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Ostholstein Kleingärtner lassen Parzellen verwildern – für den Artenschutz
Lokales Ostholstein Kleingärtner lassen Parzellen verwildern – für den Artenschutz
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08:00 20.09.2019
Kleingärtner schaffen Lebensraum für Kleintiere wie Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten. Quelle: Markus Billhardt
Heiligenhafen

Es muss nicht immer alles nur akkurat und ordentlich sein. Auch ein bisschen wilder darf es zugehen beim Kleingärtnerverein Heiligenhafen. Die Mitglieder wollen Kleintieren und Bienen vermehrt ein Zuhause bieten und haben leer stehende Parzellen zu einem Paradies für Insekten gemacht. „Durch unsere neuen Bewohner haben wir quasi 100 Prozent Belegung“, sagt der Vereinsvorsitzende Peter Fiedler.

Die Kleingärtner aus Heiligenhafen geben Kleintieren und Bienen ein neues Zuhause. Der Vorsitzende Peter Fiedler (r.) und sein Stellvertreter Norbert Aarhuus präsentieren eine der umgestalteten Parzellen. Quelle: Markus Billhardt

Der Kleingartenverein Heiligenhafen ist mit rund 300 Mitglieder der zweitgrößte in Ostholstein. 335 Gärten befinden sich in den vier Kolonien. Mitten in der Stadt gelegen sind sie die „Grüne Lunge“ Heiligenhafens. „In jeder unserer Kolonien haben wir zwei bis drei nicht verpachtete Parzellen und anstatt diese brach liegen zulassen beziehungsweise den Bewuchs kurz zu halten, haben wir eine insektenfreundliche Gestaltung in Angriff genommen“, so Fiedler.

Der Kleingarten soll leben

Auslöser war eine Broschüre des Landesverbandes der Kleingärtner. Hier drin wurde das Projekt „Der Kleingarten lebt“ beschrieben. „Aufgezeigt wurden Möglichkeiten, wie Kleingartenvereine einer Verödung der Landschaft und der Gärten entgegenwirken können, um Insekten, Bienen und andere nützliche Tiere zu schützen und am Leben zu halten“, sagt Fiedler. Über diese ökologische Aufwertung sollen die anderen Mitglieder sukzessive auf den Kolonieversammlungen weiter sensibilisiert werden.

Kleingartenverein Heiligenhafen besteht aus vier Kolonien. Die Kolonie „Open Över“ befindet sich direkt am Sundweg. Quelle: Markus Billhardt

Der Kleingärtnerverein Heiligenhafen von 1946

Initiator und Gründer der Kleingärtnervereins Heiligenhafen war 1946 Schachtmeister Hermann Peters. Nach ihm ist die Kolonie zwischen Postlandstraße und Lindenhof benannt.

Im Juli 1948hatte der Verein 1340 Mitglieder. Viele Gartenfreunde damals waren Heimatvertriebene, die in Heiligenhafen ansässig wurden. Aktuell hat der Verein 292 Mitglieder.

Die
Gesamtgröße an gepachteter Flächen beträgt 144275 Quadratmeter. Die 335 Parzellen sind aufgeteilt auf die vier Kolonien „Hermann Peters“, „Lütjenburger Weg“, „Open Över“ am Sundweg und „Am Wachtelberg“.

Der Vereinist Mitglied im Kreisverband Ostholstein der Kleingärtner, in Ostholstein gibt es 22 Kleingartenvereine mit insgesamt 2285 Vereinsmitglieder. Nach Bad Schwartau (323 Mitglieder) ist Heiligenhafen der zweitgrößte Verein.

Kontakt gibt es zum Vorsitzenden Peter Fiedler per E-Mail an kgv-heiligenhafen@freenet.de oder unter Telefon 043 62/506 53 15.

Heimat für eine bunte Tier- und Pflanzenwelt

Wichtig sei, ein ganzjähriges Angebot an Blüten, erläutert Fiedlers Stellvertreter Norbert Aarhuus. Es seien dahingehend besondere Saatmischungen eingesät worden. Beispielsweise würden sich Schmetterlingsflieder oder Lavendel eignen. Der Duft dieser Pflanzen lockt Bienen, Hummeln und Schmetterlinge an und sie bieten eine gute Nahrungsquelle. Die Flächen seien aber auch Lebensraum für die Vogelwelt. „Wir haben die unterschiedlichsten Arten in den Gärten, die sonst nicht so im Stadtgebiet anzutreffen sind. Sogar eine Fledermauskolonie habe ich beobachtet“, erzählt Aarhuus weiter.

Es sieht verwildert aus, hat aber System. Mit dem Bewuchs der Parzelle sollen Kleintiere angelockt werden. Quelle: Markus Billhardt

Aber auch andere Kleintiere sind den Kleingärtnern aus Heiligenhafen sehr willkommen. Sie hoffen, dass Igel vorbeischauen, die ihnen die Schnecken wegfressen oder Marienkäfer, die sich um Blattläuse kümmern würden. „Wühlmäuse wären uns auf der anderen Seite allerdings eher lästig“, sagt Fiedler, der seit 1983 im Verein ist.

Am Lütjenburger Weg hat der Kleingartenverein von 1946 eine Hobbyimkerin als Pächterin, die bereits seit zwei Jahren mehrere Bienenstöcke aufgestellt hat. „Dies streben wir auch in den anderen Kolonien an. Daher können sich Interessierte gerne bei uns melden“, sagt der Vorsitzende. Es komme den Beständen dann auch sehr zugute, ergänzt der 64-Jährige. Er sei zwar kein Fachmann, aber es gebe wesentlich höhere Erträge an Obst und Gemüse zu verzeichnen. „Manche wissen manchmal gar nicht mehr wohin, mit der eigenen Ernte“, ergänzt Kleingärtner Aarhuus. Peter Fiedler fügt hinzu: „Und alles 100 Prozent Bio!“

Kleingärtner tauschen sich bundesweit aus

Darüber hinaus soll in der Kolonie „Lütjenburger Weg“ eine Ruhezone mit Obstbäumen errichtet werden. So eine Streuobstwiese haben auch andere Vereine wie zum Beispiel in Oldenburg. Unsere wird aber wohl mit rund 600 Quadratmetern etwas kleiner ausfallen“, erzählt der Vorsitzende. Um sich über diese und andere Projekte auszutauschen, fährt Peter Fiedler gemeinsam mit Norbert Aarhuus und zwei Kleingärtnern von Fehmarn am Montag, 23. September, nach Berlin.

Auf Einladung der SPD-Bundestagsabgeordneten Bettina Hagedorn treffen sie beim Kongress der SPD-Bundestagsfraktion „Zur Zukunft der Kleingärten“ Vertreter aus ganz Deutschland. Sie diskutieren aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen. Peter Fiedler hofft, bei diesem bundesweiten Meinungsaustausch weitere Ideen sammeln und auch von ihren Projekten berichten zu können.

Von Markus Billhardt

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