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Ostholstein Großer oder kleiner Bahnhof? Fehmarn will weiter ICE-Halt
Lokales Ostholstein Großer oder kleiner Bahnhof? Fehmarn will weiter ICE-Halt
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11:56 17.08.2018
Seit 1963 ist Puttgarden ans internationale Bahnnetz angeschlossen. Mit Eröffnung des Belttunnels wird dieser Bahnhof geschlossen. Quelle: Foto: Schwennsen
Fehmarn

So lautet ein Kernpunkt des mehrfach überarbeiteten Forderungskataloges zur festen Beltquerung, der in Kiel, Berlin und bei Femern A/S in Kopenhagen vorliegt. Zuletzt hat ihn Christoph Jessen, Sprecher des Dialogforums, nochmals in der Bundeshauptstadt bekräftigt. Doch die Angst wächst, dass mit der Elektrifizierung der Bahnstrecke quer durch Ostholstein die Züge auf der Fernverkehr-Trasse künftig nördlich von Lübeck vielleicht nur noch in Oldenburg halten. Vor allem auf Fehmarn, das seit 1963 durch Puttgarden ans internationale Bahnnetz angeschlossen ist, schrillen die Alarmglocken.

Der weitere Zeitplan

30. August: Mitglieder des Hauptausschusses Fehmarn und die Fraktionssprecher treffen sich mit der DB AG.

4. September: Der Hauptausschuss Fehmarn wird über die Ergebnisse dieses Treffens informiert.

27. September: Die Stadtvertretung Fehmarn berät über die Forderung nach einem Fernhaltebahnhof.

11. Oktober: Das Thema Fernhaltebahnhof Fehmarn ist Thema im Dialogforum, das in Oldenburg tagt.

„Unserer Insel droht das Abstellgleis“, warnt die Bürgerinitiative (BI) Fehmarn-Beltverkehr. Ihr Sprecher Hartmut Specht fordert ein Bürgervotum „gegen die Abkoppelung Fehmarns vom Metropol-Fernverkehr HamburgKopenhagen“. Seine Befürchtung: Nach der Eröffnung des Tunnels hätten rund 3,5 Millionen Tagestouristen und etwa 300 000 Urlauber im Jahr keinen ICE-Anschluss auf Fehmarn mehr. Daher pocht die BI darauf, den bei Burg geplanten Betriebsbahnhof in einen Halt für den internationalen Zugverkehr von und nach Dänemark zu verwandeln. Der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt.

Denn der Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein (Nah.SH), die AKN als Betreiber und die DB Netz haben erst im Juli ihr künftiges Nahverkehrskonzept vorgestellt. Es sieht eine Aufwertung des Regionalbahnhofes Burg zu einem grenzüberschreitenden Nahverkehrs- Knotenpunkt vor. Geplant ist ein zweites Gleis, damit Züge von Deutschland nach Dänemark sich begegnen können. Der vorhandene Bahnsteig soll zum Mittelbahnsteig umgebaut und verlängert werden. Künftig könnten so zwei Züge gleichzeitig abgefertigt werden.

Der Umbau ist während des zweigleisigen Ausbaus und der Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen Lübeck und Puttgarden ab 2022 geplant – wenn für voraussichtlich fünf Jahre zwischen Puttgarden und Neustadt überhaupt keine Züge mehr fahren können. Danach soll sich die Reisezeit zwischen Lübeck und Burg von bislang einer Stunde und 28 Minuten auf nur noch 49 Minuten enorm verkürzen.

Nutznießer sind die Bahnreisenden der Regionalzüge und im saisonalen IC-Verkehr.

Von den ICE-Zügen ist keine Rede. Genau darin sehen Politik und Verwaltung auf Fehmarn aber das große Dilemma. Bürgermeister Jörg Weber (SPD) lehnt zwar eine „Verweigerungshaltung“ der Stadt ab. Aber er sieht wie viele Inselpolitiker gleichzeitig die Gefahr, dass mit dem geplanten Nahverkehrs-Knotenpunkt Burg Fakten geschaffen werden: nämlich gegen einen ICE-Halt auf der Insel.

„Wollen wir uns das gefallen lassen?“, fragt BI-Mitglied Peter F. Butenschön. Denn die Ausgangslage sieht ungünstig aus. Weder bei Bund, Land oder der Bahn gibt es konkrete Pläne für einen ICE-Halt auf Fehmarn an der Haupttrasse. Aber auch in Lolland auf dänischer Seite wird es ihn nicht geben.

„Die Bahn hat uns mit dem neuen Burger Konzept schon eine gute Alternative vorgestellt“, räumt Werner Ehlers (CDU) ein. Aufgeben will derzeit aber niemand die Forderung nach einem neuen Fernhaltpunkt, wenn der Bahnhof Puttgarden geschlossen wird. Es gibt jedoch zunehmend kritische Stimmen: Sie bemängeln, dass die fertigen Pläne vom Nah.SH am Forderungskatalog vorbei erstellt wurden – ohne Rücksprache mit der Stadt. Simon Preis (Nah.SH) verweist dagegen auf die „kleine Erfolgsgeschichte“ des 2010 – gegen den Widerstand der BI – wiedereröffneten Bahnhofes Burg. Seither hätten sich die Fahrgastzahlen mehr als verdreifacht: auf durchschnittlich 400 Ein- und Aussteiger täglich.

Ende September muss die Stadtvertretung entscheiden, ob sie den Ausbau des Haltepunktes Burg akzeptiert und trotzdem die Forderung nach einem Fernbahnhof weiter erhebt. Die Sorge wächst, dass Fehmarn am Ende mit leeren Händen dasteht, sollte sie das Nahverkehrskonzept ablehnen und die DB keinen Fernhalt einrichten.

Gerd-J. Schwennsen

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