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Ostholstein 737 Jahre Gut Siggen: Vom Rittergut zur Denkfabrik
Lokales Ostholstein 737 Jahre Gut Siggen: Vom Rittergut zur Denkfabrik
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07:00 26.01.2019
Das Herrenhaus von Gut Siggen (Ostholstein, Gemeinde Heringsdorf). Dort betreibt die Hamburger Alfred-Toepfer-Stiftung ein Seminarzentrum. Quelle: LOUIS GÄBLER
Heringsdorf

Das frühere Rittergut Siggen wurde 1282 erstmals urkundlich erwähnt. Heute, fast 740 Jahre später, erinnert nur noch wenig an die damalige Zeit. Die Zugbrücke gibt’s nicht mehr, dafür aber Reste des alten Wassergrabens, der ehemals die Anlage umschloss, und den alten Pferdeteich. Siggen ist inzwischen ein landwirtschaftlicher Großbetrieb, der konventionell und zertifiziert 900 Hektar Ackerflächen, 110 Hektar Wald und 25 Hektar Grünland bewirtschaftet. Aber es ist noch mehr: Auf der Gutsanlage hat die Alfred-Toepfer-Stiftung mit Sitz in Hamburg ein modernes Seminarzentrum eingerichtet und begrüßt hier Gäste aus aller Welt in ihrer Denkfabrik.

Hinter alten Mauern: Modernes Seminarzentrum auf Gut Siggen

Ein Blick zurück: Noch immer sind sich die Fachleute unsicher, woher der Name „Siggen“ kommt. Bedeutet er Heim? Oder Segen? Vielleicht ist er noch älter und wendischen – also slawischen – Ursprungs: zum Beispiel von „Zichom“ (kurz = Zich). Man weiß es nicht. Sicher ist dagegen, dass es im Laufe der Jahrhunderte immer wieder große Besitzerwechsel gab: Auf die Familie des Ritters Heinrich von Siggen folgten um 1430 die Rantzaus, dann kamen die von Qualen, später mehrere Generationen der Familie von Bülow und schließlich Kapitän Erich Lassen (1700–1780).

Toepfer wollte Landwirt werden

„Mit dessen Nachfahren, dem Rittmeister Herrmann Christian August von Lassen (1854–1937), ist man quasi fast in der Siggener Gegenwart angekommen“, sagt Thomas Walch (54), der wie schon sein Vater Dieter Walch heute auch Gutsverwalter ist und die Siggener Geschichte genau kennt. „Denn von dem Rittmeister erwarb der Hamburger Unternehmer Alfred Toepfer, der von Jugend an eigentlich Landwirt werden wollte, das Gut Siggen“, erklärt Walch.

Das war 1932 und der Kaufpreis betrug eine Million Reichsmark. Das Gut umfasste damals gerade mal 600 Hektar Felder und Wald. Der technische Fortschritt ging auch an Siggen nicht vorüber, es gab immer wieder Modernisierungen: Ab 1930 kamen vermehrt Maschinen zum Einsatz, sie lösten Arbeitskräfte und -tiere ab, Grünland wurde umgepflügt und zu Weizenfläche, der Betrieb wuchs von Jahr zu Jahr, dennoch wurde die Milchviehhaltung mit der Abschlachtprämie komplett eingestellt.

Helmut Schmidt war zu Gast

Parallel dazu wurde seit 1970 das Herrenhaus für Stiftungsaktivitäten genutzt. Alfred Toepfer (1894–1993) verbrachte dort seine Wochenenden und begrüßte Gäste wie Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD). „Nach Toepfers Tod 1993 wurde das gemeinnützige Stiftungsprogramm dann komplett neu ausgerichtet“, sagt Walch und betont: „Ein Glücksfall für Siggen.“

Das Herrenhaus wurde erneut aufwendig saniert, es wurden im Obergeschoss 13 stilvolle Gästezimmer eingerichtet, fünf weitere Gästezimmer befinden sich in einem Nebengebäude. Im Parterre des Herrenhauses gibt es eine umfangreiche Bibliothek, ein riesiges Kaminzimmer, einen Speisesaal und noch mehr. Das ganze Haus erinnert heute eher an ein Vier-Sterne-Superior-Hotel. Ein kleines engagiertes Team ist für den reibungslosen Betrieb in der Unterkunft zuständig.

Das Herz der ganzen Anlage

2007 kam auf der Fläche des ehemaligen Pferdestalls dann das eigentliche Seminargebäude hinzu. Ein Flachdachbau mit Rundum-Verglasung und hölzernen Abschattungen, der gleich den Preis des Bundes Deutscher Architekten (BDA) einheimste. Dieses Seminarzentrum ist in den Monaten Februar bis November das Herz der ganzen Anlage. Es bietet Raum für europäische Begegnungen, interdisziplinäre Sommerakademien, Seminare und vielfältige kulturelle Veranstaltungen – wie den Siggener Kultursommer oder die Siggener Begegnungen.

Stichwort Begegnungen: Die bleiben nicht aus auf der Hofanlage, wenn in den Sommermonaten geistig wie körperlich „geackert“ wird. „Das finden beide Seiten immer sehr spannend“, sagt Gutsverwalter Thomas Walch.  

Louis Gäbler

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