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Ostholstein Ab in den Schredder: Wo sensible Daten vernichtet werden
Lokales Ostholstein Ab in den Schredder: Wo sensible Daten vernichtet werden
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18:03 18.12.2019
Kurz vor der Endkontrolle werden die Unterlagen, die vernichtet werden sollen, ein letztes Mal auf Klammern und Metallteile hin untersucht. Hinten ist das Förderband zu sehen, das alles in den großen Schredder befördert. Quelle: Gäbler
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Heiligenhafen

Alte Verträge aus dem Notariat, Kreditvereinbarungen der Banken, Röntgenbilder von der Ärzteschaft – es sind diese Akten, Magnetbänder, DVDs, USB-Sticks und Festplatten, die von zwölf Mitarbeitern in der Heiligenhafener Werkstatt für angepasste Arbeit der Organisation „Die Ostholsteiner“ sach- und fachgerecht entsorgt werden. Der komplette Vorgang, die sensiblen Datenträger nach der Aufbewahrungsfrist zu vernichten, ist zertifiziert und findet immer größere Nachfrage. Mehr als 600 Kunden hat die Werkstatt bereits kreisweit.

Chef des Bereiches Aktenvernichtung ist Thorsten Horn. Der Arbeitsbegleiter ist seit 25 Jahren für „Die Ostholsteiner“ tätig und hat die Aktenvernichtung aufgebaut. „Mit einer Handvoll Mitarbeitern, die aus der benachbarten Ameos-Klinik kamen, haben wir damals losgelegt“, sagt Horn rückblickend.

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Schritt für Schritt – so funktioniert die Aktenvernichtung in Heiligenhafen.

Heute sind in der Werkstatt für angepasste Arbeit am Heiligenhafener Eichholzweg 80 Menschen in vielen verschiedenen Bereichen tätig. Die Aktenvernichtung ist ein Teil. Es gibt noch die „Verpackung und Montage“, die Lampen-Produktion, die Nähstube und die Förderung.

Ziel: Mitarbeiter in feste Jobs vermitteln

„Unser Hauptziel ist die Wiedereingliederung der Mitarbeiter in den ersten Arbeitsmarkt“, erläutert Werkstatt-Leiterin Liane Pitzschel. Wer jetzt skeptisch die Stirn runzelt, für den hält Pitzschel gleich ihre jüngsten Erfolge parat: „Allein 2019 haben wir fünf Mitarbeiter in den ersten Arbeitsmarkt vermitteln können.“

So kann man spenden

Spenden können auf dieses Konto bei der Sparkasse Holstein überwiesen werden:

Inhaber: Die Ostholsteiner

Stichwort: „Hilfe im Advent“ (wichtig!)

IBAN: DE08 2135 2240 0179 2255 52

BIC: NOLADE21HOL

Ein toller Erfolg, über den sich Pitzschel und Horn gleichermaßen freuen. Denn von den 80 Mitarbeitern, die heute in der Heiligenhafener Einrichtung tätig sind, werden manche seit 25, andere sogar seit 30 Jahren hier betreut. „Es gibt viele mit einer geistigen Beeinträchtigung, manche haben aber außerdem noch eine psychische dazu. Umso wichtiger ist dieser Vermittlungserfolg“, sagt Pitzschel.

Kundenwünsche erfordern aufwendigen Touren-Plan

Zurück zur Aktenvernichtung: „In aller Regel meldet sich der Kunde telefonisch und erfragt den Preis. Der richtet sich nach dem Gewicht der zu entsorgenden Akten. Es gibt drei verschiedene Behälter, die geordert werden könne. Dann fahren wir hin und liefern die gewünschten Behälter aus“, erläutert Horn. Wichtig sei, dass der gesamte Prozess nach einem zertifizierten Verfahren ablaufe.

Dennoch könne und werde auf Kundenwünsche Rücksicht genommen werden. Als Beispiel führt Horn die Sparkasse Holstein an. „Manche Filialen wollen nur eine monatliche Entsorgung, andere eine wöchentliche, dritte wiederum Abholung nach Bedarf. Das erfordert einen ausgeklügelten Touren-Plan.“

Das machen die Ostholsteiner

Heiligenhafener Aktenvernichtung: 280 Tonnen pro Jahr

An Bord des Akten-Lkw sitzen immer ein ausgebildeter Kraftfahrer und ein bis zwei Beifahrer aus der Werkstatt. Rund 280 Tonnen werden so Jahr für Jahr eingesammelt. Doch vor dem Schreddern liegt die videoüberwachte Schleuse, wo die Container ausgeladen und gesammelt werden. „Diese Schleuse und die Werkhalle sind streng geschützte Sicherheitsbereiche. Wer da rein will, muss sich immer erst ausweisen“, sagt Horn.

Drinnen in der Werkhalle herrscht emsiges Treiben: An den einzelnen Sortiertischen stehen die Mitarbeiter und sortieren die Container-Inhalte. Die Trennung der Materialien ist wichtig, damit die Schredder-Messer nicht kaputtgehen. Für die DVDs, USB-Sticks und Festplatten steht ein spezieller Schredder bereit. Altmetalle – wie Klammern und Hefter – werden aus den Aktenordnern gelöst, ebenso die Kunststoffteile aussortiert.

„Die Ostholsteiner“ informieren

„Die Ostholsteiner“ sowie die beiden Tochterunternehmen sind in diversen Bereichen tätig und haben so Einfluss und Auswirkungen auf das Leben im Kreis Ostholstein. Über diese Links geht es zu verschiedenen Projekten:

Nach dem Schredder bleiben nur Schnipsel

Danach kommen die Papierstapel und Pappdeckel auf einen Sortiertisch, werden dort von den Mitarbeitern noch einmal durchgeschaut und zur Endkontrolle weitergeschoben. Erst danach kommt alles auf ein Förderband, dass die Akten endgültig zerschreddert. Übrig bleiben unlesbare Schnipsel.

Das Schreddergut wird staubfrei abgesaugt und in einem Großcontainer, der gut 20 Kubikmeter fasst, zusammengepresst. Dieser Container gehört Gollan in Beusloe bei Neustadt. „Ist er voll, kommt ein neuer als Ersatz“, sagt Horn. Was später daraus wird? Horn weiß die Antwort: „Pappen, neues Papier oder auch Brennmaterial für Müllheizkraftwerke.“ Wie gut der gesamte Prozess abläuft, verdeutlicht besonders diese Tatsache: So lange es die Aktenvernichtung gibt, gab es noch keinen einzigen Unfall.

Das kostet die Aktenentsorgung in Heiligenhafen

Der kleinste Behälter mit 240 Litern Fassungsvermögen kostet 24,20 Euro, der größte mit 660 Litern knapp 50 Euro. „Das gewährleistet, dass die Menschen, die hier arbeiten – sie kommen zur Hälfte aus der Ameos-Klinik, aber auch von Fehmarn oder aus Merkendorf bei Neustadt – ihr monatliches Einkommen selbst erwirtschaften können“, sagt Pitzschel.

Verkaufsstellen der „Ostholsteiner“

In der Nähstube der Heiligenhafener Werkstatt für angepasste Arbeit, Eichholzweg 25, werden aus alten Segeltüchern Rucksäcke, Federtaschen und Strandtaschen gefertigt. Aus ausrangierten Feuerwehrschläuchen entstehen beispielsweise einzigartige Gürtel. Verkauft werden diese Arbeiten direkt in der Werkstatt.

Im Oldenburger Talente-Haus, Göhler Straße 60, gibt es nützliche Dinge, die von Hand gefertigt werden. Jedes Produkt erhält so eine individuelle Note. Es gibt auch gegossene Keramik, Tisch- und Gartenkerzen mit Wachsplättchen in bunten Farben.

Im Eutiner Scandi-Laden in der Fußgängerzone, Peterstraße 28, präsentieren „Die Ostholsteiner“ ausgefallenes Kunsthandwerk und Geschenkideen – so zum Beispiel handgefertigte Kerzen, Seifen, Kunsthandwerk aus Skandinavien, Bonbons und Lakritz aus Dänemark.

Von Louis Gäbler