Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Ostholstein Heiligenhafen: Das will die neue Tourismuschefin
Lokales Ostholstein

Heiligenhafen: Das will die neue Tourismuschefin Verena Butler

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:00 14.11.2021
Die Seebrücke samt neuer Promenade in Heiligenhafen: Hier ist die neue Tourismuschefin Verena Butler gerne.
Die Seebrücke samt neuer Promenade in Heiligenhafen: Hier ist die neue Tourismuschefin Verena Butler gerne. Quelle: Maike Wegner
Anzeige
Heiligenhafen

Neue Seebrücke, moderne Promenade und eine Einkaufsmeile mit bunter Mischung: In Heiligenhafen hat sich die vergangenen zehn Jahre viel getan. „Der Ort ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht“, findet auch Verena Butler. „Mit dem Bau der Seebrücke gab es ein Signal, dass etwas passiert. Mittlerweile existiert ein schlüssiges Gesamtkonzept und Heiligenhafen hat sich entwickelt“, sagt sie. Die 38-Jährige ist die neue Tourismuschefin der Stadt. Und sie hat ein klares Ziel: das Urlaubsparadies noch attraktiver für Gäste zu machen.

Bunte Einkaufsmeile: Auf dem Weg zur Seebrücke haben sich viele namhafte Ketten angesiedelt. Quelle: Maike Wegner

Von Heiligenhafen nach Amerika und wieder zurück

Wenn es um die Liebe zum Ort geht, hat sie einen klaren Heimvorteil. Butler ist in Heiligenhafen aufgewachsen und nach vielen Jahren in den USA mittlerweile in die Heimat zurückgekehrt. „Als ich in Amerika gelebt habe, hätte ich nie für möglich gehalten, dass sich Heiligenhafen mal so entwickelt und große Hotels bekommt“, erzählt sie. Zwischenzeitlich hat sie in einem davon, dem Beach Motel, sogar als stellvertretende Direktorin gearbeitet.

Der wöchentliche LN-Newsletter für Ostholstein

Wissen, was an der Ostseeküste und auf dem Land los ist: Jeden Montag gegen 18 Uhr in Ihrem Postfach. 

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Die neue Tourismuschefin findet: „Wenn man von der Autobahn über die Lauritz-Maßmann-Straße in den Ort fährt und auf den Steinwarder schaut, dann sieht es aus wie die Hamptons in den USA.“ Aber bei allen Hotelneubauten verweist sie auch auf die offiziellen Zahlen, um den Einheimischen die Sorgen vor Bettenburgen zu nehmen: Denn nur 15 Prozent der insgesamt gut 8000 Betten werden derzeit durch die Hotels abgedeckt – der Rest über Ferienwohnungen und Häuser. „Damit hat sich Heiligenhafen viel Ursprüngliches bewahrt“, sagt Butler.

Die Stadt braucht mehr Restaurants

Was dagegen fehlt, sind Restaurants. „Wir haben zwar bereits tolle Angebote, aber gastronomisch kann noch nachgerüstet werden“, sagt die Tourismuschefin. Denn wenn in der Hochsaison Urlauber, Tagestouristen und Einheimische gleichermaßen essen gehen wollen, seien die Plätze schnell belegt.

Der Marktplatz von Heiligenhafen: Auch hier könnte mehr Leben einkehren, wünscht sich Verena Butler. Quelle: Maike Wegner

Gerade erst war Butler auf dem Deutschen Tourismustag in Berlin. Dort ging es auch um die Auswirkungen durch Corona. Denn zweifelsohne hat die Pandemie Heiligenhafen einen Schub gegeben. Nun gelte es, etwas daraus zu machen, auch wenn Fernreisen wieder vermehrt möglich sind. „Wir müssen jetzt schauen, dass wir touristisch noch wettbewerbsfähiger werden“, sagt Butler. „Wir müssen es schaffen, uns als qualitativ guter Urlaubsort auf der Landkarte zu platzieren.“

Auch künftig: Mehr Vielfalt im Veranstaltungsbereich

Aber Corona hat auch Anlass zu Veränderungen gegeben. „Im Veranstaltungswesen könnte ich mir vorstellen, dass einiges aus dieser Zeit übernommen wird“, sagt Verena Butler. „Es ist die Frage, ob es immer ein großes Event sein muss oder wir nicht lieber auf Vielfalt setzen.“

Ausbildung im Luxushotel

Verena Butler hat nach ihrem Abitur eine Ausbildung als Hotelfachfrau im ehemaligen „Four Seasons Hotel“ in Berlin absolviert und später noch ihr Hotel-Management Studium an der Hotelfachschule Hamburg als staatlich geprüfte Betriebswirtin abgeschlossen. Vor fünf Jahren ist die 38-Jährige, die mit einem Amerikaner verheiratet ist, von Amerika zurück nach Heiligenhafen gekehrt. Seitdem hat sie unter anderem als stellvertretende Direktorin im Beach Motel Heiligenhafen sowie als Hoteldirektorin in Hamburg und Neustadt gearbeitet.

Die neue Tourismuschefin folgt auf Manfred Wohnrade, der am 1. September nach Grömitz gewechselt ist. Seitdem leitet Verena Butler die Bereiche Tourismus-Service, Aktiv-Hus und Strand Resort, die den Heiligenhafener Verkehrsbetrieben zugehörig sind. Weiterhin ist sie mit der Personalplanung des Unternehmens beauftragt. Ende des Jahres kommt der Aufsichtsrat zusammen, ab dem kommenden Jahr ist dann angedacht, Butler als Prokuristin in die Geschäftsführung mit einzubinden.

Das Klientel ist je nach Jahreszeit unterschiedlich. Im Sommer kommen viele Familien mit schulpflichtigen Kindern nach Heiligenhafen, in der Nebensaison sind es Familien mit kleineren Kindern aber auch Senioren und Gäste mit Hunden. Infos zu Veranstaltungen bekommen sie alle seit Kurzem zusätzlich über zehn Info-Säulen, die die Stadt aufgestellt hat. „Das finde ich klasse, da funktioniert Digitalisierung mal richtig gut“, sagt Verena Butler.

Zehn Infosäulen hat die Stadt Heiligenhafen aufgestellt. Sie informieren Urlauber über Veranstaltungen. Quelle: Maike Wegner

Erlebnisschwimmbad soll gebaut werden

Ein Großprojekt, das die Tourismuschefin gerne mit begleiten würde, ist aktuell in der Planung: der Bau eines Erlebnisschwimmbads beim Ferienzentrum. Nachdem die Bürger einen Bau auf dem Steinwarder mittels Bürgerbegehren verhindert haben, soll das Projekt auf einer Grünfläche vor dem Aktiv-Hus verwirklicht werden. Die Stadtvertretung will nun zunächst die Förderfähigkeit prüfen lassen. „Das ist eine neue Chance, Heiligenhafen auch in der Nebensaison zu beleben. Außerdem profitieren die Einheimischen ebenfalls davon“, befürwortet die zweifache Mutter das Projekt.

Auf der Grünfläche vor dem Aktiv-Hus soll das neue Schwimmbad gebaut werden. Quelle: Maike Wegner

Doch bei allen großen Plänen verliert sie auch das Thema Nachhaltigkeit nicht aus dem Blick. „Der ganze Bereich braucht ein Gesamtkonzept“, findet Verena Butler. Der Verkehr ist ein Beispiel: Bis dato kommen die meisten Touristen mit dem Auto – die Parkmöglichkeiten im Hochsommer sind schnell am Limit. Doch damit sich das ändern könne, bräuchte es ein Konzept für die komplette Urlaubsregion. „Es wäre schön, wenn die Gäste irgendwann bequem mit dem öffentlichen Nahverkehr anreisen können“, sagt die Tourismuschefin.

Von Maike Wegner