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Ostholstein Feuer auf Gut Siggen: War ein technischer Defekt die Ursache?
Lokales Ostholstein Feuer auf Gut Siggen: War ein technischer Defekt die Ursache?
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17:19 03.08.2019
Die Scheune auf dem Gutshof Siggen brannte im vorderen Teil lichterloh. Quelle: Arne Jappe
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Heringsdorf/Gut Siggen

Auf dem einstigen Rittergut Siggen in der Gemeinde Heringsdorf gab es am frühen Sonnabend den dritten großen Feuerwehreinsatz im Kreis Ostholstein innerhalb weniger Tage. Teile einer etwa 1200 Quadratmeter großen Scheune brannten. Bereits von der Sundbrücke aus waren die Flammen im Nachthimmel sichtbar. Ein Zusammenhang zu Hunderten abgebrannten Strohballen in Merkendorf sowie einem Feuer neben einer Reithalle in Kellenhusen scheint nach LN-Informationen derzeit ausgeschlossen.

Feuerwehrsprecher Hartmut Junge erläuterte, dass es an einer Stelle gebrannt habe, wo keinerlei Erntevorräte wie Stroh gelagert würden. Stattdessen hätten sich dort Dieseltanks für eine Trocknungsanlage sowie die Anlage selbst befunden. Der Kriminaldauerdienst aus Lübeck sei noch in den frühen Morgenstunden eingetroffen und habe die Ermittlungen aufgenommen.

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Video zeigt gewaltiges Feuer

Feuerwehr rief schnell Extrakräfte

Die Alarmierung der Heringsdorfer Feuerwehren erfolgt um 4.08 Uhr. Laut Junge sei bereits während der Anfahrt – „nur ein bis zwei Minuten später“ – entschieden worden, weitere Kräfte zu benachrichtigen. Gegen 4.18 Uhr sei eine Art Großalarm ausgelöst worden. Anschließend waren bis zu 120 ehrenamtliche Feuerwehrleute aus den umliegenden Orten sowie zwei Drehleiterfahrzeuge aus Oldenburg und Heiligenhafen vor Ort.

Lesen Sie auch: Wie sich das Rittergut Siggen in 773 Jahren gewandelt hat.

Der Kreisfeuerwehrsprecher hob die örtliche Einsatzleitung lobend hervor: „Sie haben sich getraut, so groß zu alarmieren. Das war genau richtig.“ Nur aufgrund der zwei Drehleitern sei es möglich gewesen, ein Ausbreiten der Flammen auf die komplette historische Scheune zu verhindern. „Das hat wesentlich zum Erfolg beigetragen. In der Scheune gab es eine Mauer, keine richtige Brandwand. Die wurde genutzt“, verdeutlichte Junge.

Etwa 120 Einsatzkräften gelingt es, das Feuer in der Scheune auf das vordere Drittel des Gebäudes zu beschränken. Feuer hatte sich bereits über den Giebel weiter ausgebreitet.

Funkenflug und mögliche Glutnester

Dennoch handelte es sich nicht um ein kleines Feuer: Der vordere Teil stand beim Eintreffen der Einsatzkräfte lichterloh in Flammen. Starker Funkenflug verursachte weitere Probleme. Umgehend begann die Feuerwehr mit dem Löscheinsatz aus mehreren Strahlrohren. Im weiteren Verlauf galt es, mögliche Glutnester in der Zwischendecke zu lokalisieren und zu beseitigen.

Gut Siggen setzt auf Landwirtschaft und Seminare

Gut Siggen ist eines der ältesten Güter im Norden. Es wurde im Jahr 1282 erstmals urkundlich erwähnt und war einst ein Rittergut. Heute ist es ein landwirtschaftlicher Großbetrieb mit etwa 900 Hektar Ackerfläche, 110 Hektar Wald und 25 Hektar Grünland. Zudem hat die Alfred-Toepfer-Stiftung mit Sitz in Hamburg ein modernes Seminarzentrum eingerichtet und empfängt Gäste aus aller Welt in ihrer Denkfabrik.

Ein Video sowie weitere Bilder vom Feuer gibt es auf www.LN-Online.de/Ostholstein.

Gegen 7 Uhr morgens konnte ein Großteil der Feuerwehrleute abrücken. Eine Brandwache blieb zunächst noch auf dem Gelände, wurde aber im Laufe des Tages abgezogen. „Die Feuerwehr der Gemeinde Heringsdorf wird noch einmal vorbeischauen“, sagte Junge. Ein Problem sei, dass die Giebelwand der Scheune durch die enorme Brandeinwirkung stark einsturzgefährdet sei. Deshalb wurde die Fläche weiträumig abgesperrt. „Ein Statiker muss die Einsturzgefahr der Giebelwand nun prüfen“, erklärte Junge.

Arne Jappe und Sebastian Rosenkötter