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Ostholstein Statt Einweg: Essen in die eigene Dose
Lokales Ostholstein Statt Einweg: Essen in die eigene Dose
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17:38 15.01.2019
Wing Han Chau-Dyer (Mittagstisch „Wingi“) versucht, Kunden mit einer Bonuskarte zur Mehrwegverpackung zu animieren. Quelle: Ulrike Benthien
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Eutin

 Bilder von plastik-verseuchten Weltmeeren und Müllhalden in Afrika zeigen offenbar Wirkung. Viele Verbraucher sind sensibilisiert und fragen in ihren Geschäften vor Ort nach, ob sich Einweg-Plastik und Verpackungen nicht ganz oder stärker vermeiden lassen. In Eutin gibt es hier und da schon Ansätze. „Das ist lobenswert, aber noch sind alles kleine Schritte“, sagt Vivien Rehder von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.

Wing Han Chau-Dyer hat gleich mit der Eröffnung ihres Mittagstisches im August 2017 zusätzlich zu den Papp-Verpackungen auch Glasbehälter angeboten, in denen sich Hungrige ihr Essen mitnehmen können. Stückpreis fünf Euro. Um den Anreiz zu erhöhen, dass ihre Kunden auf Mehrweg umsteigen, gibt es die „Wingi“-Bonuscard. Wer sein Essen in einer wiederverwendbaren, verschließbaren Box mitnimmt (das muss nicht die „Wingi“-Box, sondern kann auch eine eigene sein), erhält das zehnte Gericht gratis. „Es wird im Moment noch wenig angenommen, aber ich möchte so viele Boxen wie möglich in Umlauf bringen“, sagt Wing Han Chau-Dyer. Auch beim Mittagstisch „Cox“ gibt es seit Langem wiederbefüllbare Dosen. Das Team um Inhaberin Kathrin Haase nimmt ebenfalls eigene Behälter der Gäste an und füllt ihnen Currys und Suppen ab. Circa ein Viertel ihrer Kunden setze auf Mehrweg, Tendenz steigend.

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Waren-Übergabe auf Tresenhöhe

Im Naturkostmarkt im Eutiner Industriegebiet legen die meisten Kunden ihr Obst und Gemüse lose in den Wagen, ehe es an der Kasse abgewogen wird. Einige Kunden brächten für den Einkauf von Äpfel, Birnen und Tomaten kleine Stoffbeutel mit, sagt Mitarbeiterin Gabriela Ausborn. Als Alternative bietet der Naturkostmarkt „Beutel aus 75 Prozent Zuckerrohr – 100 Prozent recycelfähig“. An der Käsetheke wird die Ware auch häufig in eine mitgebrachte Dose gepackt. „Sie darf allerdings nicht auf den Tresen gestellt werden. Der Kunde muss sie in der Hand behalten. Wir wiegen ab und legen den Käse dann vom Papier in die Dose“, berichtet Gabriela Ausborn.

Bei den Eutiner Bäckern werden Brötchen und Croissants auf Wunsch ebenfalls in mitgebrachte Leinenbeutel gesteckt. Auch hier gilt: auf Tresenhöhe reichen. „Die mitgebrachten Beutel dürfen nicht in den Reinbereich gelangen, also über den Tresen wandern“, erklärt Saskia Vetter vom Referat Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherberatung. Das sei nicht hygienisch, und der Händler hafte schließlich für seine Ware.

Papiertüten und Frischenetz statt Plastiktüten

Diese Vorschrift wird auch an der Wurst- und Käsetheke im Sky-Markt streng betrachtet. Auf Verlangen der Kunden packen ihnen die Verkäufer den Aufschnitt „freischwebend“ in die mitgebrachten Behälter und Boxen. Dass Sky Wurst- und Käsewaren seit Kurzem nicht mehr in Plastik-, sondern in Papiertüten verstaut, sei gut angekommen, sagt Fleischabteilungsleiter Dennis Nadler. „Es gibt schon lange die Nachfrage, ob wir nicht auf mehr Plastik verzichten können.“ In kleinen Schritten gehe das auch voran, berichtet Marktleiter Alexander Meier: „Zum Beispiel haben wir jetzt Bio-Gurken im Sortiment, die nur noch einen kleinen Aufkleber haben, aber nicht mehr eingeschweißt sind.“ Vom 27. Februar an werde der Supermarkt als Rewe-Markt firmieren. „Dann gibt es in der Obst- und Gemüseabteilung auch das Frische-Netz statt der Abreiß-Plastiktüten“, kündigt Meier an. „Das kann man verwenden, bis es sich auflöst“, sagt Clarissa Leu aus der Unternehmenskommunikation der Supermärkte Nord. Rewe setze schon länger stark auf Nachhaltigkeit, „wir übernehmen diese Systeme“. Plastik-Tragetaschen seien dort seit Sommer 2016 verpönt, stattdessen gibt es Taschen aus Papier, Leinen und jetzt auch Jute.

Im Februar wird Sky zu Rewe

Am 16. Februar wird der Sky-Supermarkt in der Industriestraße 5 in Eutin für zehn Tage schließen. Nach einer Umbauphase wird er am 27. Februar als Rewe-Markt wieder öffnen. Letzter Verkaufstag an der Fleischtheke wird bereits der 9. Februar sein.

Am 23. Februar wird der Sky-Supermarkt in der Theodor-Klinkforth-Straße 13 in Grömitz nach einer knapp zehntägigen Umbauphase als Rewe-Markt eröffnen. Künftig wird der Supermarkt montags bis sonnabends von 7 bis 22 Uhr geöffnet sein. Kunden können auf insgesamt 1800 Quadratmeter einkaufen. Aushängeschild soll die Obst- und Gemüseabteilung mit regionalen und exotischen Früchten sowie Salat- und Gemüsesorten werden. Die Mitarbeiter bleiben erhalten. Selbiges gilt auch für die coop-Vorteilskarten. Jedoch wird in Zukunft auch die Payback-Karte gültig sein.

Zum Hintergrund: Die Supermärkte Nord sind ein Gemeinschaftsunternehmen der mehrheitlich beteiligten Rewe Group in Köln und der coop in Kiel. Es beschäftigt rund 9000 Mitarbeiter in Norddeutschland. Die Supermärkte Nord betreiben rund 150 Sky- und Rewe-Märkte in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg sowie in Teilen Niedersachsens und Brandenburgs. Alle Sky- und Plaza-Märkte werden bis Mitte 2019 zu Rewe-Märkten umgebaut.

„Verpackungsmüll zu reduzieren, ist ein großes Thema bei den Kunden. Viele wollen nicht, dass Dinge unnötig verpackt werden“, sagt Vivien Rehder. Nach einer Befragung von Kantar Emnid im Auftrag des Bundesverbandes der Verbraucherzentrale im November 2018 ist es 75 Prozent von 1009 Interviewten sehr wichtig, dass Verpackungsmüll verringert wird. „Am erstrebenswertesten ist alles Wiederverwertbare“, sagt Rehder. „Aber die Menschen sollten ihrem Wunsch danach auch Ausdruck verleihen.“

Ulrike Benthien