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Ostholstein Entwarnung: Kein Phosphor, nur Dekosteine
Lokales Ostholstein Entwarnung: Kein Phosphor, nur Dekosteine
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18:16 30.07.2019
Sieht Bernstein zum Verwechseln ähnlich: Phosphor. Bei den am Sonntag gefundenen Brocken handelt es sich allerdings nur um Dekosteine. Quelle: Gemeindewehr Scharbeutz
Scharbeutz/Sierksdorf

Eine Steinesammlerin hat am Wochenende am Ostseestrand zwischen Haffkrug und Sierksdorf kleine gelbliche Steinchen gefunden, die Feuerwehr und Polizei zunächst für Phosphor hielten. Am Dienstag teilte Heiko Laskowski, Leiter des Ordnungsamtes Scharbeutz, nun mit, dass es sich nach einer Untersuchung des Fundes durch den Fachdienst Boden und Gewässerschutz beim Kreis Ostholstein lediglich um Dekosteine handeln würde.

Die Feuerwehren der Gemeinde Scharbeutz warnen Spaziergänger und Steinesammler trotzdem nachdrücklich vor dem Einstecken von vermeintlichem Bernstein am Ostseestrand. Der Grund: Es könnte sich auch um extrem gefährlichen Phosphor handeln, der nach dem Sturm der vergangenen Tage angespült wurde. Phosphor entzündet sich an der Luft bereits bei Temperaturen zwischen 20 und 40 Grad. Er verbrennt dann mit glühend heißer Flamme bei 1300 Grad. Schwerste Verbrennungen sind die Folge. Noch gefährlicher ist der Rauch – er kann tödlich sein.

Der vermeintliche Bernstein ist jedoch extrem gefährlich

Es passiert immer wieder, dass Phosphor angespült und eingesteckt wird (die LN berichteten) und die Finder schwere Verletzungen erleiden. So wie bei Gerd Simanski, der im Januar 2014 am Strand einen kleinen Stein in die Hosentasche steckte. Das Letzte, an das er sich erinnert, ist der helle Lichtblitz aus seiner Hosentasche, der surreale Anblick seiner brennenden Finger, als er versuchte, seine Brieftasche zu retten. „Ein Angler, der zum Glück in der Nähe war, hat mir zugebrüllt, ins Wasser zu rennen“, sagte Simanski damals den LN. Das habe ihm das Leben gerettet.

An diesem Sonntag fand nun eine Spaziergängerin am Strand zwischen Haffkrug und Sierksdorf kleine gelbe Kügelchen. Doch sie hatte eine mit Wasser gefüllte Tüte dabei. Darin sammelte sie die gelblichen Steine und brachte sie gleich zur Polizei. Über die sozialen Medien war die Frau bereits von anderen Sammlern gewarnt worden, dass es sich um einen Phosphor handeln könne. Zum Glück hatten sie unrecht. 

Hier gab es Phosphor-Funde

Am 8. November 2018 in Kiel-Schilksee, 26. März 2018 (Wedel), 4. August 2017 (Wedeler Elbstrand), 4. Oktober 2014 (St. Peter-Ording), 28. September 2014 (Plöner See), 13. Januar 2014 (Lütjenburg), 7. April 2010 Niendorf/Ostsee sowie am 5. August 2007 auf Fehmarn (Quelle: Landesregierung).

Weißer und gelblicher Phosphor sieht Bernstein zum Verwechseln ähnlich. Phosphor fand vor allem in den Brandbomben des Zweiten Weltkrieges Verwendung. Die Reste wurden später in der Ostsee versenkt. Bei Kontakt mit Sauerstoff entzündet er sich bereits bei 20 bis 40 Grad selbst. Dann verbrennt der Phosphor mit einer 1300 Grad heißen Flamme und entwickelt starken weißen Rauch. Neben schwersten Verbrennungen ist vor allem dieser Rauch, der einen knoblauchartigen Geruch hat, gefährlich – er ist hochgiftig.

So soll man sich verhalten

Gemeinde und Feuerwehr hatten umgehend reagiert und auf Facebook einen Warnhinweis veröffentlicht. „Da steht alles genau drin, auch Tipps, wie man sich verhalten soll“, sagt Gemeindewehrführer Patrick Bönig. So sollten Steine nur in nicht brennbaren Gefäßen wie Metalldosen gesammelt werden. Bis zur zweifelsfreien Identifikation sollten sie feucht gehalten werden. Wenn es doch einmal qualme oder brenne, dürften die Dämpfe auf gar keinem Fall eingeatmet werden. Zum Ablöschen müsse Sand verwendet werden. Nach jedem Kontakt mit weißem Phosphor sei der Arzt zu konsultieren, da die Wirkung der Vergiftung oft erst Tage nach dem Ereignis auftritt.

Hunderttausende Tonnen Munition in der Ostsee

Weltkriegsmunition wurde massenfach in der Ostsee versenkt. Immer wieder werden Überreste angespült. Das Problem ist seit Jahren bekannt. Hier gibt es weitere Infos:

Bereits 2014 haben Experten deutlich gemacht, dass sie von einer steigenden Zahl an Munitionsfunden ausgehen. Wie sich Giftstoffe auf Tiere, Pflanzen und Menschen auswirken könnten, ist hier zu lesen.

Für Aufsehen sorgte im September 2016 ein besonderer Fang: Ein Fischer aus Niendorf hatte eine 200 Kilo schwere Rakete im Netz.

Auch im Großen Plöner See gab es schon Phosphor-Funde. Ein Kind wurde schwer verletzt.

Passend dazu
gibt es hier die Geschichte von der Torpedoversuchsanstalt in Bosau.

Die Beseitigung der Munitionsreste wird noch lange dauern, wie Experten im Gespräch mit den LN verdeutlicht haben.

Ein Kieler Toxikologe hat bereits vor fünf Jahren erläutert, wie gefährlich Munitionsreste für Strandbesucher sein können.

Weltkriegsmunition in der Ostsee versenkt

Der Grund für die Phosphor-Anspülungen liegt 74 Jahre zurück. Hunderttausende Tonnen Granaten, Minen, Bomben sind nach Ende des Zweiten Weltkrieges im Auftrag der Alliierten in der Lübecker Bucht über Bord gekippt und versenkt worden. Jahrzehntelang hatte niemand das unheilvolle Material auf dem Ostseegrund beachtet. Jetzt sind große Mengen der Minen und Granaten durchgerostet und geben immer wieder auch das gefährliche Phosphor, Bestandteil vieler Brandgranaten, frei. Wind und Strömung spülen die Brocken dann an die Strände.

Louis Gäbler

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