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Ostholstein Vier Frauen wollen mit dem Ruderboot über den Atlantik
Lokales Ostholstein Vier Frauen wollen mit dem Ruderboot über den Atlantik
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07:00 02.10.2019
Mit einem hochseetauglichen Ruderboot möchte ein deutsches Frauenteam den Atlantik überqueren. Quelle: HFR
Großenbrode

Einmal im Jahr kurz vor Weihnachten zieht es wagemutige Menschen nach La Gomera. Die Herausforderung: die Überquerung des Atlantiks in einem hochseetauglichen Ruderboot. Zum ersten Mal wird auch ein deutsches Team an den Start dieser Talisker Whisky Atlantic Challenge gehen. Das Besondere: Es sind keine „harten Kerle“ oder Extremsportler, sondern vier ganz normale Frauen aus Hamburg, die vorher ihr Trainingslager in Großenbrode aufgeschlagen haben.

5500 Kilometer bis in die Karibik

Meike Ramuschkat (33), Catharina Streit (33), Stefanie Kluge (51) und Timna Bicker (26) sind keine Spitzensportler. Sie sind Ärztin, Qualitätsmanagerin, Medizintechnikerin und Pharmazeutisch-technische Assistentin. Zwei von ihnen haben sogar erst 2018 angefangen zu rudern. Trotzdem haben sie sich zusammengefunden, um gemeinsam im Ruderboot einen 5500 Kilometer langen Weg bis zur Karibikinsel Antigua zurückzulegen. Extreme Bedingungen warten auf sie: bis zu zehn Meter hohe Wellen, sengende Hitze mit bis zu 40 Grad und unbarmherzige Winde.

Angefangen hatte alles im Frühjahr 2017. Da sah Catharina Streit eine Dokumentation über vier britische Frauen, die bei der Challenge, die als härtestes Ruderrennen der Welt gilt, angetreten waren. Sie rief gleich ihre beste Freundin an, ob das nicht eine „coole Sache“ für sie wäre. „Ich sagte ihr: Du bist wahnsinnig. Wir können doch beide gar nicht rudern“, sagt Meike Ramuschkat rückblickend. Die Idee wurde nächst verworfen, doch als Meike selbst im Dezember 2017 zufällig auf La Gomera die Boote entdeckte und den Start verfolgte, war für sie klar: „Das machen wir.“

Vier Frauen trainieren in Großenbrode für die Atlantiküberquerung mit dem Ruderboot (v. l.): Stefanie Kluge, Meike Ramuschkat, der Vorjahresteilnehmer Cameron Parker, Timna Bicker und Catharina Streit. Quelle: HFR

Kurze Zeit später haben sie ihr Team „Rowhhome“ angemeldet – die Teilnahmegebühr beträgt stattliche 23 000 Euro – und einen Anfänger-Ruderkurs begonnen. Dabei lernten sie ihre Trainerin Stefanie Kluge kennen und konnten sie für ihr waghalsiges Unterfangen gewinnen. Auch deren Tochter Timna war begeistert und vervollständigte das Viererteam. Es wurde für 70 000 Euro in England ein Hochseeruderboot gekauft, sodass die Unternehmung insgesamt ein Budget von rund 120 000 Euro verschlingt. Als Hauptsponsor konnten die Hamburgerinnen den Gründer einer bekannten Salatdressing-Marke gewinnen. „Wir haben ihn bei einem Sportbootführerscheinkurs getroffen und er hat sich gleich in das Projekt verliebt“, erzählt Meike Ramuschkat.

Trainingslager in der Marina

Seit anderthalb Jahren bereiten sich die Hamburgerinnen mit Kraft- und Rudertraining, aber auch mit Unterstützung einer Mentaltrainerin und einer Ernährungsberaterin auf das Rennen vor und berichten: „Wir versuchen es in Einklang mit Familie und Beruf so professionell wie möglich.“ Ihr Trainingslager schlugen sie in den vergangenen Wochen in Großenbrode auf. Durch Zufall kamen sie nach Ostholstein. Sie hatten sich gegen die Nordsee entschieden und einfach mal in der Marina Großenbrode angefragt. „Wir wurden herzlich aufgenommen und haben tolle Leute kennengelernt“, sagen die Ruderinnen.

Zwei Mal seien sie von dort aus zu 30 Stunden langen Törns aufgebrochen, um so gut es geht zu simulieren, was bald auf sie zukomme. Aber genau vorhersehen, was sie dann auf der Strecke erwarte, könne man nicht, sagt Meike Ramuschkat. Es bleibe vor allem der Respekt vor den Naturgewalten. Mit dem Südafrikaner Cameron Parker schaute auch ein Teilnehmer der Atlantic Challenge des vergangenen Jahres in Großenbrode vorbei und gab den Frauen wertvolle Tipps, bevor jetzt die nächsten Etappen anstehen.

Los geht es am 12. Dezember

In Kürze wird das Ruderboot nach England gebracht und weiter nach La Gomera verschifft. Am 30. November machen sich Meike Ramuschkat, Catharina Streit, Stefanie Kluge und Timna Bicker selbst auf zu der kanarischen Insel, ehe am 12. Dezember der Start erfolgt. Soloruderer, Zweier-, Dreier-, Vierer- und sogar Fünferteams aus aller Welt werden dabei sein. Mit 40 Booten geht es dann über den Atlantik. Zwei Segeljachten begleiten als Kommunikationseinheit das Feld. Ein Mal am Tag gebe es Kontakt über Satellitentelefon mit der Rennleitung, berichten die Extrem-Ruderinnen, ansonsten sei das Rennen „unsupported“, was bedeute, dass sonst keinerlei Unterstützung zur Verfügung stehe.

Das Rowhhome-Team rechnet damit, zwischen 35 und 45 Tagen unterwegs zu sein. Die vier Frauen wollen zeigen, was sie können. Ende Januar möchten sie auf Antigua ankommen. Sie machen es auch für den guten Zweck und unterstützen die zwei Kinderprojekte, „Zeit für Zukunft – Mentoren für Kinder e.V.“ und „Kinderlachen e.V.“. Von Anfang an wird das Team auch von den Filmemachern Silvia und Guido Weihermüller und ihrem Filmprojekt „Wellenbrecherinnen“ begleitet. Im Herbst 2020 soll sogar ein Kinofilm die ganze Geschichte erzählen. Eine Webserie ist bereits jetzt im Internet zu sehen.

Von Markus Billhardt

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