeigte sich spielfreudig. Chor und Orchester harmonierten hervorragend, keiner von beiden spielte – oder sang – den anderen an die Wand.

Ein Chor mit wuchtigem Klang

Wissemann hat mit ihrer Kantorei und der Verstärkung aus Plön einen Chor zur Verfügung, der sich von seiner besten Seite präsentierte. Willig folgte er Tempowechseln, schaffte spielerisch rapide Übergänge ins Piano und den Wechsel zwischen Dramatik und Innigkeit. Das Ensemble zeichnet sich durch einen homogenen Klang aus. Die Soprane klingen hell und unangestrengt, die Bässe sonor und kräftig, die Altistinnen überzeugen mit Volumen und Klangfarbe. Einzig dem Tenor stünde etwas mehr Kraft gut an, er wirkte etwas zu ätherisch.

Äußerst sparsam ist Brahms bei den Partien für die Solisten gewesen. Das ist schade, denn Bariton Tobias Berndt hätte man gerne noch etwas länger zugehört. Er überzeugte mit schlankem Klang in den Höhen und einer außergewöhnlich schönen Stimme in der Tiefe. Magdalene Harer sang ihren Part, der von der Traurigkeit handelt, mit einer Intensität, dass es beinahe in der Seele schmerzte. Ihr klarer Sopran schwebte klagend durch den Kirchenraum.

Mit einer Umarmung bedankte sich Antje Wissemann bei den Solisten Magdalene Harer (Sopran) und Tobias Berndt (Bariton). Quelle: Susanne Peyronnet

Der ist wie immer in St. Michaelis ein wichtiger Akteur gewesen. Wohl dem Ensemble, das es mit so einer Akustik zu tun hat. Gerade wenn die Kirche so voll besetzt ist wie bei der Aufführung, trägt sie die Klangfülle in den letzten Winkel und verstärkt das Volumen der Akteure noch mehr. Das wurde Berndt und Harer ein wenig zum Verhängnis. Etwas mehr Zurückhaltung von Chor und Orchester beim Zusammenspiel mit den Solisten hätte ihren Auftritten gut getan.

Publikum applaudierte stehend

Antje Wissemann ist mit Brahms „Deutschem Requiem“ wieder ein großer Wurf gelungen. Mit dem Vokalkreis Plön hat Kirchenmusikdirektor Henrich Schwerk das Stück einstudiert, auch ihm gebührt Lob. Die großen Werke der Eutiner Kirchenmusik haben sich einen so guten Ruf erarbeitet, dass die Kirche jedes Mal ausverkauft ist. Das Publikum dankte es am Ende mit langem und stehend vorgebrachtem Applaus.

Oldenburg: Gleichgewicht aller Akteure

Auch in Oldenburg war die Kirche voll, hier musizierten die Oldenburger und die Neustädter Kantorei unter Leitung von Matthias Voget sowie die Solisten Lisa Ziehm (Sopran) und Christfried Biebrach (Bariton). Den Chor verstärkte der Neustädter Kantor Andreas Brunion, der noch am Vortag das Requiem in Neustadt dirigiert hatte. Die Aufführung des Requiems jährte sich in diesem Jahr zum 150. Mal. Am 18. Februar 1869 wurde das Werk das erste Mal im Leipziger Gewandhaus uraufgeführt und verhalf dem damals 35-jährigen Brahms zum Durchbruch als international anerkannter Komponist.

Starke Solisten, starkes Ensemble

Präzise und stimmgewaltig präsentierte sich das Ensemble, das aus 85 Sängerinnen und Sängern des Oldenburger und Neustädter Chores, der Sinfonietta Lübeck und den Solisten Lisa Ziehm (Sopran) und Christfried Biebrach (Bariton) zusammengesetzt war. Die Stimmen des Chores reichten aus, um einerseits einen wuchtigen Sog zu erzeugen, andererseits einen nötigen Druck aufzubauen. Die Solisten verhalfen dem Chor und dem Orchester mit ihren klaren Stimmen in absolut ebenbürtiger und ergänzender Weise, die thematisch zu unterstreichenden aber auch solitär darzustellenden Passagen zu ergänzen. Dem Dirigenten Matthias Voget gelang es ein Gleichgewicht zwischen Chor, Orchester und Solisten herzustellen, was neben der vokalen Leistung der Akteure sicherlich das Glanzlicht der musikalischen Darbietung darstellte. Das Ergebnis war eine zurückhaltende, innige Interpretation, die eine emotionale Tiefe und intensive Ausdruckskraft in sich trug.

Die Solisten Lisa Ziehm und Christfried Biebrach mit Dirigent und Kantor Matthias Voget (vorn, v.l.) beim Konzert in der Oldenburger Johanniskirche, dahinter Orchester und Chor. Quelle: Klaus Kasper

Nicht nur das getragene, langsame Tempo, auch die feinen dynamischen Schattierungen und die impulsiven Passagen, die Voget dem Ensemble entlockte, waren atemberaubend. Sieben Sätze, einer schöner als der andere, formten an diesem Abend das Requiem von Brahms zu einem musikalischen Hochgenuss.

Von Susanne Peyronnet/ Thomas Wroblewski

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