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Ostholstein Anwohner wehren sich gegen neuen Wohnpark
Lokales Ostholstein Anwohner wehren sich gegen neuen Wohnpark
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15:00 21.03.2019
Doris Mursin und Joachim Baumgarn, Anwohner der Teichstraße in Großenbrode, deuten mit einem Zollstock die in ihren Augen überdimensionierten Ausmaße des geplanten Wohnparks an. Sie wehren sich gegen die Pläne. Quelle: Billhardt
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Großenbrode

Der geplante „Wohnpark zur Feuerbuche“ hat die Bewohner der Teichstraße in Großenbrode aufgeschreckt. Sie halten das Gebäude im Dorfkern für architektonisch unpassend, haben Unterschriften dagegen gesammelt und Widerspruch beim Kreis gegen die Baugenehmigung eingelegt. Die Gemeinde bewertet das Projekt positiv, da dringend Wohnraum gebraucht werde.

Besonders die Massivität und die Höhe des Wohnkomplexes mit 16 Einheiten auf drei Stockwerken sind es, die zu dem Protest führen. „Es soll eine 16,5 Meter breite Hausfront entstehen. Die Traufhöhe ist mit neun Metern angegeben. Das passt einfach nicht in das Herz von Großenbrode“, sagt Doris Mursin, die direkt auf der anderen Straßenseite wohnt. Ihre Nachbarin Frauke Fahrenkrog ergänzt: „Das Haus wäre vom Volumen her doppelt so groß wie die nur 44 Meter entfernte Kirche. Das ist schon immens und nach unserer Meinung auch nicht tragbar.“

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Ein Fünf-Millionen-Euro- Projekt

Ein Problem sei, wie Anwohner Joachim Baumgarn erklärt, dass es für den Bereich keinen B-Plan gebe. Daher gelte unter anderem nur die Klausel, dass sich das Gebäude in das Gebiet einfügen müsse. Und die Gemeinde sehe dies wohl auch so. Er habe zeitig Akteneinsicht beim Kreis genommen und dann auch Widerspruch eingelegt, sagt Baumgarn. Seinem Schritt seien dann weitere aus der Teichstraße gefolgt.

„Ich habe mit Freude bei den Treffen für das Dorfentwicklungskonzept mitgemacht“, betont Mursin. Sie finde es toll, dass auf dem Dorfplatz die Alte Schmiede wieder aufgebaut und die Attraktivität des Dorfes gesteigert werden soll. Daher habe sie es sich nicht vorstellen können, dass solch eine Bebauung möglich sei. Fahrenkrog erzählt, dass die Gemeinde beispielsweise frühzeitig eine Veränderungssperre hätte erlassen können. Doch Bedenken gegen das Fünf-Millionen-Euro-Projekt seien dort eher nicht erkennbar.

Unterschriften im Ausschuss übergeben

Um das Objekt noch abzuwenden, wurden von den Anwohnern 212 Unterschriften in Großenbrode gesammelt und bei der jüngsten Sitzung des Bauausschusses dem Vorsitzenden Peer Knöfler und Bürgermeister Jens Reise (beide CDU) überreicht. „Ich werde natürlich den Kreis als zuständige Genehmigungsbehörde von der Sammlung in Kenntnis setzen“, sagt Reise. Ansonsten werde sich die Gemeinde raushalten. Aufgrund des latenten Wohnungsmangels im Ort stehe man klar hinter dem bereits genehmigten Bau. „Ich habe kein Problem damit“, sagt der Bürgermeister.

Im nicht-öffentlichen Teil des Ausschusses haben die Bauherren des „Wohnparks zur Feuerbuche“ ihre Pläne der Kommunalpolitik vorgestellt. Er habe bei den Mitgliedern das Bewusstsein erkannt, dass für Großenbrode neuer Wohnraum wichtig sei, sagt Reise. Und das Projekt ziele nicht auf Ferienvermietung ab. Es sei auch die einhellige Meinung aller, weitere Ferienwohnungsnutzung oder Zweitwohnsitze im Dorfkern zu untersagen, schildert der Bürgermeister und betont: „Das wollen wir unbedingt verhindern.“

Sorge um eine alte Rotbuche

Mittlerweile hat die Gemeinde auch ihre Stadtplanerin beauftragt, für den Bereich mitten im Ort B-Pläne zu erarbeiten, um künftig bessere Aussagen und Entscheidungen treffen zu können. Doris Mursin kritisiert nicht nur das massive Gebäude, sie bangt außerdem um eine rund 100 Jahre alte Rotbuche vor dem Haus. Die Bauherren möchten sich derzeit noch nicht weiter äußern.

Markus Billhardt

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