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Ostholstein Großkontrolle: Verstöße bei jedem dritten Fahrzeug
Lokales Ostholstein Großkontrolle: Verstöße bei jedem dritten Fahrzeug
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20:10 09.05.2018
Bis zwei Uhr nachts dauert die Schwerpunktkontrolle der Wasserschutzpolizei am Fährbahnhof Puttgarden. Quelle: Fotos: Schwennsen
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Puttgarden a. F

Dienstagabend, laue 13 Grad am Tor zum Norden. Noch bauen die rund drei Dutzend Beamten von Wapo, den Autobahnpolizei-Revieren Scharbeutz und Ratzeburg, dem technischen Zug aus Eutin sowie der Bundespolizei ihre Kontrolle vor dem Scandlines-Ticketschalter auf. „Wir warten darauf, dass sich die Staus rund um Hamburg auflösen“, sagt Karl Heinz Zelck.

Keine Chance für überladene Kleintransporter oder übermüdete Lkw-Fahrer: Bei einer sechsstündigen Großkontrolle im Fährhafen Puttgarden ahndet die Wasserschutzpolizei bei fast einem Drittel der Fahrzeuge Verstöße. Es gibt 17 Anzeigen, zwei Lkw dürfen gar nicht weiterfahren.

Bilanz

68 Kleintransporter werden kontrolliert: Es gibt 15 Anzeigen und sieben Verwarnungen wegen Überladung bzw. Verstoßes gegen das Fahrpersonalgesetz.

Bei 33 Lkw gibt es zwei Anzeigen, vier Verwarnungen und zwei Weitertransport-Verbote.

Mehr Bilder vom Abend sehen Sie auf www.LN-online.de/Ostholstein

Der Einsatzleiter vom Wasserschutzpolizei-Revier Lübeck irrt nicht. Der große Ansturm der Kleintransporter setzt am späteren Abend ein. Sie wollen ebenso nach Dänemark wie die Brummi-Fahrer mit ihren schwer beladenen Lkw. Wer versucht, noch kurzfristig auszuweichen, wird auch auf den Raststätten ab Lübeck kontrolliert. Das trifft vor allem die, die eigentlich eine Anmeldung für die Fähr-Überfahrt nach Rødby haben.

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Klicken Sie hier, um mehr Bilder von der Großkontrolle zu sehen. 

Schiffssicherheit und Terrorabwehr

Zwei Hauptziele verfolgt diese Schwerpunktkontrolle: Schiffssicherheit und Terrorabwehr. Kontrolliert werden soll, ob auf der Transitroute Vogelfluglinie unangemeldetes Gefahrgut und ätzende Stoffe, aber auch überladene Fahrzeuge oder versteckte Personen an Bord der Fährschiffe gehen.

Das Hauptaugenmerk liegt auf den Kleintransportern. Sie werden alle kontrolliert, die Lkw nur stichprobenartig, wenn noch Zeit bleibt. Denn vor allem rasende Kleintransporter sorgen immer wieder für schwere Unfälle. Zulassung, Lenk- und Ruhezeiten, technische Ausstattung, Gewicht oder Alkoholeinfluss – alles wird unter die Lupe genommen. Zelck: „Es gibt traurige Rekorde. Völlig überladene Fahrzeuge, die bis zu 2200 Stunden quer durch Europa ohne Pause unterwegs sind. Am Lenkrad sitzen oft keine Berufskraftfahrer.“

Überladene Kleintransporter

mit zu viel Bier

Statt aufwendiger Röntgen-Technik oder Spürhunden sind vor allem langjährige Hafensicherheits- Beamte in Puttgarden im Einsatz. Zelck: „Sie haben ein großes Erfahrungswissen.“ Jedes Fahrzeug muss durch die Gewichtskontrolle. Rad- und Achslast werden genau gemessen. Ein rumänischer Klein-Lkw darf weiterfahren, er hat nur leichtes Übergewicht. „Doch bei 20 Prozent geht es um die Verkehrssicherheit“, betont Kristian Käding vom Autobahnpolizei-Revier Ratzeburg.

Die meisten überladenen Kleintransporter haben zu viel Bier an Bord. Bei den Lkw-Sündern sind vor allem die Lenkzeiten überschritten. Die zwei Brummi-Fahrer, die nicht weiterfahren dürfen, haben ihre Ladung falsch gesichert. Zwei Ehrenamtler aus Würzburg müssen auf ihrem Anhänger die Holzladung, die für ein Resozialisierungsprojekt in Finnland bestimmt ist, nachsichern – dann geht’s doch weiter.

Gestern Mittag zieht Zelck Bilanz. Positiv fällt auf: kein alkoholisierter Fahrer, keine Gefahrgut-Verstöße, kein spektakulärer Ausreißer. Doch mit 28 Verstößen ist fast ein Drittel der Fahrzeuge betroffen. Zelck: „Das ist schon erstaunlich viel.“

 Gerd-J. Schwennsen