Große Statistik: So viel Müll wird jährlich in Ostholstein produziert
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Ostholstein Große Statistik: So viel Müll wird jährlich in Ostholstein produziert
Lokales Ostholstein Große Statistik: So viel Müll wird jährlich in Ostholstein produziert
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15:55 26.09.2019
Aus den Mülltonnen könnte eine gerade Luftlinie von Bad Schwartau bis Fehmarn gelegt werden. Quelle: Susanne Peyronnet
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Ostholstein

Jeder Ostholsteiner produziert jeden Tag Abfall. Beileibe nicht alles, was weggeworfen wird, landet in der Mülltonne. Im Laufe der vergangenen Jahre und Jahrzehnte ist die Wiederverwertung immer weiter vorangetrieben worden. Die LN werfen einen detaillierten Blick auf den Müll, der jährlich in Ostholstein produziert wird.

Restmüll

In Ostholstein stehen insgesamt 72 000 Restmülltonnen unterschiedlicher Größe: 80 Liter, 120 Liter, 240 Liter, 770 Liter und 1100 Liter. Würde man die 80-Liter-Tonnen (56,94 Kilometer) und 120-Liter-Tonnen (11,63 Kilometer) an Deckel und Boden aneinander reihen, ergeben diese eine Länge von insgesamt 68,57 Kilometern.

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Schwarze Tonnen mit rotem Deckel werden alle vier Wochen abgeholt. Quelle: Susanne Peyronnet

In Ostholstein fallen jedes Jahr ungefähr 44 100 Tonnen Restmüll an. Das sind umgerechnet 441 000 Kubikmeter Restmüll. Damit ließe sich innerhalb von zwei Jahren der kleine Pönitzer See vollständig auffüllen. Im Schnitt ist eine Restmülltonne zu mindestens 80 Prozent gefüllt, wenn sie geleert wird.

Die Restmüllmenge unterliegt saisonalen und regionalen Schwankungen. Zu Ostern und in den Sommermonaten fällt mehr Abfall an. Zu Weihnachten steigt besonders die Menge an Verpackungsmaterial. Im Binnenland ist die Restmüllmenge relativ stabil. Die Küstenregionen und die Insel Fehmarn unterliegen dagegen starken Schwankungen. Diese Regionen sind entscheidend vom Tourismus geprägt. Auf Fehmarn leben etwa 13 000 Einheimische, jedes Jahr kommen rund 300 000 Besucher mit circa zwei Millionen Übernachtungen auf die Insel. Dies lässt die Restmüllmenge in dieser Zeit deutlich ansteigen. So fallen im Juli im Vergleich zum Februar auf der Insel etwa 27 Prozent mehr Restmüll an.

Für jede Art von Müll gibt es eine andere Tonne oder eine andere Möglichkeit, ihn loszuwerden.

Eine Restmülltonne hat eine durchschnittliche Lebensdauer von 20 Jahren. Da die Tonnen aus sortenreinem Kunststoff sind, können sie nach ihrem Ableben vollständig recycelt und zu neuen Tonnen geformt werden. Möchte jemand seine Mülltonne vorzeitig ausgetauscht habe, werden für einen zweirädrigen Behälter 25 Euro fällig.

Wenn er abgefahren ist, wird der Restmüll im Müllheizkraftwerk in Neustadt verbrannt.

Gelber Sack

Wenn man die pro Jahr entsorgten Gelben Säcke entlang der Küste (185 Kilometer) aufschichtet, ergibt das eine Mauer von acht Metern Höhe.

8000 Tonnen Verpackungsmaterial kommen pro Jahr in Ostholstein zusammen, der Großteil davon aus Plastik. Aber auch Dosen und Tetrapacks sind dabei. Die Gelben Säcke werden auf dem Gelände des ZVO in Neustadt gesammelt, bevor sie zum Sortieren an das Duale System (Grüner Punkt) weitergeschickt werden. Zurzeit wird die überwiegende Menge in einer Sortieranlage nach Hamburg gefahren, zudem stehen zwei weitere Anlagen in Schleswig Holstein zur Verfügung.

Die Gelben Säcke werden auf dem Betriebshof in Neustadt gesammelt, bevor sie in die Sortieranlagen gefahren werden. Quelle: Susanne Peyronnet

Die Gelbe Tonne kommt: In Ostholstein stehen zurzeit 14 000 Komforttonnen, in denen die Gelben Säcke gelagert werden können. Mit ihnen ließe sich eine schwimmende Komforttonnenbrücke über den Fehmarnsund mit einer Breite von 13 Metern bauen. Vom 1. Januar 2020 ist die Gelbe Tonne das offizielle Sammelsystem für Verpackungsabfälle im Kreis Ostholstein. Der Gelbe Sack hat ausgedient. Die Umstellung von Sack- auf Behältersammlung wird voraussichtlich das erste Halbjahr 2020 in Anspruch nehmen. Die ZVO Entsorgung wird Ende des Jahres 2019 die Ostholsteiner darüber informieren. Die vorhandenen Komforttonnen werden ab dem nächsten Jahr automatisch zur Gelben Tonne.

Die sogenannte Komforttonne dient dazu, Gelbe Säcke aufzunehmen. Aber dem nächsten Jahr gibt es gelbe Tonnen für Verpackungsabfälle. Die Säcke haben ausgedient. Quelle: Susanne Peyronnet

Biotonne

30 000 Biotonnen stehen in Ostholstein. Im ländlichen geprägten Kreis hat die Eigenkompostierung eine große Tradition und ist weit verbreitet. Laut ZVO sind kreisweit etwa 35 Prozent der Haushalte an die Abfuhr von Bioabfall angeschlossen. Im Kreis Ostholstein fallen im Jahr rund 10 000 Tonnen Bioabfall an. Dies entspricht dem Gewicht von etwa 15 ICE-Zügen. Die Bioabfälle werden in Anlagen aufbereitet, sortiert und kompostiert, um ein wertvolles Gemisch aus Humus und Kompost für die Landwirtschaft und den privaten Bereich zu schaffen.

Die Biotonne, auch Braune Tonne genannt, steht in 35 Prozent aller ostholsteinischen Haushalt. Quelle: Susanne Peyronnet

Wer organische Abfälle das ganze Jahr über auf dem eigenen Grundstück oder einem Gemeinschaftsgrundstück kompostiert, kann von der Biotonnen-Pflicht befreit werden. In der jüngsten ZVO-Verbandsversammlung kündigte Verbandsvorsteherin Gesine Strohmeyer an, dass das auch kontrolliert werde.

Blaue Tonne

Etwa 16 880 Tonnen Papier und Pappe sammelt der ZVO jedes Jahr ein. Das ist etwa so viel, wie eine mittelgroße Windkraftanlage wiegt. Das gesammelte Papier wird beim ZVO in Neustadt in einer automatischen Sortierung mittels eines Luftstroms in Pappe und Mischpapier unterteilt. Anschließend wird es in Ballen gepresst und geht vollständig in die Papierrecyclingindustrie. Die komplette Menge wird zur Herstellung von neuen Papierprodukten verwendet.

Recyclinghöfe

122 500 Besucher kamen im Jahr 2018 auf einen der drei Recyclinghöfe des ZVO, das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg von 32 Prozent. Wenn jeder Bewohner in Ostholstein nur einmal im Jahr zum Recycling fährt, hätten in dem Jahr 61 Prozent der gesamten Bevölkerung den Recyclinghof besucht, also circa jeder zweite.

Auf den Recyclinghöfen wie hier in Bad Schwartau stehen Container für jede Art von Abfall bereit. Quelle: Irene Burow

Auf Platz 1 im Ranking der Recyclinghöfe liegt der Recyclinghof Süd in Bad Schwartau mit einer Besucherzahl von etwa 60 300. Den zweiten Platz belegt der Recyclinghof Mitte in Neustadt mit ungefähr 40 500 Besuchern. Der Recyclinghof Nord in Neuratjensdorf hatte rund 21 600 Besucher.

Der Recyclinghof in Bad Schwartau, Loog 13, hat montags bis donnerstags von 7.30 bis 16 Uhr, freitags von 7.30 bis 18 Uhr und sonnabends von 8 bis 13 Uhr geöffnet. Der Hof in Neustadt, Einfahrt Industrieweg, hat diese Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 7.30 bis 16 Uhr, Freitag von 7.30 bis 18 Uhr, zwischen 1. November und 28. Februar immer am letzten Sonnabend des Monats von 8 bis 13 Uhr und vom 1. März bis zum 31. Oktober jeden Sonnabend von 8 bis 13 Uhr. In Neuratjensdorf, Meeschendorfer Weg, können Abfälle ebenfalls Montag bis Donnerstag von 7.30 bis 16 Uhr, Freitag von 7.30 bis 18 Uhr, zwischen 1. November und 28. Februar immer am letzten Sonnabend des Monats von 8 bis 13 Uhr und vom 1. März bis zum 31. Oktober jeden Sonnabend von 8 bis 13 Uhr abgegeben werden. Alle drei Recyclinghöfe haben eine identische Telefonnummer: 045 61/39 96 00.

Weitere kostenlose Angebote

Wer eine Restmülltonne hat, kann weitere Angebote des ZVO kostenlos in Anspruch nehmen: Schadstoffmobil, Sperrmüllabfuhr, Weihnachtsbaumabfuhr, Abholung von Elektrogroßgeräten, Anlieferung von Elektrogeräten auf den Recyclinghöfen, Abfallberatung, Information für Schulen und Verbände. Vor allem das Schadstoffmobil hat sich eines sehr großen Andrangs erfreut, so groß, dass der ZVO auf den Recyclinghöfen Schadstoffsammelstellen eingerichtet hat. Dort können Privatleute bis zu 20 Kilogramm Lacke, Lösungen, Energiesparlampen, Batterien (auch Autobatterien) oder Neonröhren abgeben. Zudem bietet der ZVO Handy-Recycling, CD-Recycling und Korken-Recycling an.

Andreas Kunz nimmt an der Schadstoffsammelstelle auf dem Recyclinghof in Neustadt Schadstoffe von Privatleuten entgegen. Quelle: Susanne Peyronnet

Von Susanne Peyronnet