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Ostholstein Nur noch zwei Dorsche pro Tag: Angler und Kapitäne fürchten neue Fangquote
Lokales Ostholstein Nur noch zwei Dorsche pro Tag: Angler und Kapitäne fürchten neue Fangquote
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18:51 25.09.2019
Jörg Nagel bietet in Heiligenhafen Hochseeangeln auf der MS „Tanja“ an. Die Empfehlung für das neue Baglimit empfindet er als Katastrophe. Quelle: Luisa Jacobsen
Heiligenhafen

Als die „Tanja“ ihren Anlegeplatz im Fischereihafen erreicht, ist es kurz nach 15.30 Uhr. Schaulustige bleiben stehen und beobachten, wie der rote Kutter am Kai in Heiligenhafen festmacht. Kapitän Jörg Nagel verabschiedet sich lächelnd von den Anglern, die – gut gelaunt und vollgepackt mit Ausrüstung und ihren Fängen – seinen Kutter verlassen.

Tatsächlich aber hat der Kapitän wenig Grund zum Lächeln. Er befürchtet, dass viele seiner Gäste im nächsten Jahr nicht wiederkommen werden. Den Ostsee-Anglern droht eine neue Fangquote für den Dorsch in der westlichen Ostsee. Das Baglimit von bisher sieben Fischen pro Person pro Tag soll nach Empfehlung der EU-Kommission auf zwei Dorsche gesenkt werden. „Das würde wirtschaftlich das Ende für mich bedeuten“, sagt Jörg Nagel.

Zahl der Dorsche nicht so stark angestiegen wie erwartet

Entschieden wird über die neuen Fangquoten am 14. und 15. Oktober in einer Sitzung der EU-Fischereiminister. Sollte der Empfehlung gefolgt werden, würde sich die Fangmenge für den West-Dorsch für Berufsfischer um 68 Prozent reduzieren, bei Hering sogar um 71 Prozent. Angler dürften zwei Dorsche pro Tag aus dem Wasser holen. Begründet wird die Empfehlung mit wissenschaftlichen Beobachtungen, nach denen „die Bestandsgröße nicht so stark angestiegen ist wie zuvor angenommen“.

Heiligenhafen wirbt mit der größten Hochseeangelflotte Europas. Dabei sind heute nur noch eine Handvoll Kutter übrig. Vor dem ersten Baglimit 2017 waren es noch wesentlich mehr.

Kapitäne: Das Limit hätte keine Auswirkungen auf den Bestand

Jörg Nagel und die anderen Anbieter von Hochsee-Angeltouren in Heiligenhafen können die Empfehlung nicht nachvollziehen. Sie sind sich sicher, dass eine Reduzierung der Quote von sieben auf zwei Dorsche keine Auswirkungen auf den Bestand haben würde, dafür aber den Rest des verbliebenen Angeltourismus zerstören würde. Denn: „Die Angler holen hier nicht ständig sieben Dorsche aus dem Wasser“, sagt Thomas Deutsch, Kapitän der MS „Einigkeit“.

Er sitzt im Aufenthaltsraum seines Kutters an einem Tisch. Dazugekommen sind Mirko Stengel, Kapitän der „Seho“, ebenfalls ein Schiff fürs Hochseeangeln, Lars Wernicke,Vorsitzender der Sparte Angeln beim Verein Wassertourismus in Schleswig-Holstein, und Hartwig Kölln, Inhaber des Angelshops Baltic Kölln direkt am Hafen. Thomas Deutsch erzählt: „Heute waren wir mit 30 Leuten draußen und haben 20 Dorsche gefangen“. Eine Ausbeute weit unter dem neuen, drohenden Baglimit.

Lars Wernicke sagt, das Ganze sei eine Kopfsache bei den Anglern. Jeder hoffe auf den großen Tag, den super Fang – genau wie beim Lottospielen. Für zwei Dorsche pro Tag würde niemand Angel-Urlaub machen; auch wenn es im Schnitt oft darauf hinaus liefe.

Angler: Für zwei Dorsche lohnt sich die Anreise nicht

Widersinnig kann man das finden. Doch die Kapitäne haben Erfahrung mit den Auswirkungen des Baglimits – und die Angler bestätigen die Befürchtungen. Sarah Seidel und Falko Theil aus Bad Köstritz in Thüringen zum Beispiel. Sie haben gerade die „Tanja“ von Jörg Nagel verlassen und machen sich zur Abfahrt bereit. Sarah Seidel sagt: „Wir zahlen 40 Euro pro Person für die Tour.“ Dazu die Anreise. Für nur höchstens zwei Dorsche sei das einfach zu viel. Zu den Füßen der beiden Angler steht eine Kiste mit Fisch, den sie bereits auf der Rückfahrt auf dem Kutter filetiert haben. Auf die Frage, wie viel Dorsch sie heute gefangen haben, lautet die Antwort: „zwei“.

Die EU-Kommission empfiehlt für 2020 ein Baglimit von zwei Dorschen pro Person und Tag. Ostsee-Angler und Anbieter von Angeltouren sagen ihre Meinung zu der Quote.

Wissenschaftler: Fischer und Angler werden nicht gleichwertig behandelt

Unterstützung bekommen die Kutter-Kapitäne von Dr. Christopher Zimmermann, Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei und deutscher Vertreter im Advisory Committee des Internationalen Rates für Meeresforschung (International Council for the Exploration of the Sea, kurz ICES), dessen Empfehlungen wiederum Grundlage für die Kommissions-Vorlage sind. Aber: „ICES gibt keine Empfehlungen für Baglimits oder Fangquoten für Berufsfischer heraus“, sagt Zimmermann. Die Organisation teile nur mit, wie viel Fisch insgesamt entnommen werden sollte, um bestimmte Bestandsziele zu erreichen. Wie diese Gesamtmenge zwischen Berufsfischern und Freizeitfischern verteilt wird, sei eine politische Entscheidung.

Die Senkung des Baglimits auf zwei Dorsche bewertet Zimmermann als nicht sinnvoll. „Die ökonomische Bedeutung der Freizeitfischerei ist unserer Ansicht nach so hoch, dass man sich keinen Gefallen tut, wenn man sie kaputtmacht. Wir brauchen beides, Berufsfischer und Freizeitfischer.“ Im Vergleich haben die Angler aber das Nachsehen: Für 2019 war die Fangquote für den Dorsch für Berufsfischer um 70 Prozent erhöht worden. Verglichen damit war die Erhöhung bei den Anglern von fünf auf sieben Dorsche pro Person und Tag nicht gleichwertig. Die Fischer haben nun eine Reduzierung der Fangmenge um 68 Prozent zu erwarten, Zimmermann fände es fair, wenn die Quote für die Angler dann zumindest nicht unter fünf ginge.

Kapitäne kämpfen um ihre Zukunft

Jörg Nagel, Thomas Deutsch, Mirko Stengel und ihre Mitstreiter wollen bis zum 14. und 15. Oktober weiter für ein Baglimit von sieben Dorschen kämpfen. Für sie geht es schließlich um alles – ihren Betrieb, ihren Beruf und die Tradition dahinter. Dass all das auch vom Bestand des Dorsches abhängt, ist ihnen bewusst. „Wir sind schon so viel weniger als früher“, sagt Jörg Nagel. „Keiner kann die Ostsee leer angeln.“

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