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Ostholstein Handy am Ohr: Polizei will Radfahrer stärker kontrollieren
Lokales Ostholstein Handy am Ohr: Polizei will Radfahrer stärker kontrollieren
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16:45 24.05.2019
Die Polizei reagiert mit verstärkten Kontrollen auf die hohen Zahl der Fahrradunfälle. Ann-Christin Schreiber und ihre Kollegen Stefan Newe, Thorsten Ziehm und Christian Ohlf (v. l.) stellten das Projekt in Oldenburg vor. Quelle: Binder
Oldenburg/Heiligenhafen

Das Handy am Ohr, auf dem Bürgersteig unterwegs – und das alles direkt vor der Oldenburger Polizeiwache: „Viele Radfahrer betrachten es offenbar als Bagatelle, sich nicht an Verkehrsregeln zu halten“, kommentiert Stefan Newe, stellvertretender Leiter des Polizeireviers Heiligenhafen, die Vorfälle. Das soll sich ändern: Die Polizei will Radfahrer im Norden Ostholsteins künftig verstärkt kontrollieren; wer etwa telefoniert oder im Dunkeln ohne Licht fährt, muss zahlen. Das Ziel ist es, die Verkehrsteilnehmer für die Sicherheitsvorschriften zu sensibilisieren und dadurch gefährliche Situationen zu vermeiden.

Die Polizei reagiert auf hohe Unfallzahlen

Mit der Aktion reagieren die Beamten auf die hohen Unfallzahlen. In Ostholstein gab es im vergangenen Jahr 337 Unfälle mit Radfahrern (etwa die Hälfte davon wurde auch von ihnen verursacht), drei davon tödlich. 42 Radler wurden schwer, 283 leicht verletzt. „Und natürlich gibt es eine riesige Dunkelziffer“, sagt Thorsten Ziehm, Leiter des Heiligenhafener Polizeireviers – dessen Zuständigkeitsbereich das Gebiet von Fehmarn bis Lensahn umfasst. Hier wollen die Beamten ab Juni die Radfahrer stärker im Auge haben; insbesondere an Unfallschwerpunkten soll es häufiger Kontrollen geben. Wer bei einem Fehlverhalten erwischt wird, muss mit einem Verwarn- oder Bußgeld rechnen (siehe Infotext unten).

„Wir möchten den Menschen das Radfahren damit nicht verleiden“, betont Stefan Newe. Er habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass Betroffene oft wenig einsichtig reagierten, wenn sie einfach nur von der Polizei angesprochen würden. Häufig höre er Ausreden – nicht zuletzt von Menschen, die „nur auf den Bürgersteig ausgewichen sind, weil der Radweg so schlecht ist oder es gar keinen gibt“. Natürlich seien hier auch die Kommunen gefragt, räumt Newe ein, mit Blick auf die Infrastruktur gebe es in Ostholstein „viele Baustellen“. Eine Entschuldigung dafür, sich nicht an die Regeln zu halten, sei das trotzdem nicht.

Gefahren nicht nur für Radfahrer, sondern auch für Fußgänger

„Leider funktioniert es nur mit Repressionen“, bestätigt Revierleiter Ziehm. Präventionsarbeit allein reiche häufig nicht aus – es habe sich bei vielen Menschen die Auffassung eingeschlichen, dass Verkehrsregeln auf dem Fahrrad leichter ignoriert werden können als beispielsweise im Auto. Auch Kinder würden hier von Erwachsenen „lernen“: „Ein Verkehrssicherheitstraining in der Grundschule bringt wenig, wenn die Schüler danach sehen, dass ihre Eltern sich nicht an die Regeln halten.“

Dabei könne es dadurch nicht nur für die Radfahrer selbst, sondern auch für Fußgänger schnell gefährlich werden. Erst vor Kurzem wurde in Heiligenhafen eine 80-jährige Frau verletzt, weil eine Radfahrerin verbotenerweise auf dem Bürgersteig unterwegs war: Es kam zum Zusammenstoß; die Fußgängerin stürzte und kam mit einer Kopfverletzung ins Krankenhaus. So etwas passiere zu häufig, sind sich die Polizisten einig.

Weitere Aktionen auch an anderen Orten möglich

Ostholstein sei ein fahrradbegeisterter Kreis, sagt Thorsten Ziehm, insbesondere Fehmarn habe sich als Radler-Insel etabliert – bei Einwohnern und vor allem auch Touristen. Bei der Polizeidirektion Lübeck – die auch für Ostholstein zuständig ist – sieht man den Kreis insofern als „genau den richtigen Ort für den Auftakt einer solchen Initiative“. Sprecher Stefan Muhtz hält es für möglich, dass ähnliche Projekte in Zukunft auch im Süden Ostholsteins umgesetzt werden. Die einzelnen Reviere würden regelmäßig Erfahrungen austauschen: Laufe die Aktion im Norden erfolgreich an, sei es nicht unwahrscheinlich, dass die Idee anderenorts aufgegriffen werde.

Thorsten Ziehm und seine Kollegen hoffen, dass es dank der Kontrollen „hoffentlich künftig ein paar Unfälle weniger gibt“. Wenn sich alle an die Regeln hielten, würden viele kritische Situationen von vornherein vermieden, sind sie sich einig. „Wir möchten, dass alle Verkehrsteilnehmer hier sicher unterwegs sein können.“

So teuer kann’s werden

Bei Verstößen drohen Radfahrern Verwarn- oder Bußgelder – ein Überblick, wie teuer das Fehlverhalten werden kann.

Freihändig Fahren: fünf Euro

Unerlaubtes Fahren auf Gehweg: zehn Euro

In falscher Richtung oder abseits des Radwegs fahren: 20 Euro

Im Dunklen ohne Licht fahren: 20 Euro

Während der Fahrt das Handy benutzen: 25 Euro

Über eine rote Ampel fahren: 60 Euro und ein Punkt (100 Euro, wenn die Ampel schon länger als eine Sekunde rot war)

Bei einem Unfall oder wenn andere Verkehrsteilnehmer gefährdet werden, kommen noch einmal jeweils fünf Euro obendrauf.

Jennifer Binder

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