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Ostholstein Gutachter: Funkfeuer kann weg
Lokales Ostholstein Gutachter: Funkfeuer kann weg
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08:43 05.06.2014
Das Drehfunkfeuer Michaelsdorf bei Heringsdorf kann nach Ansicht von Experten abgebaut werden. Quelle: LN-Archiv
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Heringsdorf

Das umstrittene Drehfunkfeuer der Deutschen Flugsicherung (DFS) bei Heringsdorf wird nicht mehr benötigt. Um es abbauen zu können, müssten die Flugzeuge ihre Flugrouten nur geringfügig ändern. Das geht aus einem Gutachten hervor, das Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne) gestern in Kiel vorgestellt hat. Außerdem haben nach Einschätzung der Experten Windräder außerhalb des alten Schutzradius‘ von drei Kilometern grundsätzlich keine nachweisbaren Störwirkungen auf die Navigationseinrichtungen. Erstellt hat das Gutachten der Berliner Raumfahrttechnik-Professor Gerhard Hüttig.

„Ich setze darauf, dass der Bundesverkehrsminister aufgrund der Ergebnisse nun zügig eine Neubewertung des bisherigen Vorgehens vornimmt“, sagte Minister Habeck. „Wir wollen die Energiewende im Einklang mit der notwendigen Flugsicherung. Aber die Verfahren auf Bundesseite erscheinen nicht mehr zeitgemäß.“ Sie seien intransparent, nicht nachvollziehbar und berücksichtigten nicht die Ziele der Energiewende. Statt einer sachgerechten Interessenabwägung würden unumstößliche Bauverbote ausgesprochen, sagte Habeck.

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Allein in Ostholstein sind durch den Schutzanspruch der Deutschen Flugsicherung beim Neubau von 140 Windrädern und dem Repowering von etwa 200 vorhandenen Anlagen Investitionen von bis zu einer Milliarde Euro bedroht. Auch im Osten des Kreises Segeberg und in Stormarn sind Projekte betroffen. Sie sind im Bereich von Windenergie-Eignungsflächen innerhalb des Schutzradius‘ um die Funkfeuer Michaelsdorf, Lübeck und Hamburg geplant. Die seit 2009 von drei auf 15 Kilometer ausgeweitete Schutzzone hatte das Land 2013 bei der Ausweisung der neuen Windpark-Flächen nicht berücksichtigt. Für den Windpark Neuratjensdorf musste eine bereits erteilte Baugenehmigung auf Eis gelegt werden.

Zwischenzeitlich ist außerdem ein Streit um den Pachtvertrag für die Fläche entbrannt, auf dem das Funkfeuer Michaelsdorf bei Heringsdorf steht. Ein Gericht hat den jahrzehntealten Vertrag mit der DFS wegen formeller Fehler für ungültig erklärt.

Für die Deutsche Flugsicherung hat das Berliner Gutachten keine Aussagekraft. „Wir werden unsere Schlüsse nicht auf eine einzelne Studie stützen“, sagte eine Sprecherin. Man habe bereits Experten der amerikanischen Ohio University und der französische Flugsicherungs-Akademie mit unabhängigen Gutachten beauftragt. Grundsätzlich bestehe keine Möglichkeit auf vorhandene Funkfeuer zu verzichten. Das gelte auch für das Funkfeuer Michaelsdorf.

Regionalpläne
95 geplante Windräder, vor allem in Ostholstein aber auch in der Gemeinde Strenglin (Kreis Segeberg), sind 2013 aufgrund von Einsprüchen der DFS mit einem Bauverbot belegt worden. Viele andere Investoren hatten wegen der unklaren Rechtslage Projekte auf Eis gelegt.
4 Drehfunkfeuer betreibt die Deutsche Flugsicherung in Schleswig-Holstein. Sie stehen in Michaelsdorf bei Heringsdorf, auf dem Pariner Berg bei Bad Schwartau sowie in Ammersbek (Stormarn) und der Haselauer Marsch (Pinneberg).

Holger Marohn