Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Vom Küken zum Schlachthähnchen in 42 Tagen
Lokales Ostholstein Vom Küken zum Schlachthähnchen in 42 Tagen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 26.05.2019
So oder ähnlich soll auch der Betrieb auf Fehmarn später einmal aussehen – hier ein Blick in einen Hähnchenmastbetrieb in Niedersachsen: Wichtig ist den Investoren hygienische Reinheit im Stall, die Aufzucht ohne Antibiotika, viel Licht und frisches Wasser. Quelle: HFR
Fehmarn

 Fehmarns Inselwesten ist größtenteils reines Ackerland. Zwischen Kopendorf und Gollendorf gibt es kein Haus, kein Gehöft – nur Windräder, weite Felder und die Kopendorfer Au, wo die Landjugend alljährlich ihr Grabenspringen veranstaltet. Dort in der Feldmark wollen Falk Voß-Hagen (42) aus Kopendorf und sein Cousin Malte Hagen (24) aus Gollendorf ihre Hähnchenmastanlage für rund 260 000 Tiere realisieren.

Sie planen den Bau einer Hähnchenmastanlage für 260 000 Tiere im Inselwesten von Fehmarn: Falk Voß-Hagen (42) und sein Cousin Malte Hagen (24). Quelle: Gäbler

Bislang gibt es nur die Idee. „Wir geben noch keine Pläne preis oder haben irgendwelche Anträge gestellt“, sagt Falk Voß-Hagen, der in Kopendorf einen Schweinemastbetrieb führt. Dennoch gibt es rund um Petersdorf derzeit kaum ein anderes Thema als die geplante Hähnchenmastanlage. Während einer Infoveranstaltung äußerten besorgte Anwohner in der Alten Schule in Petersdorf ihre Bedenken. Referent war Dr. Johannes Grünitz, trotz mehrfacher Versuche und Rückrufbitten war er für die LN nicht erreichbar.

Aber auch die Stadt Fehmarn hat sich bereits im Bauausschuss in der vergangenen Woche und in der Stadtvertretersitzung am Mittwoch mit der Hähnchenmastanlage beschäftigt und den entsprechenden B-Plan 174 (Regelung der Auflagen beim Bau von Großbetrieben zur Tierhaltung) auf die komplette Insel ausgeweitet. Bürgermeister Jörg Weber (SPD): „Die Stadtvertreter haben der Verwaltung den Auftrag erteilt, die Planungshoheit zu behalten.“

Die Hähnchen werden als Ein-Tages-Küken angeliefert und bleiben maximal 42 Tage im Stall. Quelle: HFR

Landwirtschaft zukunftsfähig machen

Für Malte Hagen ist es auch eine Zukunftsfrage. Er ist gelernter Landwirt, hat in seiner Ausbildungszeit drei verschiedene Betriebe kennengelernt – zwei in Schleswig-Holstein und einen in Niedersachsen. Anschließend besuchte er die Landwirtschaftsschule in Bad Segeberg. Dort machte er auch seinen Abschluss zum staatlich geprüften Agrar-Betriebswirt. „Dennoch kann man heute in der Landwirtschaft mit einem 60-Hektar-Hof nicht mehr überleben“, erklärt der Geflügelfachmann. Sein Cousin betont, dass man dann über Alternativen nachdenken müsse, um die Landwirtschaft auf Fehmarn auch weiterhin zukunftsfähig zu machen.

Da Malte Hagen Fachmann in der Geflügelaufzucht ist, habe die Idee nahegelegen, so einen Betrieb auf Fehmarn zu realisieren. Dass das aber kein Selbstgänger werden würde, ahnten beide. Mit ihrem Konzept müssten sie das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) überzeugen. Denn das LLUR ist die eigentliche Genehmigungsbehörde, nicht die Stadt Fehmarn, selbst wenn die Politik über die B-Plan-Änderung hofft, weiter Einfluss nehmen zu können.

Anlieferung als Ein-Tages-Küken

Die beiden Fehmaraner sind guter Hoffnung, dass ihr Konzept trägt: Die 15 000 Quadratmeter große Halle für 260 000 Hähnchen soll hell, luftig und hygienisch rein sein. Sie wollen die geforderten Standards nicht nur erfüllen, sondern ganz neue setzen. So soll beispielsweise die Fensterfläche mindestens fünf Prozent der Halle ausmachen. Antibiotika seien absolut tabu, betonen beide.

Angeliefert werden die Hähnchen als Ein-Tages-Küken. Der Kot könne in der benachbarten Biogasanlage verwertet werden. Nach 35 beziehungsweise 42 Tagen sind die Tiere schlachtreif und werden abgeholt. Dann würden Schleusen- und Masthalle komplett desinfiziert, bevor die nächste Küken-Generation angeliefert werde.

20 bis 30 Lkw rollen über die Insel

Spätestens bei der Anlieferung beziehungsweise beim Abtransport werden die Fehmaraner dann doch etwas von der Mastanlage mitbekommen. Gut 20 bis 30 Lkw seien notwendig, um den gesamten Tierbestand von Fehmarn zu den Schlachthöfen zu fahren. „Sicher“, sagt Falk Voß-Hagen, „Fehmarn ist eine Ferieninsel. Aber hier wurde auch immer schon Landwirtschaft betrieben. Und wir leben nun mal auf dem Land. Und letztlich schätzt der Verbraucher preiswertes und gut produziertes Hähnchenfleisch.“

Louis Gäbler

Die EU ist ein gewaltiger Sprachen-Pool: Allein 24 Amtssprachen werden für die Europäische Union aufgelistet. Grund genug, kurz vor der Europawahl mal zu erkunden, was in Ostholstein so zu hören ist.

25.05.2019

Darauf haben die kleinen Schürsdorfer sehnsüchtig gewartet: Ihr neuer Spielplatz ist eröffnet worden, und das haben Jung und Alt im „Wohlfühldorf“ in der Gemeinde Scharbeutz gefeiert.

25.05.2019

Das Kinder- und Jugendparlament hatte die Idee in die Stadtvertretung getragen. Für sein langjähriges Engagement in Sachen „Flowpark“ wurde Jan Ueberall mit dem Ehren-Sticker der Stadt ausgezeichnet.

25.05.2019