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Ostholstein Großes Stadtfest mit Flohmarkt: Zehntausende feilschen und feiern
Lokales Ostholstein Großes Stadtfest mit Flohmarkt: Zehntausende feilschen und feiern
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19:47 17.08.2019
Großflohmarkt in Eutin: Das Herz von Klaus Otto (links) und Lothar schlägt für Vinyl. Quelle: Susanne Peyronnet
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Eutin

Ein Teekessel aus Kupfer. Ein selbstgenähtes Abendkleid. Glitzerflaschen mit Licht im Inneren. Goldene Äpfel. Ein Stromanzeiger (wofür auch immer der gut sein soll). Auf dem Großflohmarkt, der seit dem Vormittag beim Eutiner Stadtfest läuft, gibt es alles, was das Herz begehrt.

Mehr als 200 Flohmarktstände sind in der Innenstadt aufgebaut. Wie es sich für Flohmärkte gehört, macht Geschirr jeder Art einen Großteil des Angebots aus. Ob Sammlertässchen oder einzelne Suppenteller bekannter Marken und Dekore, ob Butterdosen oder Salzstreuer, wer seine Küchenschränke auffüllen oder fehlende Teile ersetzen möchte, ist in Eutin am Sonnabend genau richtig. Das passende Besteck liegt meistens nur ein paar Zentimeter weiter.

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Für den Regen gerüstet

Porzellan, aber auch sonst allerlei für Haus und Garten, bietet Angelika Lorenz aus Bad Bramstedt (Kreis Segeberg) feil. So richtig gut lief es am Vormittag zunächst nicht. „Das war wegen des Regens, aber fürs Wetter kann ja keiner was“, sagt sie und packt weitere Ware aus. Wie alle Händler ist sie mit großen Schirmen und Plastikplanen recht gut gegen den Regen gewappnet. Ganz vorne auf dem Tisch von Lorenz liegt ein runder Stromanzeiger. „Der ist von meinem Mann und lag noch im Keller. Warum er den gekauft hat, weiß ich nicht“, erzählt sie.

An mehr als 200 Ständen bieten Händler an, was Keller und Boden hergeben. Überall in der Stadt wird gefeiert.

Ein paar Meter weiter nehmen Mustafa Hatami und sein Cousin Yasin Hatami einen kupfernen Kessel ganz genau unter die Lupe. Sie liebäugeln mit dem Kesselchen, weil sie auf dem Grillfeuer Tee kochen möchten. „Das ist gut für die Gesundheit“, sagt Yasin Hatami. Das Kupfer werde ins Wasser abgegeben und gelange so in den Körper. Ein Kesselchen wie dieses gebe es im Geschäft nicht zu kaufen.

Goldglänzende Äpfel als Blickfang

Eher nutzlos, aber schön glitzernd sind die goldenen Deko-Äpfel, die Justine Schmidt aus Preetz an ihrem Stand verkauft. Sie hat die edlen Stücke einst selbst gekauft, findet aber, dass sie jetzt genug andere schöne Dinge hat und die Äpfel an einen anderen Besitzer gehen sollten. Ein Käufer hat sich noch nicht dafür gefunden, aber immerhin sind die Äpfel ein Blickfang am Stand von Schmidt.

Goldene Äpfel möchte Justine Schmidt aus Preetz verkaufen. Quelle: Susanne Peyronnet

Ein Blickfang sollen auch die Glitzerflaschen von Susanne Gastorf sein. Die Wirtin von Fietes Sportsbar in der Eutiner Stolbergstraße dekoriert das Leergut aus der Bar um. „Man schmeißt die sonst nur weg. Wir haben überlegt, dass es doch eine andere Möglichkeit geben muss.“ Als ihr ein Schwung Lichtkorken in die Hände fiel, kam Gastorf die Idee, die Flaschen zu verzieren. An den Korken hängen kleine Lichterketten, die in die Flaschen gesteckt werden und die mit einem kleinen Schalter am Korken an und aus geschaltet werden können. Glitzer dazu, fertig. Die Flaschen fänden ihre Liebhaber, versichert Gastorf.

Bullenreiten und Wettmelken

Wer des Flohmarkt-Bummelns müde ist, kann die anderen Angebote des Stadtfestes nutzen. Kindern dürfte es nie langweilig werden, nicht auf der Kinderspielmeile am Schloss und auch sonst nicht. Wer das Bullenreiten überstanden hat, kann sich beim Wettmelken an der Plastikkuh mit den Gummizitzen versuchen. Ihre „Milch“ in Form von klarem Wasser geht niemals aus. Immer wenn der Eimer voll ist, schüttet Betreuerin Jode die „Milch“ oben in einem Loch im Rücken wieder in die Kuh hinein.

Jode aus Malente bietet Wettmelken an und zeigt, wie's geht. Quelle: Susanne Peyronnet

Jode berichtet davon, dass die Kuh und ihre Zitzen viel genutzt würden, von Erwachsenen wie von Kindern. Einige versuchten sich sogar mehrmals am Wettmelken. Lob für das Fest und für das Kinderangebot kommt von Jeanette Faber aus Eutin: „Es ist super, sehr vielfältig, es wird so viel angeboten, man kann etwas sehen und etwas hören.“ Fabers Tochter Marit (9) hat unterdessen viel Spaß an den Riesenseifenblasen, die sie an der Stadtbucht in die Luft fliegen lässt.

Lob für die Organisation

Ein Stück weiter ist das große Trampolin aufgebaut, auf dem es hoch hinaus in die Luft geht. Für alle, die sich am Stand-Up-Paddling versuchen wollen, bietet die DLRG dazu auf dem Großen Eutiner See die Möglichkeit. Stockbrot gibt’s bei den Pfadfindern. Der Leiter des Stamms Möwe, Sascha Guse, berichtet allerdings von einem eher ruhigen Stadtfest-Verlauf, ganz im Gegensatz zum vergangenen Jahr. „Da haben wir an unserem Stand 30 neue Mitglieder gewonnen.“ Vielleicht liege das verhaltenere Echo in diesem Jahr am Wetter, vielleicht daran, dass das Fest nicht mehr in die Ferien falle. Sonst hat Guse aber nichts zu meckern, ganz im Gegenteil, vor allem, was die Organisation angeht: „Wir fühlen uns besser betreut als je zuvor.“

Von eher verhaltenem Echo berichtet auch Wolfgang Jansen aus Bad Oldesloe, der in einer Reihe mit anderen Kunsthandwerkern in der Stadtbucht einen Stand für seine gedrechselten Schreibgeräte aus Edelhölzern aufgebaut hat. Jansen hat nicht nur seine edlen Füller und Kugelschreiber ausgelegt, sondern auch seine Drechselbank aufgebaut, an der er unter den Augen der Besucher Stifte aus Mooreiche, Palisander, Rosen- und Olivenholz herstellt.

Probefahrten mit dem E-Roller

Ganz am Ende der Stadtbucht geht es flott zu: Dort bietet Andreas Otto aus Eutin Probefahrten mit dem E-Roller und mit dessen sportlicher Variante, dem Scuddy, an. Motorradfahrer Peer hat den flotten Scuddy gerade ausprobiert. „Eine coole Erfahrung.“ Natürlich sei das etwas ganz anderes als Motorradfahren. Das Gerät zu beherrschen, erfordere eine gewisse Übung. Otto spürt sehr großes Interesse an den E-Rollern. Natürlich hört er auch kritische Töne. Aber: „Allen ist klar, dass es an den Fahrern und nicht an den Rollern liegt.“

Alles blieb friedlich

Zehntausende Besucher genossen den ganzen Tag über das Treiben in der Stadt und an der Stadtbucht und ließen sich auch von gelegentlichen Schauern nicht die Laune verderben. Nach Angaben der Polizeileitstelle verlief das Fest bis zum Abend ohne Zwischenfälle. Es habe lediglich „eine angespannte Parkplatzsituation“ gegeben.

Am Sonntag wird weiter gefeiert, mit viel Musik, mit einem großen Kinderflohmarkt am Jungfernstieg und mit Hunde- und Pferdevorführungen auf dem Show-Paddock vor dem Rathaus. Geöffnet haben auch wieder die Kunsthandwerker- und Vereinsstände an der Stadtbucht, die Kinderspielmeile und die kulinarische Meile, ebenfalls am See. Die Stadtfest geht am Sonntag von 10 bis 20 Uhr. Alles, was man sonst noch wissen muss, steht hier.

Von Susanne Peyronnet