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Ostholstein Großkontrolle: A 1 bei Damlos war Donnerstagabend voll gesperrt
Lokales Ostholstein Großkontrolle: A 1 bei Damlos war Donnerstagabend voll gesperrt
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19:13 22.01.2020
Großkontrolle von Landespolizei, Bundespolizei und Zoll auf dem Autobahnparkplatz Damlos.
Großkontrolle von Landespolizei, Bundespolizei und Zoll auf dem Autobahnparkplatz Damlos. Quelle: Susanne Peyronnet
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Damlos

Richtung Norden ist die Fahrt auf der A 1 für manchen Fahrer abrupt zu Ende: Beamte der Fahndungsgruppe Schengen-Süd haben am Donnerstagabend die Autobahn vor dem Parkplatz Damlos gesperrt und alle Fahrzeuge über den Rastplatz geleitet. Viele durften ihn einfach passieren, aber 500 Personen wurden an die Seite gewunken und Fahrer und Ladung ausgiebig kontrolliert. Die Sperrung dauerte bis 22.30 Uhr an.

Kalaschnikows aus Porzellan

Bei den Überprüfungen wurde allerlei Merkwürdiges zutage gefördert. Mit einer mobilen Röntgen-Anlage des Zolls durchleuchteten die Beamten das Gepäck der Autofahrer – und fanden dabei Kalaschnikows und Pistolen. Das trieb dem Zollamtsinspektor vom Sondertrupp Röntgen Hamburg aber keinesfalls Schweißtropfen auf die Stirn. Der erfahrene Beamte sah sofort, dass es sich bei den Waffen um solche aus Porzellan handelt. Offenbar eine Deko der skurrilen Art.

Ein Mitarbeiter des Zolls durchleuchtet mit der mobilen Röntgenanlage Koffer, in denen deutlich die Silhouetten von Kalaschnikows zu sehen sind. Quelle: Susanne Peyronnet

Zwei Autofahrer mussten einen Abschlepper rufen, weil ihnen die Weiterfahrt untersagt wurde: In einem Fall war ein Autofahrer aus Dänemark angereist, um ein gekauftes Auto in Empfang zu nehmen. Die Händlerkennzeichen aus Dänemark, die er mitgenommen hatte, sind für deutsche Straßen nicht zulässig – daher musste der Mann einen Trailer bestellen, der den Wagen bis zur Fähre nach Puttgarden brachte.

Geballtes Expertenwissen der Kontrolleure

So einen Verstoß festzustellen, erfordert Expertenwissen. Bundespolizei-Oberkommissar Henning Klock vom Bundespolizeirevier Puttgarden spricht nicht nur fließend Dänisch, sondern hat auch dieses Expertenwissen. Außerdem waren zwei dänische Polizisten, Kooperationspartner der Fahndungsgruppe Schengen-Süd, bei der Kontrolle dabei. So ging der Mann, der den „Kennzeichenmissbrauch“, wie es offiziell heißt, begangen hat, ins Netz der Kontrolleure.

Beamte von Landespolizei, Bundespolizei und Zoll kontrollierten 500 Fahrzeuge und fanden allerhand Mängel und sogar Drogen.

Expertenwissen führte auch dazu, dass ein Autofahrer aus Ostholstein seinen Golf auf einen Trailer hieven lassen musste. Ein  Tuningexperte, Oberkommissar aus Eutin, und Denny Kasnitz, Obermeister vom Bezirks- und Autobahnrevier Scharbeutz, sahen sofort, dass der Golf eine genauere Betrachtung wert war. Das Ergebnis: eine nicht zugelassene Abgasanlage und ein nicht zugelassener Turbolader, allesamt aus nicht vertrauenswürdigen Quellen in Übersee. Außerdem ein tiefergelegtes Fahrwerk und eine lose im Motorraum herumwackelnde Batterie führten dazu, dass die Weiterfahrt mit dem Golf sofort untersagt wurde. Kasnitz: „In der Tuningsszene wird damit sogar angegeben.“

60-Jähriger vollkommen zugedröhnt

Drogenverstöße wurden ebenfalls festgestellt. Ein 60-Jähriger aus Bad Oldesloe war offensichtlich stark zugedröhnt hinters Steuer gestiegen. Auch zwei andere Autofahrer standen unter dem Einfluss von Drogen. Freiwillig rückte ein Mann angesichts der Kontrolleure sein Haschisch heraus. 34 Gramm hatte er dabei. Ebenfalls beschlagnahmt wurde eine in der Mittelkonsole eines BMW mitgeführte und griffbereite Druckluftpistole, für die der Besitzer keinen sogenannten kleinen Waffenschein vorweisen konnte. Schließlich wurde noch ein Haftbefehl wegen des Fahrens ohne Fahrerlaubnis in Höhe von 475 Euro vollstreckt.

Das sind die eingesetzten Gruppen

Hinter der Fahndungsgruppe Schengen-Süd verbirgt sich eine in diesem Fall bis zu 50 Mitglieder starke Gruppe aus Bundespolizisten, Landespolizisten und Zollbeamten. Jede dieser drei Organisationen arbeitet ihren Bereich ab. Die Bundespolizisten schauen auf Ausländerrecht, suchen Schlepper und illegal eingereiste Menschen. Die Landespolizei schreitet ein, wenn Autos offenkundige Mängel haben, die Beamten kontrollieren Führerscheine und ziehen Alkoholsünder aus dem Verkehr. Der Zoll hat den Schmuggel im Blick.

Den Kontrollen entgeht niemand: Wer versucht durchzubrechen, den stoppt ein hochmodernes Nagelbrett, das per Fernbedienung ausgelöst wird.

Susanne Peyronnet