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Ostholstein Eutin: Grundschule will Standort nicht teilen
Lokales Ostholstein Eutin: Grundschule will Standort nicht teilen
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20:58 22.05.2019
Die Gustav-Peters-Grundschule, Standort am Kleinen See, hat derzeit 279 Schüler. Die Außenstelle möchte dort gern für sich sein. Quelle: Ulrike Benthien
Eutin

Über nichts wird derzeit in der Stadt so viel diskutiert wie über den bevorstehenden Bürgerentscheid zur Schulentwicklung. Die Gustav-Peters-Schule hatte zu einem Infoabend eingeladen, um ihre Gründe darzulegen, warum die Außenstelle der Grundschule am Kleinen See dort in einem Neubau allein sein möchte. Nur das Förderzentrum soll angegliedert sein. „Paradies am See?“ war der Abend überschrieben. Ob die Eutiner für einen Neubau der Außenstelle (momentan 279 Schüler) am Kleinen See und eine Erweiterung plus Sanierung der Wilhelm-Wisser-Gemeinschaftsschule in der Elisabethstraße (derzeit 489 Schüler) sind oder für einen Campus mit beiden Schulen am gemeinsamen Standort Kleiner See, wird sich am 26. Mai zeigen.

„Wir krebsen seit 2010 an der Wisser-Schule ’rum“

Bauamtsleiter Henning Schröter äußerte seine Meinung am Ende des Abends sehr deutlich: „Wir krebsen seit 2010 an der Wisser-Schule ’rum. Eine Schande ist das. Ich wäre heilfroh, wenn über Pädagogik geredet werden würde. Es geht jetzt darum, mal voranzukommen. Teuer wird es sowieso – bei beiden Lösungen.“ Die aktuelle Beschlusslage der Stadtvertretung laute derzeit, dass Am Kleinen See eine Grundschule mit Drei-Feld-Halle entstehen solle und die Wisser-Schule am Standort Berg (gemeint ist an der Elisabethstraße) saniert, erweitert sowie mit Zwei-Feld-Halle und Gymnastikraum ausgestattet werden solle, erläuterte Martin Klehs aus der Verwaltung.

Die Infoveranstaltung in der Grundschule zu ihren Wünschen für einen Neubau der Außenstelle Am Kleinen See wurde von rund 100 Eutinern besucht. Mitarbeiter von Verwaltung, Schule und Offener Ganztagsschule beantworteten Fragen. Quelle: Ulrike Benthien

In „einer sehr groben Kostenschätzung“ aufgrund noch vieler Unwägbarkeiten (fehlende Planung, keine Baugrunduntersuchungen am See), gestützt auf die Raumbücher, nannte Henning Schröter von ihm auf Drängen der Politik ermittelte Vergleichszahlen „für die reinen Bauwerke“: rund 35 Millionen Euro Kosten für zwei getrennte Standorte, rund 38 Millionen Euro für die Campuslösung. „An der Wisser-Schule geht es in Teilen um Bestandssanierung. Deswegen wird es günstiger“, erläuterte er. Die Fertigstellung des kompletten Campus’ sei überschlägig für März 2026 zu erwarten, im Falle von Einzelbauten könne die Grundschule im März 2023, die Gemeinschaftsschule im März 2024 fertig sein.

„Wir wollen eine kleine Schule für kleine Kinder“

Florian Reimers, kommissarischer Schulleiter der Gustav-Peters-Schule, bekräftigte an dem Abend: „Wir wollen eine kleine Schule für kleine Kinder.“ Und seine Kollegin Barbara Kleinmann ergänzte: „Ein Schulcampus am Kleinen See würde bedeuten, dass der zentrale Sportplatz in der Stadt wegfallen würde und Kinder immer zum Waldeck hinauf müssten.“ Es gebe wenig Platz für Spielgeräte, wenig Raum für naturnahe Erlebnisflächen. Die Unterrichtszeiten (Wisser: 60 Minuten, Grundschule 45 Minuten) und somit auch die Pausen der beiden Schulen seien unterschiedlich getaktet. „Wir bräuchten getrennte Schulhöfe. Das bedeutet Abgrenzung, vielleicht auch Mauern“, sagte Reimers. Barbara Kleinmann hob die Verschärfung der Verkehrssituation an der Lübschen Koppel und an der Kreuzung Elisabethstraße im Falle eines gemeinsamen Schulstandortes hervor. „Wir bräuchten Fachräume in doppelter Ausstattung, die Schulgebäude müssten drei oder vier Stockwerke hoch werden“, zählte Reimers weiter auf.

Schule sieht bei „kleiner Lösung“ nur Vorteile

Eine „kleine Lösung“ – Neubau Grundschule mit Förderzentrum und Nachmittagsbetreuung – dagegen ermögliche eine Drei-Feld-Sporthalle mit Tribüne, die auch die Offene Ganztagsschule „Zauberhut“ und das Förderzentrum nutzen könnten, der Sportplatz könne bleiben, der Schulhof könne naturnah, erlebnisreich und weitläufig werden. „Wir hätten keine Schulhochhäuser. Es könnte komplett ebenerdig und barrierefrei gebaut werden. Es gebe nur 18 Monate Baulärm und eine entspanntere Verkehrssituation“, sagte der Schulleiter.

Flächen tauschen oder hinzukaufen?

Florian Reimers warf noch einen überraschenden Vorschlag in die Runde. „Es ist noch nie darüber gesprochen worden, dass die fünften und sechsten Klassen am Kleinen See bleiben könnten.“ Torben Junge von der Bürgerinitiative „Vernunft macht Schule“, die für einen Schulcampus eintritt, hatte ebenfalls eine Idee parat: „Die kleine Schule sitzt auf dem großen Grundstück, die große Schule auf dem kleinen. Warum wird nicht getauscht?“ Aus dem Publikum kam die Frage, ob es denn nirgends in Eutin andere, zum Schulneubau geeignete Grundstücke für die Wisser-Schule gebe? Ein weiterer Besucher-Beitrag: Man solle der Wisser-Schule den Dohse-Parkplatz an der Ecke Weidestraße/Elisabethstraße zuschlagen sowie die alten Fachwerkhäuser in der Weidestraße abreißen, um Platz zu gewinnen.

Ergebnisse im LN-Live-Ticker

14 618 Wahlberechtigte können in Eutin am Sonntag, 26. Mai, beim Bürgerentscheid über die Gestaltung der Schullandschaft abstimmen. Aufgerufen zur Abstimmung sind alle Eutiner ab 16 Jahren. Das Quorum (die notwendige Anzahl Stimmen, die erreicht sein muss, damit die Abstimmung Gültigkeit erlangt), beträgt aktuell 2632 Stimmen.  

 Abgestimmt wird genau genommen über drei Bürgerentscheide: über die Frage der Bürgerinitiative „Vernunft macht Schule“ (ist für einen Campus am Kleinen See) und über die Gegenfrage, initiiert von der Mehrheit der Stadtvertretung, bestehend aus den Fraktionen von CDU, Grünen und FDP (plädiert für getrennte Schulen: Neubau Grundschule am Kleinen See plus Sanierung der Wisser-Schule in der Elisabethstraße).

Eine Stichfrage ist ebenfalls zu beantworten, für den Fall, dass Bürgerentscheid 1 und 2 beide das erforderliche Quorum erreicht haben. Wichtig: Es muss in allen drei Feldern auf dem Abstimmungszettel (Bürgerentscheid 1, Bürgerentscheid 2, Stichfrage) ein Kreuz gemacht werden. „Jeder Bürgerentscheid wird als einzelne Wahl gewertet. Wenn nichts angekreuzt ist, zählt das als ungültig“, sagt Ordnungsamtsleiterin Julia Lunau.

Ausgezählt werden ab 18 Uhr zunächst die Stimmen zur Europawahl. Stadtsprecherin Kerstin Stein-Schmidt rechnet für 21.30 bis 22 Uhr mit den Ergebnissen. Erst danach werden die Stimmen für den Bürgerentscheid ausgezählt. Die Ergebnisse wird die Stadt auf ihrer Homepage präsentieren.

Die LN werden in einem Live-Ticker über den aktuellen Stand berichten.

 

Dass es einen Sportplatz am Kleinen See, „so wie wir ihn jetzt haben“, nicht mehr geben könne, bestätigte der Bauamtsleiter auf Anfrage. Er trug aber eine kesse Idee vor: „Wir können eine Laufbahn auf dem Dach der Sporthalle bauen.“ Beide Schulen am Standort Kleiner See – das werde viele Gedankenspiele und Planungen erforderlich machen, aber es sei auch vieles möglich, sagte Schröter. Sollte die BI sich am Sonntag mit ihrem Bürgerentscheid zugunsten eines Schulcampus’ durchsetzen, müssen die Raumprogramme beider Schulen überarbeitet werden. „Wenn die Machbarkeit eines Campus’ aus Platzgründen am Kleinen See nicht gegeben sein sollte, dann werden wir noch einmal in Gespräche gehen müssen“, sagte Martins Klehs. Der Bürgerentscheid ist zwei Jahre bindend.

Ulrike Benthien

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