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Ostholstein Viele Frauen Opfer häuslicher Gewalt
Lokales Ostholstein Viele Frauen Opfer häuslicher Gewalt
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09:45 31.12.2018
Diplom-Psychologin Maeve Reichel vom Frauennotruf Ostholstein. Quelle: Sebastian Rosenkötter
Neustadt

Beleidigungen, Backpfeifen, brutale Schläge – wenn häusliche Gewalt eskaliert und beobachtet wird, rückt die Polizei an. Sollten die Opfer – meist sind es Frauen – zustimmen, werden die Mitarbeiter vom Frauennotruf Ostholstein eingeschaltet. 2017 passierte dies 32 Mal. Die Zahlen für 2018 dürften am Jahresende ähnlich hoch sein, die Dunkelziffer um ein Vielfaches größer ausfallen.

Mitte November löste die Zahl 147 eine Diskussion in Deutschland aus. So viele Frauen wurden laut Bundeskriminalamt 2017 von ihrem Partner oder Ex-Partner umgebracht. 139 000 Menschen seien von aktuellen oder ehemaligen Partnern misshandelt, bedroht oder verfolgt worden. Maeve Reichel bezeichnet die Zahlen als erschreckend, sagt aber auch: „Das ist nicht erst seit heute so. Wir versuchen seit Jahren, die Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen. Es geht darum, dass Gewalt im Privatbereich passiert. Dennoch ist es gut, dass das Thema in den Fokus gerückt wurde. Ich hoffe auf einen öffentlichen Diskurs, der vielleicht auch durch die Me-Too-Debatte verstärkt wird.“

Zahl der Beratungen im Norden gestiegen

Reichel und ihre Kollegen kümmern sich seit Jahren um Frauen in Not. In den letzten Monaten sei ihnen aufgefallen, dass es im Norden Ostholsteins mehr Fälle von häuslicher Gewalt gegeben habe. Die Gründe hierfür kennen sie nicht. Was sie sicher wissen, ist, dass die Beratung von Frauen mit Migrationshintergrund angestiegen ist, dass Frauen im Kreis auf vielfältige Art und Weise von ihren Ehemännern und Freunden misshandelt werden und dies in allen sozialen Schichten geschehe. „Wir hören von kleineren Auseinandersetzungen, von Schubsen, Backpfeifen bis zu schwerer Gewalt, bei der Wohnungen zerstört und Frauen mit Gegenständen traktiert werden“, erläutert Maeve Reichel.

Neben der Beratung und Betreuung von Opfern will der Frauennotruf vor allem Aufklärungsarbeit leisten. „Wir müssen gesamtgesellschaftlich gucken, was für Gewaltschutzkonzepte notwendig sind“, sagt Reichel. Neben Schulprojekten gebe es öffentliche Aktionen wie „Gewalt kommt nicht in die Tüte“. Im Fokus stehe dabei auch der Abbau von Hemmschwellen. „Es geht darum, wann man einschreiten muss und darum, dass man nicht wegguckt, wenn bei den Nachbarn etwas nicht stimmt. Immer ohne sich selbst zu gefährden“, betont die Diplom-Psychologin. Was meist nicht funktioniere, sei zu einem Opfer zu sagen, dass es sich „einfach von ihrem Partner trennen muss“. Vielmehr gehe es darum, Hilfsangebote aufzuzeigen.

Gesetzesreform hat geholfen

Laut Reichel ist der Schutz von Frauen in den vergangenen Jahren besser geworden. Dies führt sie unter anderem auf eine Veränderung von Paragraf 177 im Strafgesetzbuch zurück. Seit Mitte 2016 wird anerkannt, wenn „eine Frau Todesangst hat und keinen eigenen Willen bilden kann. Auch werden widerstandsunfähige Personen, die eine Behinderung haben sowie Menschen, die überrumpelt werden, besser geschützt“, sagt Reichel.

Jedoch gebe es laut der Neustädterin noch jede Menge Verbesserungsbedarf. Sie fordert unter anderem mehr verfügbaren Wohnraum für Gewaltopfer, wenn diese ihren Partner verlassen. Zurückhaltend äußert sie sich zum Thema Frauenhaus. „Die Zahl der Plätze ist begrenzt. Es war nicht immer leicht, eine Frau unterzubringen.“ Schwierig sei auch, dass die Finanzierung des Frauennotrufs jährlich neu beantragt werden müsse. „Da wünsche ich mir mehr Sicherheit“, sagt Reichel. Zudem sei der Bedarf an Präventionsprojekten an Schulen viel höher, „als wir ihn leisten können“. Darüber hinaus wäre es gut, wenn Opfer erführen, wenn ihre Peiniger Haftlockerungen bekommen sollten. Sie sagt aber auch: „Der Fokus verlagert sich ein bisschen darauf, wie es dem Opfer geht.“

Hier gibt es Hilfe

Der Verein Frauenberatung und Notruf Ostholstein hat zwei Beratungsstellen. Die eine befindet sich in der Neustädter Lienaustraße 14 (045 61/91 97), die andere in Eutin, Plöner Straße 39 (045 21/730 43).

Wer will, kann sich auch anonym beraten lassen. Die Anrufbeantworter werden regelmäßig abgehört.

Es gibt auch Beratungen in Burg auf Fehmarn, in Oldenburg und Heiligenhafen – nach Absprache.

Sebastian Rosenkötter

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