Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Hebammen: „Wir werden als Alibi benutzt“
Lokales Ostholstein Hebammen: „Wir werden als Alibi benutzt“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:49 16.06.2014
Anzeige
Oldenburg

„Der Schließungsprozess war von Anfang an eine Farce. Wir geben uns dafür nicht mehr her“, sagen die Noch-Beleghebammen der Oldenburger Sana- Klinik Nina Lühr, Dörte Grimmenstein und Madlen Argens.

Am Mittwoch wären sie eigentlich zu einem Treffen mit der Klinikleitung und Staatssekretärin Anette Langner (SPD) geladen. Anfang Juli sollte beim Kreis ein Runder Tisch stattfinden. Beide Gespräche lassen die Fachfrauen platzen. „Wir werden als Alibi benutzt. Man schmückt sich, mit uns Gespräche geführt zu haben, und benutzt dies als Rechtfertigung für ein fragwürdiges Sicherheitskonzept, welches mitnichten entwickelt wird, sondern bereits feststand. Unsere Einwände und Bedenken werden nicht aufgenommen“, klagt Lühr.

Anzeige

Als brüskierend bezeichnen die Hebammen Aussagen von Staatssekretärin Anette Langner im Landessozialausschuss, die die Diskussion während des Runden Tisches bei der SPD in Oldenburg (die LN berichteten) als unsachlich bezeichnet hatte. „Da haben vor allem Fachleute ihre Bedenken angebracht. Die Fragensteller waren wir Hebammen, Ärzte, Pflegepersonal, Betriebsrat, Gleichstellungsbeauftragte, Kommunalpolitiker und Vertreter der Bürgerinitiative“, sagt Alexandra Bruns, Sprecherin des Vereins Geburt. Es verstärke sich der Eindruck, es gehe Klinik, Ministerium und Kreis in dem Schließungsprozess nur um die Außendarstellung und darum sagen zu können, man habe mit den Beteiligten gesprochen. „Die Sicherheit für unsere Schwangeren ist nicht gegeben. Das Wissen, es werden Schadens- und wohl auch Todesfälle eintreten, ist für uns psychisch schwer belastend, denn wir kennen die Frauen und ihre Familien“, klagen die Hebammen. Allein in den letzten Monaten habe es in Oldenburg mehrere kritische Situationen gegeben, in denen ein weiterer Weg kritisch gewesen wäre.

Besonders verärgert sind die drei über den aus ihrer Sicht „unehrlichen Umgang“ vor allem der Sana-Klinik. Während die Klinik bereits im Januar mit dem Ministerium zur Schließung verhandelt habe, sei den Hebammen noch im Februar suggeriert worden, man wolle eine schöne Anzeige für die Suche nach einer neuen Kollegin aufgeben. Aus entsprechenden E-Mails, die den LN vorliegen, geht hervor, dass sich Sana-Prokuristin Dr. Barbara Kempe noch Mitte Februar das „Hebammen-Forum“ als Medium für eine Stellenanzeige hatte empfehlen lassen, die nie geschaltet wurde.

„Wir sind belogen worden und haben bis heute nicht das Gefühl, dass unsere Fachkompetenz anerkannt und gewünscht wird“, so die Hebammen. Sie hätten verstanden, dass es den Machern nicht um Sicherheit und Versorgungsqualität gehe, sondern darum, den vorgefassten Schließungsplan möglichst unbeschadet durchzubringen. „Dafür geben wir uns aber nicht her“, sagen die Hebammen.

Holger Marohn